Solothurner Kunstprojekt

Für das «erntema(h)l!» werden vor dem Kunstmuseum Beete bepflanzt

Für das Kunstprojekt sind Freiwillige wichtig. Als Vorbereitung auf das «erntema(h)l» werden vor dem Solothurner Kunstmuseum 36 Beete bepflanzt.

Die «Güggeli» sind schon seit zwei Wochen da, jetzt kommen die Gewürzkräuter und Gemüse. «Wir werden hier 40 Pflanzenarten mit rund 50 Sorten haben. Allein sechs Sorten sinds bei den Tomaten.» Ist Max Bottini jetzt ein Künstler oder ein Gärtner? Im Moment muss er sicher beides sein. «Nun, ich habe schon einige Projekte mit Nahrungsmitteln gemacht», erzählt der Thurgauer Kunstschaffende, der vom Kunstverein Solothurn angefragt worden war, und «erntema(h)l!» vorgeschlagen hatte.

Der Kunstverein, der alle vier Jahre ein Aussenprojekt umsetzt, fand den Vorschlag so cool, dass bereits im letzten Herbst die 36 Beete angelegt wurden. «Woher kommt das Essen? Welche Leistungen stecken dahinter?» Diese Fragen umtreiben Bottini, wenn er den gepflegten Parkrasen von einer Schar freiwilliger Helferinnen und Helfer in einen Gemüsegarten verwandeln lässt. «Das ist eine wunderbare Gelegenheit, eine kleine Produktionsgemeinschaft auf die Beine zu stellen», freut sich der Künstler. Oder: «Wir bauen hier eine soziale Skulptur», meint Bottini auch zum Teamwork von über 100 Freiwilligen.

Hoffen auf Diskussionen

Am 10. September wird von 10 bis 16.30 Uhr alles verkocht, was vor dem Museum gezogen worden ist – inklusive der dannzumal geschlachteten Zwerghähnchen. Max Bottini sieht seine Aktion wertfrei und will keineswegs moralisieren, obwohl: «Mit allem, was verzehrt wird, kommt sofort die Moral», deutet er die aktuellen Ernährungstrends aller Art an. «Aber ich freue mich, wenn Diskussionen dazu in Gang kommen.»

Diese Hoffnung ist die eine, die andere, dass sich genug Leute für das Projekt interessieren und für eine aktive Mitarbeit gewinnen lassen. «Denn alles steht und fällt mit den Freiwilligen.» Es brauche sehr viele Helferinnen und Helfer, gerade auch wenns ums Verkochen der Produkte, dem grossen Finale im September geht. An 24 Marktständen wird dann vor dem Kunstmuseum alternierend gekocht, auf 210 Sitzplätzen gegessen. Das Ganze sei zwar mehr eine Degustation als eine Mahlzeit, aber dafür gratis. «Wir geben den Leuten das Essen für ihre Unterstützung zurück.»

Bottini, der «fast gratis» in Solothurn arbeitet, kann keine genauen Franken-Zahlen für sein Projekt nennen. Stiftungen helfen bei der Finanzierung mit, auch eine aus dem Thurgau. «Dazu haben wir viel Unterstützung mit Arbeit gehabt, beispielsweise beim Erstellen des Hühnerstalls.»

Es gebe auch Risiken – «ein Hagelschlag kann alles kaputtmachen» – aber am meisten Skepsis schimmert beim Künstler immer wieder durch, die freiwillige Helferschar könnte zu klein bleiben. «Wir brauchen fünf Gruppen zu je mindestens sechs Leuten, welche das Projekt über die ganzen 113 Tage begleiten», rechnet Max Bottini vor.

Der Fachmann und der Koch

Dario Principi begleitet das Projekt als (bezahlter) Gartenfachmann, damit auch alle Pflanzen gedeihen. «Heikel sind die Tomaten und der Fenchel sowie jene Gemüse, die angesät werden müssen.» Ein weiteres Problem sei der Parkboden gewesen: Schon bald habe sich unter der dünnen Humusschicht kiesiges Material gezeigt, und deshalb wurde zusätzlich Erde in die Beete eingebracht.

Ebenfalls unter die Freiwilligen-Schar gemischt hat sich Markus «Kusi» Knuchel, Koch im Restaurant Sternen. «Ich helfe aber nicht beim Kochen – dafür wollen sie keine Profis.» Nein, er mache beim Gärtnern mit «weil ich zu Hause auch einen Garten habe.»

Infos: www.erntemahl.ch

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