Eigentlich nicht das Kurhaus, sondern den Grund und Boden auf dem es steht, der Ostflügel und den Parkplatz mitsamt Zufahrtsstrasse verkauft die Bürgergemeinde Solothurn an die Regiobank Solothurn für insgesamt 333333 Franken. «Für uns stimmt der Preis», meinte Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger, nachdem fast alle Stimmberechtigten in der Säulenhalle dem Verkauf zugestimmt hatten – lediglich zwei Enthaltungen wurden registriert.

»Eine elegante Lösung»

«Eigentlich war das Kurhaus für die Bürgergemeinde immer eine Nummer zu gross», blickte Wyniger auf die lange und recht erfolglose Geschichte des Gebäudes im Besitz der Bürgerschaft zurück. Die Investitionen hätten stets die Erträge überschritten, und auch das jüngste Konstrukt mit der Abgabe des Haupttrakts im Baurecht an die Kurhaus Weissenstein AG nach dem 10-Mio.-Umbau Anfang der Neunzigerjahre sei letztlich ein Misserfolg gewesen. Eindringlich warnte der Bürgergemeindepräsident auch vor einem «Nein» zum Verkauf: «Damit steht die Kurhaus Weissenstein AG vor dem Konkurs, und es ist mit dem Heimfall des mit 2 Mio. Franken Schulden belasteten Hauses an die Bürgergemeinde zu rechnen.» Der Verkauf sei «eine elegante Lösung» und «alles andere ein finanzieller Selbstmord.»

Ein Murren im Saal

Die Fragerunde zum Geschäft hielt sich im Rahmen. Jemand wollte mehr über die Absichten der Regiobank wissen, doch Sergio Wyniger konnte nur sagen, dass die neue Eigentümerin für den Unterhalt aufkomme, aber nicht die grossen Investitionen, insbesondere in den Ostflügel, vornehmen werde.

Kritischer hinterfragte der grüne Gemeinderat Alex Oberholzer den Deal. Er befürchtete, dass der Berg «zu einem Rummelplatz werden könnte», da die geplante neue Gondelbahn zu grosse Kapazitäten von Gästen auf den Weissenstein befördern werde. Was aber nicht den Intentionen des Landschaftsschutzes entspreche. «Und dann könnten wir den Verkauf des Kurhauses vielleicht bereuen.» Die Attacke gegen die neue Bahn rief hörbares Murren in den Reihen hervor, und Sergio Wyniger mahnte Oberholzer, jetzt nicht die Bahn-Diskussion wieder aufzunehmen – «hier geht es um etwas ganz anderes». Immerhin konnte er aber auch Oberholzers Nachfrage beruhigend klären, dass die Regiobank für den Erhalt des Juragartens einstehe. «Das wird im Kaufvertrag geregelt.»

Nun muss am Donnerstagabend noch die ausserordentliche Aktionärsversammlung der Kurhaus Weissenstein AG den Verkauf definitiv besiegeln. Mit diesem Schritt ist zu rechnen, da ein Grossteil der Aktien ohnehin im Besitz der Bürger- und Einwohnergemeinde ist.

Wasser und Abwasser

Völlig unbestritten war dagegen das zweite «Berg-Geschäft» des Abends, die Abtretung der Wasserversorgung im Weissensteingebiet durch die Bürgergemeinde Solothurn an die Einwohnergemeinde Oberdorf. Diese hatte sich bekanntlich bereit erklärt, eine neue Abwasser- und Wasserleitung auf den Berg zu bauen, die auch den Hinterweissenstein erschliessen würde. «Für unsere Berghöfe ist das ein Nullsummenspiel», erklärte dazu Sergio Wyniger, «die Bürgergemeinde wird damit jedoch alle Sorgen los.» Die da wären: das seit Jahrzehnten ungelöste Abwasserproblem durch die nie richtig funktionierende Bio-Kleinkläranlage, die über 70-jährige Wasserversorgung durch die Quellfassung auf dem Nesselboden sowie der Mangel einer genügenden Löschwasserreserve auf dem Weissenstein. «Wir wissen nicht, wann grössere Investitionen im Leitungsnetz anfallen, wir sitzen da auf einer finanziellen Zeitbombe», warnte Wyniger wiederum eindringlich. Die Bürgerschaft liess sich deshalb ohne Diskussion zu einem einhelligen «Ja» überzeugen.

Eine Restunsicherheit zu diesem Geschäft konnte jedoch auch der Bürgergemeindepräsident gestern Abend in der Säulenhalle nicht ausräumen. Denn zeitgleich musste die Gemeindeversammlung Oberdorf die entsprechenden Kredite von 210000 Franken für die neue Abwasser- und 500000 Franken für die Wasserleitung auf den Berg sprechen.