Solothurn

Frühlingserwachen auf dem Samstagmäret – jetzt hat der Bärlauch seine Show

Immer wenn es nach einem langen Winter in den Gärten zu spriessen beginnt, erwacht die Lust nach frischen Gemüsen und Salaten.

Was ist da verlockender, als am Samstagmorgen auf den Markt zu gehen, um herauszufinden, was die Natur schon alles an lange Entbehrtem hervorbringt. Noch macht das Lagergemüse den grösseren Teil von dem aus, was uns die Standinhaber anzubieten haben. Aber wer genau hinschaut sieht, dass auch am Solothurner Märet Aufbruchstimmung herrscht und sich die Durststrecke dem Ende zuneigt.

Noch sind die Solothurner fast unter sich. An der Hinteren Gasse stehen die Velos in Reih und Glied. Man kennt sich und plaudert miteinander. Vertrautes, das man im Winter vermisst hat. In den Cafés lässt man sich von der Frühlingssonne verwöhnen. Die Touristen und Heimwehsolothurner sind noch zuhause geblieben und der Dichtestress hält sich in Grenzen.

Noch sind sie teuer

In der Gurzelngasse mixt Marianne Brändli frische Smoothies aus Bärlauch, der bereits seit ein paar Wochen hinter ihrem Haus in Aetingen spriesst. Vor ihr steht ein Weidekorb gefüllt mit Wildkräutern: Löwenzahn, Brennnessel, Scharbockskraut, Baumtropfen und Vogelmiere. «Wildkräuter haben viele Bitterstoffe und sind deswegen gesund», wirbt sie für eine gesunde Ernährung. Eine Kundin greift zu einem Glas mit Bärlauchpesto. Auf diesen Augenblick hat sie schon lange gewartet.

Gegenüber bietet Manuel Schletti vom Pilzhüsli badische Spargeln und frische Morcheln an. Badische Spargeln? Man kann es kaum glauben. Der Blick fällt auf den Preis und man atmet kurz durch. «Ja, ja», sagt Schletti, «sie sind noch teuer, aber das Verlangen der Kunden ist gross, und sie kaufen sie trotz des hohen Preises.» Einheimische Spargeln sind auf dem Markt ansonsten noch kein grosses Thema.

Dagegen aus dem Treibhaus frisch geerntete Kopfsalate, aber auch Kresse, Portulak, Rucola und immer noch Nüssler. «Bei letzterem sinkt die Nachfrage», weiss Heinz Born. Auf einer Schiefertafel wirbt der Niederbipper zwar immer noch für seine Suppenhühner, aber auch damit ist meist Schluss, wenn die Frühlingsgefühle erwachen.

Den Frühling pur erlebt man zurzeit aber vor allem bei den Blumenhändlern. In keiner Jahreszeit sind die Farben und Pflanzen so intensiv wie in den ersten Frühlingstagen. Da blühen Stiefmütterchen, Tulpen, Osterglocken, Hyazinthen und Primeli in den allerschönsten Farben und bereichern das Märetbild wie nie sonst im Jahr.

Auf dem Holztisch bei Annemarie Zumbach auf dem Märetplatz werden aber auch die ersten Setzlinge angeboten. Nebst Petersilie und Schnittlauch gibt es bei der Huttwilerin bereits Blumenkohl-, Kohlrabi und Spitzkabissetzlinge aus eigener Produktion. Auch in dieser Sparte ist das Verlangen gross. «Im Frühling möchten die Kunden gleich alles miteinander haben», lächelt sie verschmitzt.

In drei Wochen ist Ostern. Da werden auch die Hühner in die Startlöcher müssen, und es wird noch bunter werden auf dem Markt. Wer klug gewesen ist, hat seine Eierbestellung bereits letzten Samstag aufgegeben.

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