«Meinen Stoff habe ich aus der Handelsbank», diese Worte hören Stadtpolizisten nicht selten als Erklärung, wenn sie Personen im Besitz von Drogen in Solothurns Gassen aufgreifen. Dies bestätigt Walter Lüdi, stellvertretender Stadtpolizei-Kommandant.

So hat die frühere Handelsbank, die damit gemeint ist, heute aufgrund des Handels mit Drogen offenbar eine neue Funktion erhalten: Dies reichte als begründeter Verdacht für eine polizeiliche Untersuchung: Ende September wurden anlässlich einer Razzia Rauschmittel sichergestellt – gesamthaft 90 Gramm unterschiedlicher Drogen.

Ein Algerier und ein Mazedonier, beide Gäste der «Billard & Bar», wurden dabei festgenommen. Ebenso wurden mehrere Ordnungsbussen ausgestellt und Anzeigen eröffnet – so informierte die Kantonspolizei, die die Untersuchung zusammen mit der Stadtpolizei durchgeführt hatte.

Anwohner bestätigen hinter vorgehaltener Hand Probleme rund um besagtes Barlokal, die von dessen Inhaber René Weydknecht vor rund 15 Jahren ins Leben gerufen wurde. Lärm- und Geruchsemissionen der Bar und – vor rund drei Wochen während der HESO eine Schlägerei mit rund 20 Beteiligten.

Diese habe laut einem Zeugen gegen Mitternacht in der Bar begonnen und wurde auf der Strasse fortgesetzt. Ein am Boden liegender Mann sei von umstehenden Personen noch mit dem Fuss getreten worden. Die Einsatzkräfte, aufgrund der Herbstmesse grossteils anderweitig absorbiert, seien dabei erst später eingetroffen, so der Zeuge weiter. Aus seiner Sicht handle es sich bei der Bar um einen bedeutsamen Drogenumschlagplatz für Kokain.

Nie was Unangenehmes erlebt

Weniger problematisch sieht Olivia Ruprecht die Situation. Als Stockwerk-Eigentümerin am Stalden 1 gehören ihr auch die Räumlichkeiten der «Billard & Bar». Bis vor drei Jahren wohnte sie selbst oberhalb der Lokalität: «Da hätte ich mich selbst am meisten belästigt fühlen müssen. Doch Unangenehmes habe ich nie erlebt», so Ruprecht. Tatsächlich erinnert sie sich über den Zeitraum von zwölf Jahren an fünf Razzien und zwei Schlägereien.

«Das ist aus meiner Sicht vernachlässigbar. Und auch unsere Mieter fühlen sich nicht belästigt», weiss sie. Es habe zwar bis vor sechs oder sieben Jahren Probleme gegeben, da von den sechs damals installierten Briefkästen zwei leere als Umschlagplatz genutzt worden waren.

Schliesslich war die Eingangshalle damals tagsüber geöffnet. Schliesslich wurde der Eingang aber tagsüber geschlossen und bald darauf auch die Briefkästen entfernt, um einen Drogenhandel zu unterbinden.

Auf Anfrage verzichtet Barinhaber Weydknecht auf eine Stellungnahme zu den Vorfällen. Er äussert sich auch nicht zur Frage, wie er gegen allfällige Probleme vorgehen will. Lediglich macht beim Eingang zur Bar ein Aushang aufmerksam, dass Drogenhandel in den WCs nicht geduldet sei.

Eigentümerin Olivia Ruprecht bekundet ihrerseits keine Probleme mit Weydknecht: «Er ist ein guter, umgänglicher Mieter. Und auch wenn die Musik einmal zu laut war, schrieb ich ein SMS und fünf Minuten später war die Sache erledigt.»