«Billard & Bar»
Frühere Handelsbank wegen Handels mit Drogen im Visier der Polizei

Die «Billiard & Bar» im Gebäude der ehemaligen Handelsbank am Stalden 1 gibt wegen Drogenumschlagsplatz und Schlägereien zu reden. Die Eigentümerin des Räumlichkeiten weist Probleme zurück.

Andreas Kaufmann
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«Billard & Bar» des Inhabers René Weydknecht gilt als bekannter Drogenumschlagplatz.

«Billard & Bar» des Inhabers René Weydknecht gilt als bekannter Drogenumschlagplatz.

Andreas Kaufmann

«Meinen Stoff habe ich aus der Handelsbank», diese Worte hören Stadtpolizisten nicht selten als Erklärung, wenn sie Personen im Besitz von Drogen in Solothurns Gassen aufgreifen. Dies bestätigt Walter Lüdi, stellvertretender Stadtpolizei-Kommandant.

So hat die frühere Handelsbank, die damit gemeint ist, heute aufgrund des Handels mit Drogen offenbar eine neue Funktion erhalten: Dies reichte als begründeter Verdacht für eine polizeiliche Untersuchung: Ende September wurden anlässlich einer Razzia Rauschmittel sichergestellt – gesamthaft 90 Gramm unterschiedlicher Drogen.

Ein Algerier und ein Mazedonier, beide Gäste der «Billard & Bar», wurden dabei festgenommen. Ebenso wurden mehrere Ordnungsbussen ausgestellt und Anzeigen eröffnet – so informierte die Kantonspolizei, die die Untersuchung zusammen mit der Stadtpolizei durchgeführt hatte.

Anwohner bestätigen hinter vorgehaltener Hand Probleme rund um besagtes Barlokal, die von dessen Inhaber René Weydknecht vor rund 15 Jahren ins Leben gerufen wurde. Lärm- und Geruchsemissionen der Bar und – vor rund drei Wochen während der HESO eine Schlägerei mit rund 20 Beteiligten.

Diese habe laut einem Zeugen gegen Mitternacht in der Bar begonnen und wurde auf der Strasse fortgesetzt. Ein am Boden liegender Mann sei von umstehenden Personen noch mit dem Fuss getreten worden. Die Einsatzkräfte, aufgrund der Herbstmesse grossteils anderweitig absorbiert, seien dabei erst später eingetroffen, so der Zeuge weiter. Aus seiner Sicht handle es sich bei der Bar um einen bedeutsamen Drogenumschlagplatz für Kokain.

Nie was Unangenehmes erlebt

Weniger problematisch sieht Olivia Ruprecht die Situation. Als Stockwerk-Eigentümerin am Stalden 1 gehören ihr auch die Räumlichkeiten der «Billard & Bar». Bis vor drei Jahren wohnte sie selbst oberhalb der Lokalität: «Da hätte ich mich selbst am meisten belästigt fühlen müssen. Doch Unangenehmes habe ich nie erlebt», so Ruprecht. Tatsächlich erinnert sie sich über den Zeitraum von zwölf Jahren an fünf Razzien und zwei Schlägereien.

«Das ist aus meiner Sicht vernachlässigbar. Und auch unsere Mieter fühlen sich nicht belästigt», weiss sie. Es habe zwar bis vor sechs oder sieben Jahren Probleme gegeben, da von den sechs damals installierten Briefkästen zwei leere als Umschlagplatz genutzt worden waren.

Schliesslich war die Eingangshalle damals tagsüber geöffnet. Schliesslich wurde der Eingang aber tagsüber geschlossen und bald darauf auch die Briefkästen entfernt, um einen Drogenhandel zu unterbinden.

Auf Anfrage verzichtet Barinhaber Weydknecht auf eine Stellungnahme zu den Vorfällen. Er äussert sich auch nicht zur Frage, wie er gegen allfällige Probleme vorgehen will. Lediglich macht beim Eingang zur Bar ein Aushang aufmerksam, dass Drogenhandel in den WCs nicht geduldet sei.

Eigentümerin Olivia Ruprecht bekundet ihrerseits keine Probleme mit Weydknecht: «Er ist ein guter, umgänglicher Mieter. Und auch wenn die Musik einmal zu laut war, schrieb ich ein SMS und fünf Minuten später war die Sache erledigt.»

Die spannende Geschichte der alten Handelsbank

Bank, Billardbar, Brand

Bis 1909 stand am Platz der damals erbauten Handelsbank der Gasthof Storchen zwischen der 1856 geschleiften Bastion St. Georg mit dem Haffnersturm und dem Wassertor. Erbaut hatten das Bankgebäude bis 1910 Architekt Edgar Schlatter und Baumeister Alfred Probst.

Zuvor war die Handelsbank in der Bierhalle Brunner am Landhausquai, dem späteren «Storchen», untergebracht gewesen. 1994 musste die mehrfach umgebaute Handelsbank nach 93 Jahren wegen der damaligen Immobilienkrise von der UBS übernommen werden.

Das Gebäude stand nun jahrelang leer, Pläne für ein Spielcasino in Solothurn wurden genauso wenig realisiert wie ein allfälliger Einbezug in die Seminarmeile. 2002 wurde die Billardbar eröffnet, doch im Juni 2004 verheerte ein Grossbrand das Haus. Es gab dabei auch Verletzte. Mit dem neuerlichen Umbau erhielt es das heutige Aussehen, wobei das Dach zu grossen Diskussionen führte. (ww)

Rechts im Bild neben dem 1853 abgebrochenen Haffnersturm stand der Gasthof Storchen, wo 1910 die Handelsbank erstellt wurde
12 Bilder
Im 18. und 19. Jahrhundert verbarg sich der Gasthof Storchen hinter dem Wassertor
Unten am Stalden bestand 1860 der nicht ausgeführte Plan von Wilhelm Tugginer, dieses Haus zu bauen
Der Gasthof Storchen 1893 links im Bild, rechts die Bierhalle Brunner, die später bis zum Neubau die Handelsbank beherbergte
Die alte Hauptpost und die Handelsbank nach 1910
Die Billardbar bei ihrer Eröffnung 2002.
So sah das Gebäude vor dem Brand aus.
Das Haus im Vollbrand am 10. Juni 2004.
Gespenstische Szene im Juni 2004
Nach dem Brand 2004
Spektakuläre Montage des Notdachs nach dem Brand 2004
Das neue Dach gab viel zu reden.

Rechts im Bild neben dem 1853 abgebrochenen Haffnersturm stand der Gasthof Storchen, wo 1910 die Handelsbank erstellt wurde

zvg

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