Dienstag, 18.30 Uhr. Vor der St.-Ursen- Kathedrale in Solothurn hat sich eine kleine Gruppe Menschen in bunten Turnschuhen mit Sprungseilen versammelt. «Nur noch ein Durchgang, los, ihr schafft das», treibt Sue Laubscher ihre Schützlinge an. Und es funktioniert: Zähne werden zusammengebissen und die Übungen, welche den Puls in kürzester Zeit in die Höhe schnellen lassen, zu Ende geführt.

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Eindrücke aus dem Bootcamp in der Stadt Solothurn.

Einmal quer durch die Stadt

Was die sportliche Truppe hier tut, nennt sich «Bootcamp». Die Trainingsform hat ihren Ursprung in Amerika und erfreut sich auch in der Schweiz immer grösserer Beliebtheit. Vor zwei Jahren hat Sue Laubscher den «City Circle Solothurn» ins Leben gerufen. Klingt wie eine «Beizentour», ist es aber nicht.

Dreimal pro Woche rennen die «Bootcamper» durch und rund um die Stadt Solothurn und führen an ausgewählten Orten Liegestützen und Kniebeugen durch, bevor sie in zügigem Tempo weiterjoggen. Alles unter der Leitung von Sue Laubscher, die im Voraus die Route und die Übungen plant. Die «Bootcamper» lassen sich durch die teils verwunderten, teils bewundernden Blicke nicht aus dem Konzept bringen.

Im Gegenteil: sie scheinen diese geradezu als Ansporn zu nutzen. Die Teilnehmer wirken aber nicht wie verbissene Sportfanatiker, eher wie eine unkomplizierte Ansammlung von Menschen, die sich lieber in der Gruppe quält anstatt alleine. Mitmachen könne laut der Leiterin Sue jeder, der eine gewisse Grundkondition und den Willen, die Komfortzone zu verlassen, mitbringe.

Denn das Training ist streng und findet bei jedem Wetter statt. Ausreden gibt es nicht. «Das ist ja alles schön und gut, aber das kann ich auch zu Hause für mich alleine machen?», denken sich einige nun. Doch genau das sei das Einzigartige an diesem Konzept: «Es ist doch viel motivierender, den inneren Schweinehund gemeinsam Gassi zu führen», erklärt Sue Laubscher. Sie sei im Teamsport aufgewachsen, und als sie ihre Curlingkarriere an den Nagel hängte, habe sie vor allem das gemeinsame Trainieren und den Teamgeist vermisst. Es sei für sie schwierig und langweilig gewesen, sich aufzuraffen und für sich alleine Sport zu treiben.

«Was ich nicht vermisste, waren die geschlossenen Hallen», erinnert sich Laubscher. So sei die Idee entstanden, in Solothurn ein regelmässiges Bootcamp im Freien durchzuführen. Sie hatte den Eindruck, dass sie mit dem Wunsch, sich in einer Gruppe draussen aktiv zu betätigen, nicht alleine war. Damit sollte sie recht behalten: zu Beginn des «City Circles» zählte die Gruppe zwischen zwei und fünf Personen – heute sind es bereits zwischen acht und zehn Teilnehmer.

«Qualität vor Quantität»

Doch wie sieht es bei solchen eher anspruchsvollen Kraftübungen mit Verletzungsgefahren aus? Wichtig sei, dass man bei der Ausführung der Übungen auf eine saubere Technik und eine korrekte Ausführung achte, damit das Verletzungsrisiko auf ein Minimum reduziert werden kann. «Das Motto heisst: Qualität vor Quantität», betont Laubscher. Während den Übungen steht die Bootcamp-Trainerin den Teilnehmern mit Tipps und motivierenden Worten zur Seite und macht, wenn nötig, auf falsche Körperhaltungen aufmerksam.

Nach einer intensiven Stunde Training kehrt die Gruppe ausgepowert zum Ausgangspunkt auf dem Kronenplatz zurück. Die verschwitzten, aber zufriedenen Gesichter lassen erahnen, dass die «Bootcamper» mit ihren Leistungen zufrieden sind. «Die Rückmeldungen sind extrem motivierend», schwärmt Sue Laubscher. Die «Bootcamper» selbst seien es, die den City Circle so einzigartig machen. «Sie schrecken einfach vor nichts zurück – sei es vor einer harten Trainingseinheit oder einer Beizentour», schmunzelt Laubscher.