Solothurn

Fünf Leute samt Hund besetzen Kofmehl-Areal - freiwillig wollen sie nicht weg

So siehts derzeit auf dem ehemaligen Kofmehl-Areal aus.

So siehts derzeit auf dem ehemaligen Kofmehl-Areal aus.

Auf dem ehemaligen Kofmehl-Areal in Solothurn hat eine Gruppe von Alternativen eine eigentliche «Wagenburg» errichtet. Die fünf Leute führen einen «Kampf um alternativen Wohnraum» und wollen den Platz nicht freiwillig räumen.

«Wir sind fünf Leute und ein Hund. Jeder hat einen eigenen Wagen. Wasser holen wir mit Kanistern, und für Strom haben wir einen Generator und eine Solaranlage», deutet G. (Name der Redaktion bekannt) auf das Dach eines Bauwagens. Seit zwei Wochen schon haust das Quintett – von der Gibelinstrasse her durch eine Hecke nicht einsehbar – auf dem leeren Gelände, das der Marti AG gehört.

Von Lüsslingen nach Solothurn

Wo einst die frühere Kulturfabrik Kofmehl stand, ist schon seit Jahren ein neuer Coop-Center geplant – der aber bis jetzt aufgrund von Einsprachen nicht realisiert werden konnte. «Wir wohnten vorher in unseren Wagen in Lüsslingen. Von den Nachbarn gabs eigentlich nur positive Reaktionen.» Doch irgendwann seien die SBB als Eigentümerin des Areals auf den Plan getreten und hätten sie fortgewiesen. Jetzt, am neuen Standort in Solothurn hätten sie den Kontakt zu den Behörden und Grundeigentümern gesucht – bis jetzt sei dieser jedoch nur mit der Marti AG als Grundeigentümerin erfolgt. Mit ihr wollen die Besetzer über eine allfällige Zwischennutzung verhandeln. Ziel von G. und seiner Gruppe ist es offenbar, eine längere Aufenthaltsdauer auszuhandeln. Und wenn dies nicht einvernehmlich geregelt werden kann – dennoch zu bleiben. «Freiwillig gehen wir von hier nicht weg», meint G. trotzig. Die flatternde Fahne über dem kleinen Camp kündet jedenfalls genauso von Inbesitznahme des «Territoriums» wie das plakativ auf ein Tuch gemalte Wort «Besetzt».

Als Legitimation für ihr «Projekt» Wagenplatz machen die Besetzer politische Motive, den «Kampf um alternativen Wohnraum» geltend. Sie verweisen auf eine Aussage von Stadtpräsident Kurt Fluri, wonach es für solchen Raum kein passendes Gebäude gebe: «Herr Fluri, wir wollen kein Gebäude, sondern ein Stück Land, wo junge Leute sich selbst sein können.»

Besetzung registriert

Wie die Stadtpolizei auf Anfrage bekannt gibt, wurde die Besetzung von ihr bereits registriert. Auch setzte man schon die Grundstückbesitzerin Marti AG darüber in Kenntnis. Zurzeit gebe es aber weder einen Handlungsbedarf noch eine rechtliche Handhabe, um polizeilich einzugreifen oder allenfalls eine Räumung zu veranlassen. Solange die Besitzerin die fünf jungen Menschen auf dem privaten Grundstück toleriere, könne aus rechtlichen Gründen auch die Polizei nicht einschreiten.

Doch: Christoph Müller, Geschäftsführer Marti AG Solothurn hat bereits das Gespräch mit den Besetzern gesucht, um sie zum Gehen zu bewegen: «Vergebens, weswegen ich wohl Anzeige erstatten werde.» Schliesslich richte sich die Forderung der Besetzer an die Stadt und nicht an die Marti AG. Ausserdem werde der Platz für den Materialumschlag verwendet.

Dass es zu Besetzungen kommt, ist selbst in Solothurn kein Novum. Bereits im Herbst 2011 hatten sich friedliche Hausbesetzer in einem leerstehenden Haus neben dem damaligen «Heidenhübeli»-Restaurant an der Weissensteinstrasse einquartiert. Die Belagerung, die mit dem Transparent «Instandbesetzen statt kaputtbesitzen» bekräftigt worden war, dauerte bloss wenige Tage.

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