Es glänzt und funkelt im Alten Zeughaus. Doch das Thema ist todernst. Zwei durchtrennte Halswirbel liegen in der Vitrine im obersten Stock. Daneben sind zwei Schwerter: Die originalen Solothurner Richtschwerter, mit denen einst auf Geheiss der Obrigkeit geköpft wurde.

Die Halswirbel in der Vitrine zeigen, wie sauber Schwert und Scharfrichter ihrer Arbeit nachgingen: Der Schnitt ist glatt, der Kopf wurde wohl sauber abgetrennt. Vor kurzem hat der Kriminaltechnische Dienst der Kantonspolizei die Schwerter aus dem Museum geholt und sie im Labor untersucht. Er wollte wissen, ob eines der Schwerter den Kopf von einem der Männer abgetrennt hat, deren Skelette letzten Juni in Feldbrunnen gefunden wurden. Zwei gut erhaltene Männerskelette, ein Frauenskelett ohne Kopf und einen Oberkörper haben die Archäologen damals ausgegraben. Um 1700 sind sie hingerichtet worden (wir berichteten).

Das Resultat der kriminaltechnischen Untersuchung ist verblüffend: Das jüngere der beiden Richtschwerter aus dem 17. Jahrhundert kann als Tatwaffe zumindest nicht ausgeschlossen werden. Das ältere Richtschwert im Alten Zeughaus aus dem 15./16. Jh. kommt dagegen als Tatwaffe nicht in- frage. Als ob das Hinrichten nicht genug wäre, sind auf seiner Klinge ein Galgen und ein Rad eingeschlagen, die auf das Rädern und Hängen hinweisen.

Letzte Hinrichtung 1855

Die Spitzen der beiden Schwerter sind abgerundet. «Daran lässt sich das Richtschwert erkennen», sagt Claudia Moritzi, Leiterin Bildung und Vermittlung im Alten Zeughaus. Die spezielle Endform sollte den eigenen Zuständigkeitsbereich des Schwertes zeigen und darauf hinweisen, dass es sich nicht um einen ehrlichen Kampfeinsatz handelt. Bis wann und wie oft die Solothurner Richtschwerter verwendet wurden, ist nicht bekannt. Bereits 1491 sind im Säckelmeisterbuch die Kosten für drei Schwerter vermerkt, die zum Fegen (zur Politur der Klinge) gegeben wurden. Am 17. Februar 1855 kam es im Kanton dann zur letzten Hinrichtung. 1874 wurde die Todesstrafe endgültig abgeschafft.

Die schöne Seite von Waffen

Nicht nur beim Richtschwert: Hinter fast allen Objekten im Alten Zeughaus verbirgt sich eine brutale Geschichte. Und trotzdem – oder gerade deshalb – faszinieren die Objekte. «In keinem Museum scheiden sich die Geister an der Frage, ob die Objekte schön oder grausam sind, so stark wie hier», sagt Museumsleiterin Carol Nater Cartier. Der Ambivalenz zwischen Gewalt und Ästhetik hat sich Museumsfotografin Nicole Hänni nun in einer gestern eröffneten Ausstellung angenommen. In Kartonschachteln sind Fotografien von Hänni aufgehängt, die den «Mordsobjekten» den Schrecken nehmen: Die Fotografin geht ganz nahe an die Objekte ran. Viele erkennt man gar nicht mehr als Waffe. Zu sehen sind dagegen kleine Details: Spiralen, Verzierungen und Ornamente, die wie Schmuck aussehen, aber in Wirklichkeit etwa am Griff einer Waffe angebracht sind. Es ergibt sich ein neuer Blick auf die Ausstellung. Man wolle die Besucher zwingen, genauer hinzuschauen, sagt Claudia Moritzi. «Man kann viel entdecken.»

Verpackt sind die Fotografien in Kartonschachteln. Damit verweist die Ausstellung auch auf den geplanten Umbau des Museums. Gleichzeitig schweben die ausgestellten Schachteln in der Luft. Denn der Umbau ist vom Kantonsrat noch nicht bewilligt. «Wir sind in Aufbruchstimmung», sagt Claudia Moritzi. Die Kartonschachteln für den Umzug stehen jedenfalls bereit.

Zoom. Das Museumsobjekt im Fokus. Foto-Ausstellung, ab heute bis 5. Januar 2014 im Alten Zeughaus Solothurn.