Solothurn
Früh übt sich, wer an die Ballett-Spitze will

Der 16. Internationale Ballettwettbewerb war mit 92 Teilnehmenden gut über die Bühne gegangen und war ein voller Erfolg.

Gundi Klemm
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Internationaler Ballettwettbewerb in Solothurn
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Internationaler Ballett Wettbewerb Solothurn -1

Internationaler Ballettwettbewerb in Solothurn

Der schwerelose Tanz auf der Spitze des Ballettschuhs ist seit je der Traum vieler Mädchen und vereinzelt auch von Knaben. Dass neben allem Wunschdenken und physischen Fähigkeiten vor allem eiserne Disziplin nötig ist, um sich im Ballett zu behaupten, zeigte erneut der Internationale Balletttag Solothurn.

Wer hier mitmacht, erhält als junger Mensch wichtige Hinweise für den eigenen tänzerischen Ausbildungsweg. Allein schon der Vergleich mit den Mitgliedern der Altersgruppe wie auch Ansprüche an Kondition und Nervenstärke geben diesem Wettbewerb für klassisches Ballett – von Stadtpräsident Kurt Fluri als «der kleine Bruder des Prix de Lausanne» bezeichnet – einen wichtigen Stellenwert in der Nachwuchsförderung.

Erstmals während zweier Tage

15-mal war der von Solothurner Ballettlehrkräften gegründete Wettbewerb alljährlich an einem Sonntag im Mai durchgeführt worden. Seit Jahren ist er nun unter der Organisation von Danse Suisse und die Verantwortlichen bedauerten den gedrängten zeitlichen Ablauf und verteilten die Übungsdurchgänge auf beide Tage am vergangenen Wochenende.

Die Altersgruppe 1 mit 31 Mädchen zwischen 11 und 12 Jahren aus der ganzen Schweiz und 5 Teilnehmerinnen aus Augsburg startete ihr Training am Samstagnachmittag an der Stange und danach in der Mitte des Konzertsaals. Dieser war wie gewohnt von einem grossen, mitfieberenden Publikum auf den Emporen umgeben.

Namhafte Fachleute in der Jury

Trainingsleiterin Christina Meyer, die über eine lange Erfahrung in Unterricht und Solistenlaufbahn verfügt, gestaltete den Ablauf von Schritt- und Bewegungskombinationen so, dass die auf der Bühne platzierte 7-köpfige Jury durch laufende Wechsel der Aufstellung einen genauen Eindruck der jungen Kandidatinnen erhielt.

Für das Preisgericht hatte Danse Suisse namhafte Fachleute aus dem internationalen Tanzwesen gewinnen können. Beteiligt waren Claudine Allen, Yann Aubert, Marco Cantalupo, Kinsun Chan, Kathleen Mc- Nurney, Susanne Natiez Frutig, frühere Präsidentin des Schweizerischen Ballettlehrerverbandes, und Veronica Rossetti.

Der jüngste Jahrgang 1999/98, unter Beteiligung von fünf Mädchen aus regionalen Ballettschulen, führte die beiden Durchgänge in Exercises und Endausscheidung noch auf weicher Sohle – also ohne Ballettschuh – aus.

Die beiden am Sonntag startenden Altersgruppen 2 (Jahrgang 1997/96) und 3 (Jahrgang 1995/94) unter der Trainingsleitung von Marina Tchijova und Kathryn Bradney begannen ebenso an der Stange, setzten die weiteren beiden Runden aber in der Saalmitte fort. Zu spannenden Augenblicken wurden die von Jubel – aber auch stillem Kummer – begleiteten namentlichen Bekanntgaben der Finalteilnahme gemäss Jury-Empfehlung.

Erstaunliches Niveau

Wer über mehrere Jahre diesen Solothurner Wettbewerb verfolgte, durfte sich am sichtbaren Können der 86 Elevinnen und der 6 in der obersten Altersgruppe gemeldeten jungen Eleven (allesamt Mitglieder der Tanzakademie Zürich) freuen.

Was als professionelle Schulung bei grossen Ausbildungsinstituten Standard ist, wird längst auch in kleineren Ballettschulen mit bemerkenswertem Niveau beherrscht.

Dass die freien Bewegungsformen mit anspruchsvollen Drehungen und Sprüngen, wie sie die Schlussrunden erforderten, so gut gelangen, ist ebenso dem bewährten Pianisten Robert Ashby zu verdanken, der im richtigen Tempo alle tänzerischen Gestaltungen mit seinen improvisierten Frühlingsblütenträumen rhythmisch stützte und umrahmte.

In der jüngsten Altersgruppe eroberte Vera Brotschi (Ballettschule B. Bernard, Solothurn) den ersten Platz. Mit dem 4. Rang ausgezeichnet wurde Mina Sophia Schürer (ebenfalls Schule B. Bernard). Die kompletten Ranglisten werden in der morgigen Ausgabe publiziert.