Man merkt, dass sich Franz Hohler in Solothurn wohl fühlt – ebenso wie sich das hiesige Publikum wohl fühlt, wenn der Schriftsteller auf einen Besuch nach Solothurn kommt. Am Freitag wurde dies anlässlich der dritten und letzten Folge der diesjährigen «Sternschnuppen»-Anlässe in der christkatholischen Kirche bewiesen: 170 Leute folgten der Einladung, über die Mittagszeit «einen Gang zurückzuschalten» und Hohlers Denkimpulsen über das Thema «Liebe und Nächstenliebe» zuzuhören.

Ebenso, wie auch die sanften Bach-Klänge von Violinistin Simone Meyer zur besinnlichen Stimmung in der Franziskanerkirche beitrugen. Die Liebe in Hohlers Geschichten kommt dort zum Ausdruck, wo der Cotoneaster-Strauch mit seiner «Umarmung» den kränkelnden Fliederstamm stützt. Oder dort, wo ein Soldat aus Menschlichkeit an einem Erschiessungsbefehl verzweifelt und sich selbst das Leben nimmt. Die (Nächsten)liebe machte er aber auch humoristisch zum Thema:

Wenn die treue Kirchengängerin zwar ihren ungepflegten und schlecht riechenden Nächsten neben sich auf der Kirchenbank nicht lieben kann, aber dafür vielleicht den sympathisch lächelnden Übernächsten. Wie schon so oft bewies sich Franz Hohler in der hohen Kunst, den witzigen, spannenden und traurigen Geschichten auch eine Tiefgründigkeit zu verleihen, die die «entschleunigten» Besucher nach den Denkimpulsen dankbar in den hektischen Alltag mitnahmen.