Solothurn
Franco Supinos neustes Buch handelt von der Flucht aus einer Schweiz vor dem Bürgerkrieg

Franco Supino hat ein neues Jugendbuch geschrieben. Am 20. September stellt er es in Solothurn vor.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Franco Supino

Franco Supino

hanspeter baertschi

Der Solothurner Autor Franco Supino hat sich mit seinem neuesten Buchprojekt gleich zwei Aufgaben gestellt: Jugendlichen das Thema Migration und Flucht näherzubringen; und dies in einer einfachen Sprache, die auch leseschwache Schüler verstehen. Entstanden ist die 50-seitige, soeben erschienene Erzählung «Bruderherz».

Tobi und sein Schulfreund Simu wollen aus ihrem Heimatland flüchten. Sie haben Angst, nach der Schule zum Nationaldienst eingezogen zu werden und keine Berufsausbildung machen zu können. Tobis Bruder ist schon aus dem Nationaldienst geflohen, gilt daher als Deserteur und hält sich mit krummen Geschäften über Wasser. Das Land, in dem Tobi lebt, war vor 50 Jahren das reichste Land in Europa, doch jetzt steht ein Bürgerkrieg bevor.

Die Rebellengruppe der Welschen verübt immer wieder Anschläge. Wasser, Strom und vor allem Geld ist knapp. Die Männer betrinken ihr Elend in den Beizen, die Frauen, die zum Haushalten gezwungen wurden, mussten es übernehmen, ihren Familien etwas zum Essen zu beschaffen. Dieses Land, in dem die Jungen keine Zukunftsperspektiven mehr haben, heisst Schweiz und die Sehnsuchtsorte, wo alle Jungen hinwollen, sind Italien, Marokko oder andere afrikanische Länder.

Mit diesem Kunstgriff einer verkehrten Welt bringt Autor Franco Supino ein wichtiges Thema jugendlichen Lesern näher: die Flucht von allein reisenden Minderjährigen nach Europa. Es geht in dieser 50-seitigen Erzählung in erster Linie um die Gefühlslage des jungen Hauptakteurs Tobi, weniger um die konkrete Bewältigung seiner Flucht über die Walliser Alpen nach Italien. Welche Ängste und Sorgen plagen den jungen Mann? Welche Lebensbedingungen in seinem Heimatland führen dazu, dass er keinen andern Ausweg als die risikoreiche Flucht sieht?

Auf wenigen Seiten schafft es Supino in einer einfachen, aber eindringlichen Sprache die Atmosphäre eines beklemmenden Schweizer Alltags zu zeichnen. Sodass man am Ende froh ist, dass das Gelesene blosse Fiktion ist. Hingegen sind die realen Gründe, die Minderjährige zur Flucht von Afrika nach Europa treiben, nach dieser Lektüre besser nachvollziehbar. Der «da bux»-Verlag Werdenberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, leseschwachen oder des Deutschen nicht allzu mächtigen jugendlichen Lesern mit engagierten Texten das Lesen vertrauter zu machen.

Buchvernissage am 20. September um 17 Uhr bei Bibliomedia, Rosenweg 2, Solothurn.