Kontrast der besonderen Art am Dienstagnachmittag: Auf dem Budemäret am Dornacherplatz tummelt sich, wer den freien Tag der Arbeit in vollen Zügen geniesst. Derweil ziehen wenige Meter neben diesem Inbegriff der Spassgesellschaft rund 350 Teilnehmer der 1.-Mai-Kundgebung vorbei. Kurdische Volksmusikklänge, bunte Flaggen und das angeregte Gespräch der Umzugsgänger sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein schwerer Rucksack mit vielen politischen Themen mitgeführt wird.

Unter dem Schlagwort «Lohngleichheit. Punkt. Schluss!» stand die Frage der Lohndiskrepanz zwischen Mann und Frau am gestrigen Tag der Arbeit zuoberst auf der Themenliste. «Es geht um Gleichstellungsanliegen», bekräftigte eine Riedhölzerin, die sich durch ihre Teilnahme auch für die Gewerkschaftsanliegen stark macht.

Es sei aber klar, dass viele Themen, die auf der «linken Seite» angesiedelt sind, Platz haben dürfen. Was zu beweisen war: So schwenkte der Kurdische Kulturverein seine bunten Fahnen für Anführer Abdullah Öcalan oder für die revolutionäre Frauenbewegung in der autonomen nordsyrischen Kurdenregion Rojava. Derweil widmete sich die ebenfalls präsente «Antifaschistische Aktion» in Kostümierung und «Umzugswagen» kritisch dem Thema der totalen Überwachung.

1.Mai-Kundgebung 2018 in Solothurn

1.Mai-Kundgebung 2018 in Solothurn

«Beschämende» Lohnsituation

So nahm am Dienstag ein laut Stadtpolizei friedlicher und zahlenmässig durchschnittlicher Demonstrationsumzug durch Vor- und Altstadt seinen Lauf. Laut Polizeikommandant Peter Fedeli blieben ebenso Sachbeschädigungen aus. Und bis Redaktionsschluss wurden auch keine anderen Vorfälle vermeldet. Lediglich die Einnebelung des Märetplatzes durch Rauchpetarden aus den Antifa-Reihen dürfte einige Passanten irritiert haben. Traditionsgemäss kam der Umzug in der Fischergasse neben Imbissständen mit Döner und Bratwurst und neben Tanzeinlagen von Jugendlichen aus dem kurdischen Kulturverein zum Abschluss.

Kämpferische Töne zum Hauptthema des Tages schlug dann aber Eröffnungsredner Markus Baumann an. Der Präsident des kantonalen Gewerkschaftsbundes bezeichnete es als «beschämend, dass wir heute noch immer mit extremen Lohnunterschieden zu kämpfen haben», und dies 23 Jahre nach Einführung des Bundesgesetzes über die Gleichstellung von Frau und Mann, welches die direkte und indirekte Diskriminierung verbietet. «Doch es wird kaum vollzogen, kaum kontrolliert. Als ob man im Verkehrswesen einfach keine Parkbussen mehr verteilen und keine Tempokontrollen mehr durchführen würde», so Baumann weiter. Durchschnittlich verdienen Frauen rund 600 Franken im Monat weniger. «Will heissen, sie sind stärker von der Armut betroffen und beziehen tiefere Renten. Eine lebenslange Strafe.»

Beschämend sei auch, dass die Schweiz im EU-Vergleich auf dem 23. Platz rangiert.
Derweil würden die Bürgerlichen die Debatte um Lohngleichheit mit dem Argument abwürgen, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür sei. «Oder sie appellieren an die Selbstverantwortung. Doch diese Freiwilligkeit funktioniert nicht.»

Weiter legte Baumann den Finger auf Lohngerechtigkeit im Allgemeinen und auf die Bestreben von bürgerlicher Seite, den Arbeitnehmerschutz auszuhöhlen. «Es ist an der Zeit zu kämpfen – laut und deutlich, sicht- und spürbar», so sein Appell. Nach einem Reigen weiterer Reden von Parteivertretern und von Repräsentanten des kurdischen Kulturvereins wurde der Tag der Arbeit mit einem lockeren, kulturellen Rahmenprogramm abgerundet.