Solothurn
Frischer Lebensraum für frische Fische: «Es wäre schön, wenn mehr Tiere vorhanden sein würden»

Der Solothurner Fischereverein revitalisiert den Obach, um den Fischbestand zu vergrössern. Vier Arten werden gefunden: Bachforellen, Gründlinge, Groppen und Bartgrundeln.

Anina Mathivannan
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Mit einer elektronischen Sonde betäuben die Mitglieder des Fischervereins die Fische – um sie danach einzufangen und zu zählen.
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Keiner der Fische misst mehr als 15 Zentimeter.
Die Kleinen müssen währenddessen nicht auf dem Trockenen bleiben.
Mit einem Netz werden die Fische vorsichtig eingefangen.
Revitalisierung vom Obach

Mit einer elektronischen Sonde betäuben die Mitglieder des Fischervereins die Fische – um sie danach einzufangen und zu zählen.

Anina Mathivannan

Das Herzstück der Stadt Solothurn war schon immer die Aare. Von und zu einem Herzen führen aber stets auch kleinere Gefässe. Die Ambassadorenstadt hat davon vier: den Wildbach, den St. Katharinenbach, den Hunnenbach und den Obach. Doch nicht überall herrschen dieselben Lebensbedingungen. Daher hat der Fischereiverein Solothurn vergangenen Samstag ihr Pilotprojekt «Revitalisierung Obach» gestartet. Ziel des Projektes ist die Schaffung eines langfristigen, natürlichen Lebensraumes für Fische.

Fische zählen

Bevor Strukturänderungen im Kleingewässer vorgenommen werden, sammeln sich am Samstagmorgen rund 10 Mitglieder des Fischereivereins hinter der Klinik Obach zusammen, um zuerst den Fischbestand zu zählen. Sorgfältig wird der Bach auf einer Länge von ca. 40 Metern mit einer elektronischen Sonde und einem Kescher abgefischt. Tierquälerei? In der Tat schone diese Methode nicht immer alle Lebewesen, doch David Gerke, Präsident des Fischereivereins Solothurn und Umgebung, versichert: «Die Stromstärke, die wir benutzen, wird immer der Grösse der Fische angepasst. Der Strom verursacht nur eine kurzfristige Betäubung und oftmals eine Muskelkontraktion, die uns hilft, auch kleine, unauffällige Fische zu erblicken.»

Obwohl man auch bei der effektivsten Methode von toten Fischen ausgeht, überlebt diesmal jeder der 23 Fische, die gezählt werden. Vier Arten werden gefunden: Bachforellen, Gründlinge, Groppen und Bartgrundeln. Alle werden einzeln vermessen. 15 Zentimeter werden von keinem Fischlein übertroffen. «Das sind alles nur bis zu zweijährige Jungtiere. Den grösseren Fischen fehlt hier der Lebensraum. Diesen versuchen wir heute auf einem kurzen Abschnitt zu schaffen.»

Lebensraum erfrischen

Nachdem der ganze Fischfang wieder freigelassen wurde, fängt erst die richtige Arbeit an. Geplant sind eine Auflockerung der Kiessohle und der Einbau von Strukturelementen. Fische benötigen nämlich eine vielfältige Lebensumgebung. Während den Jungtieren strömungsarme Gewässer genügen, bevorzugen die ausgewachsenen Fische eine grosse Strömungsvielfalt. Der Obach mäandriere zwar, aber es fehle an Strukturen innerhalb des Baches, so Gerke. Um diesem Mangel entgegenzuwirken, werden Holzstämme und sogenannte Faschinen, sprich Astbündel, so in den Bach eingebettet, dass einerseits eine Vielfalt an Verengung und Erweiterung des Bachlaufes und andererseits Verstecke für die Fische geschaffen werden. Mit Pickeln wird anschliessend die Kiessohle des Baches aufgelockert.

Fischbestand vergrössern

Normalerweise braucht man für eine Strukturierungsarbeit an einem Gewässer zweierlei Bewilligungen: zum einen die Wasserbaubewilligung und zum anderen die Gewässernutzungsbewilligung. Doch in diesem Fall, sei der Eingriff so klein, dass beide nicht benötigt wurden, so Gerke. Nur für die Bestandzählung der Fische hat Gerke die fischereirechtliche Absegnung gebraucht und erhalten.

Gerke zeigt sich sehr zufrieden mit dem ersten Schritt im Projekt. Im November findet eine erste Kontrolle statt, um zu sehen, ob im bearbeiteten Bachabschnitt Laichgruben, etwa von Forellen, zu finden sind. In rund einem Jahr wird der Fischereiverein Solothurn dann ein zweites Mal den Fischbestand zählen. «Wir machen uns nicht riesige Hoffnungen, aber es wäre natürlich schön, wenn zumindest mehr Fische vorhanden wären», sagt Gerke. In natürlichen Bächen könne man nämlich zum Teil schon in einem Abschnitt von zwei Metern 23 Fische fangen – die man im Obach auf 40 Meter Länge gefunden hat.

Viele Fischer würden sich beklagen, dass etwa in der Aare nicht mehr so viele Fische vorhanden seien. Aber: «Wir haben nach wie vor viele Fische in der Aare», so Gerke. Es handle sich nicht um ein verringertes Vorhandensein von Fischen, sondern um eine Veränderung des Artenvorkommens aufgrund veränderter Lebensräume, etwa wegen dem Flumenthaler Kraftwerk.