Das Projekt mutet ehrgeizig an: Rund 60 Genossenschaftswohnungen sowie Gewerbefläche sollen an der Bielstrasse mit den Hausnummern 158, 160 und 162 neu entstehen. Pläne, die Franz Horner, Projektleiter von «Frohes Wohnen», auf Anfrage bereits heute bekannt gibt. Die Zürcher Baugenossenschaft ist unlängst Eigentümerin zweier Parzellen im Westen der Stadt geworden: Einerseits handelt es sich um die ehemalige Liegenschaft des Einrichtungshauses Eberhard Interieur, andererseits um das westlich davon gelegene Grundstück mit Wohnhaus und Magazingebäude, das auch in den Fokus der städtischen Baubehörde gerückt ist: als neuer Eintrag unter den «schützenswerten» Objekten des künftigen Bauinventars, über das die Eigentümer aller 281 betroffenen Objekte vor einigen Wochen per Brief informiert worden waren. Just auch den Noch-Eigentürmern der Bielstrasse 160 und 162 flatterte das Schreiben ins Haus, allerdings nachdem «Frohes Wohnen» den Kauf der Liegenschaft bereits besiegelt hatte. Aktuell als Baupublikation ausgeschrieben ist nun der Abbruch der beiden Gebäude.

«Um das Bauprojekt vorwärtszubringen, haben wir das Abrissgesuch jetzt gestellt», bestätigt Reinhard Voitel, Bauleiter von Housestore AG, dem Solothurner Planerbüro, das «Frohes Wohnen» vertritt. Aber wird dieses Vorhaben nun durchs neue Bauinventar blockiert? Kann das nun eingereichte Abrissgesuch Planungssicherheit herstellen und einem Schutzstatus zuvorkommen? Und geraten betroffene Solothurner Bauherren fortan in Zugzwang, ihre vor langer Hand vorbereiteten Projekte noch auf Kurs zu bringen, bevor das neue Bauinventar in Kraft tritt?

Noch im «Entwurfsstatus»

Bezogen auf die Causa Bielstrasse, schafft der Leiter des städtischen Rechts- und Personaldienstes Urs F. Meyer Klarheit: «Beurteilt wird dieser Fall nach heutigem Recht.» Und im aktuell geltenden Bauinventar ist die Liegenschaft noch nicht aufgeführt. Derweil sei das neue Bauinventar im Moment bloss eine Absichtserklärung. Komplexer wäre die Angelegenheit, wenn die Planung in den Zeitraum zwischen der Beschlussfassung und dem Inkrafttreten des Bauinventars fiele. Dann, so Meyer, käme eine Übergangsregelung zum Zug. Zeitlich ist es noch nicht absehbar, wann dies der Fall sein wird.

Nichtsdestotrotz ist die Bauherrin angesichts der geplanten Neubeurteilung ihrer Liegenschaft aktiv geworden: «Wir haben uns mit dem Solothurner Stadtbauamt zusammengesetzt, um die Sache zu besprechen», sagt Franz Horner. Für die Baugenossenschaft sei das Bekenntnis zum Standort, an dem man baut, vorrangig. «Wir möchten den Wünschen vor Ort Rechnung tragen und legen grossen Wert auf eine gute Zusammenarbeit.» Mit weiteren genossenschaftlichen Wohnprojekten in Luterbach und Selzach ist «Frohes Wohnen» auch sonst am Jurasüdfuss vertreten.

Nach derzeitigem Planungsstand dürften dort, wo heute das rosafarbene Wohnhaus mit Magazinhaus sowie die ehemalige Eberhard-Liegenschaft stehen, Blöcke entstehen, die im Erdgeschoss Gewerbebetriebe beherbergen und in den oberen Etagen Raum schaffen für besagte 60 «kostengünstige Genossenschaftswohnungen», wie Horner betont. «Wir sind auch mit den betroffenen Mietern daran, Lösungen zu erarbeiten.» An der Anschrift Bielstrasse 158 zählen neben den verbliebenen Eberhard-Räumlichkeiten die Betriebe von Concord Matratzen, Textilpflege Solothurn GmbH, sowie die Kampfsport-Studios Systema Akademie und Tenchi Kan (Aikido) dazu.

Haus in schlechtem Zustand

Im Entwurf des künftigen Bauinventars wird die leerstehende Liegenschaft für die originale historische Substanz und für ihren beachtenswerten Stellenwert als «intaktes Ensemble des Historismus» gewürdigt. Alles eine Frage der Perspektive: Seitens der heutigen Eigentümerschaft hat man ebenso festgestellt, dass das über 120-jährige Haus eben auch in einem desolaten und verlotterten Zustand ist.

Die kantonale Denkmalpflege hat das Gebäude nicht in einem Schutzstatus erfasst. Deren Leiter Stefan Blank gibt auf Anfrage bekannt, «dass wir prüfen werden, ob wir intervenieren werden».