Der Bewaffnete, der am Wochenende die Solothurner Polizei rund 28 Stunden lang in Atem gehalten hatte, hat sich vermutlich das Leben genommen. Als die Polizei die Wohnung am Sonntag stürmte, fand sie den 42-jährigen Schweizer tot in seinem Zimmer. «Er wurde um 2.58 Uhr mit einer Schussverletzung am Kopf tot aufgefunden», sagte Urs Bartenschlager, Kripo-Chef der Solothurner Kantonspolizei, am Montag vor den Medien in Solothurn. In seinem Schoss habe eine Pistole gelegen, eine Ordonanzwaffe der Armee.

Gemäss Bartenschlager dürfte es sich um seine persönliche Dienstwaffe gehandelt haben. Im Zimmer fand die Polizei zudem ein Sturmgewehr 57, das auf den Schweizer eingetragen ist. Er hatte das Gewehr letzten Dezember in einem Waffengeschäft legal gekauft. Wann sich der Mann das Leben nahm, ist noch unklar. Der Mann war bei der Polizei wegen Betäubungsmitteldelikten aktenkundig. Wegen Gewaltdelikten war er bis anhin jedoch nicht bekannt.

Kein Kontakt zum Schützen

Bis zum tragischen Schluss des Einsatzes gelang es der Verhandlungsgruppe der Solothurner Polizei nicht, Kontakt zu dem in seinem Zimmer verschanzten Mann aufzunehmen. Am Sonntagabend konnte jedoch seine Mutter zum Verlassen der Wohnung bewegt werden, die sie gemeinsam mit dem Sohn bewohnte.

Die betagte Frau blieb unverletzt, wie Bartenschlager festhielt. Sie wird derzeit jedoch psychologisch betreut. Sie hatte sich in derselben Wohnung, aber nicht im gleichen Zimmer wie ihr Sohn aufgehalten. Sie war keine Geisel und wollte die Wohnung eher nicht verlassen.

Andreas Mock, Pressesprecher der Kapo Solothurn, Staatsanwältin Petra Grogg und der Leiter der Kriminalabteilung, Urs Bartenschlager, geben den Medien Auskunft zum Fall J.

Pressekonferenz am Montag

Andreas Mock, Pressesprecher der Kapo Solothurn, Staatsanwältin Petra Grogg und der Leiter der Kriminalabteilung, Urs Bartenschlager, geben den Medien Auskunft zum Fall J.

Staatsanwältin geht von Suizid aus

«Laut ersten provisorischen Ermittlungen dürfte von einem Suizid des Verstorbenen auszugehen sein», sagte die zuständige Staatsanwältin Petra Grogg. Die Staatsanwaltschaft habe ein Verfahren betreffend eines aussergewöhnlichen Todesfalls eröffnet. Die Staatsanwaltschaft habe beim Institut für Rechtsmedizin in Bern (IRM) ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die Erkenntnisse dieses Gutachtens gelte es nun abzuwarten, bevor entschieden werde, wie es mit dem Verfahren weitergehe.

Schusswechsel am Sonntagabend

Am Sonntagabend war es beim Versuch zur Kontaktaufnahme zu einem Schusswechsel gekommen. Dabei gab der Bewaffnete nach jetzigen Erkenntnissen mindestens einen Schuss ab, wie Kripo-Chef Bartenschlager sagte. Die Polizei habe dreimal geschossen. Wer das Feuer eröffnet habe, sei noch unklar.

Am Samstagabend gegen 23 Uhr hatte der Schweizer in der Solothurner Weststadt unvermittelt zweimal auf Polizisten geschossen. Diese hatten ihn nach Meldungen von Passanten angesprochen. Die beiden Polizisten hätten das Feuer am Samstag nicht erwidert, da die Entfernung zu gross gewesen sei.

Bei der Polizei gingen Meldungen ein, dass der Mann auch Passanten bedroht, jedoch nicht auf sie geschossen habe. Weshalb der Mann maskiert und bewaffnet in der Stadt Solothurn herumlief, sei noch unklar.

Kamera in Zimmerdecke

Die Polizei wusste vor dem Zugriff über den Balkon der Wohnung, dass sich der Mann in seinem Zimmer aufhielt. Dies war der Polizei bekannt, weil sie zuvor Löcher in die Decke gebohrt und mit einer Endoskopkamera von oben in das Zimmer geschaut hatte. Die Anwohner im selben Mehrfamilienhaus und benachbarten Häusern waren evakuiert und ins Schulhaus Brühl gebracht worden. Sie übernachteten in einem Hotel. Bis auf die Bewohner des betroffenen Mehrfamilienhauses durften bis am Montag alle wieder in ihre Häuser zurückkehren.  (sda/san)