Solothurn

«Französische Weihnacht»: Das Sinfonie Orchester und der Mädchenchor präsentieren eine kluge Aufführung

Orchester, Solisten, der Mädchenchor und das Vokalensemble Tradiophon boten dem Solothurner Publikum ein ausserordentliches Klangerlebnis.

Das aufgeführte «Oratorio de Noel» op. 12 von Camille Saint-Saens (1835-1921) ist ein wunderbar melodiefreudiges sowie festlich romantisches Werk, das sich wie eine sinfonische Dichtung in zwölf Teile gliedert.

Der Komponist hat die Texte für sein 1858 geschriebenes Frühwerk der lateinischen Bibelübersetzung Vulgata und katholischer Kirchenliturgie entnommen. Nach einem, dem Stil Bachs gewidmeten lieblichen Vorspiel, erinnert musikalisch nichts mehr an das bekannte «Weihnachtsoratorium» des deutschen Komponisten.

Erzählt wird die klassische Geschichte um Jesu Geburt, die in Mitwirkung der Chorstimmen und der Solisten Rebekka Maeder (Sopran), Jordanka Milkova (Mezzosopran), Barbara Erni (Alt), Tenor Irakli Murjikneli und Bariton Wolf Latzel koloristisch und plastisch vorgetragen wurde. Soli, Duette, Quartette und sogar ein Quintett malen das Geschehen aus.

Die Frauenstimmen überzeugten

Sehr überzeugend in Einzelauftritt und Zusammenklang waren die Frauenstimmen und der klarstimmig interpretierende Bariton. Für ein Oratorium besass die tremoloreiche Tenorstimme etwas zu viel Schmelz.

Die gesamte, teils dramatische, teils lyrische Klangwirkung erhielt in dem über Streicher, Harfe und Orgel in diesem Werk verfügenden Sinfonieorchester eine vielgestaltige und beglückende instrumentale Ausstrahlung. Das erste einprägsame Hirten-Thema nahm Saint-Saens zum Abschluss nach dem Halleluja nochmals auf.

Bedauerlich war, dass dem Programmheft keine Werktexte beigefügt waren. Ganz beglückend mit geschlossenem Chorklang gelang der Auftritt des 34-köpfigen Vokalensembles Tradiophon in der Einstudierung der beiden Musikpädagoginnen Lea Pfister-Scherrer, bekannt als Mitgründerin 2007 des Solothurner Mädchenchors, und der «Schwarzbübin» Sarah Hänggi, die beide mit dem Kantonalen Kulturförderpreis ausgezeichnet wurden.

Um einen Stern am Musikhimmel handelt es sich bei der 34-jährigen schweizerisch-australischen Dirigentin Elena Schwarz, die mit ihrem klugen, antizipierenden Dirigierstil so sehr gefiel. Bemerkenswert gelang die jeweils szenische Schilderung durch Einzelinstrumente wie Harfe oder Orgel.

Gewöhnungsbedürftige Effekte mit Humor versetzt

Zur Aufführung der 22-minütigen Weihnachtskantate von Arthur Honegger (1892-1955), dem schweizerisch-französischen Komponisten, der auch als Pianist, Dirigent, Organisator und Musikkritiker zum wahren Weltbürger wurde, verstärkte sich das Orchester mit seinem Bläserregister.

Denn Honegger bedient sich in diesem 1953 uraufgeführten Werk verschiedenster Mittel in der Klangfärbung und auch im Einsatz von atonalen Einschüben. Seine «Cantate de Noel» verfügt über eine Beziehung zum Selzacher Passionsspiel. Er griff in der Kantate nämlich auf Teile seines Entwurfs für Selzach aus dem Jahr 1937 zurück.

Nicht die darin geplante Schöpfungs- sondern nur die Geburtsgeschichte findet in der dreiteiligen Kantate Platz. Zu Herzen ging der orchestral eindrücklich begleitete Eingangssatz «De profundis clamavi», der an die Verlorenheit der Christen ohne ihren Erlöser erinnert.

In gesamtem Tonstück waren neben dem prachtvoll zeichnenden Solobariton, der gemischte Chor und der Solothurner Mädchenchor beteiligt. Das gesamte Klangspektrum zeigte - wie von Honegger erwartet - überraschende, teils für klassisch geschulte Ohren in den Tonalitäten gewöhnungsbedürftige Effekte. Mit rhythmisch betonten Einfügungen bei Singstimmen und Instrumentalisten und den versetzt verwendeten Weihnachtsliedern wurde humorvolles Augenzwinkern erkennbar.

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