Das Thema war interessant, die Diskussion lebendig und die Rollenbilder von Mann und Frau, wie sich bald heraus stellte, noch fest in den Köpfen beider Geschlechter verankert. Doch wo blieben die Genossinnen und Genossen, die sich mit der Gleichstellung und der Lohngleichheit wie keine andere Partei beschäftigen?

Nur gerade ein Dutzend von ihnen (davon sechs Männer!) versammelten sich in der «Kreuz»-Bar, um an einem Themenabend heraus zu finden, wo es mit der Gleichberechtigung noch harzt.

Die einzige Frau

«Ich war während meiner Ausbildung unter 40 Lernenden die einzige Frau», erzählte die Bodenlegerin Myriam Bänninger, die inzwischen im Industriewerk der SBB in Olten arbeitet. Dort, wo man sich um die Pflege und Reparaturen von Reisezugwagen kümmert und von einem ganzen Heer von Männern nur gerade acht Frauen orangefarbene Hosen tragen. Was aber hat die heute Dreissigjährige dazu veranlasst, einen Männerberuf zu erlernen?

«Für Myriam Bänninger war von Anfang an klar: «Ich wollte einen handwerklichen Beruf erlernen, nicht in einem Büro sitzen und trotzdem warm haben.» Und sie weiss: ohne die Unterstützung der Familie wäre es nicht möglich gewesen, diesen Traum zu erfüllen. Ihr Berufswunsch stand in krassem Gegensatz zu all jenen, die lieber hinter einem Computer den Tag verbringen wollen, weil die Eltern eine kaufmännische Berufslehre als besseres Sprungbrett für eine prosperierende berufliche Zukunft erachteten.

Glück hatte auch der Krankenpfleger Pierric Gärtner, der ebenfalls auf ein Umfeld zählen konnte, in dem man nicht auf feste Rollenbilder fixiert war. Mit Kollegen, die ihn wegen seiner Berufswahl belächelten, hat er inzwischen den Kontakt abgebrochen. Immer wieder musste und muss er sich auch heute noch gegen Vorurteile behaupten und dafür kämpfen, dass man ihm nicht eine Sonderstellung zuordnet. «Häufig werde ich mit dem Arzt verwechselt», lächelt Gärtner.

Und wie reagieren die Patienten auf einen Krankenpfleger? «Unterschiedlich», sagt er. Auch hier müsse man gegen die Rollenbilder ankämpfen und aufpassen, dass der «Seltenheitswert» nicht mit Autorität verwechselt werde. Rollenbilder verhinderten oft die Entfaltung «Auch dagegen muss man ankämpfen.» Obschon man sich als Krankenpfleger zum Stationsleiter oder in eine andere Leitungsfunktion hocharbeiten könne, hielten viele nicht durch, bedauert der Pfleger.

Vorurteile abbauen

Dass Frauen in Männerberufen und Männer in Frauenberufen arbeiten können, müsse normal werden», waren sich Myriam Bänninger und Pierric Gärtner einig. Dazu müssten jedoch Vorurteile abgebaut werden und auf eine Öffnung in der Gesellschaft hin tendiert werden.
Blieb noch die Lohngleichheit.

Dafür, dass Frauen bei gleichwertiger Arbeit weniger Lohn erhalten, fand man auch unter den anwesenden Genossinnen und Genossen keine Antwort. Fest stehe aber, dass es auch an den Frauen liege Forderungen zu stellen und das Thema immer wieder anzusprechen.