Solothurn
Fortschritte als motivierender Lohn der Arbeit: Sie setzen sich für die Gleichwertigkeit aller Schüler ein

Das Zentrum für Kinder mit Sinnes- und Körperbeeinträchtigungen ZKSK macht sich auch für integrative sonderpädagogische Massnahmen stark.

Gundi Klemm
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«Ein Verhalten, das von den Erwartungen in Schule, Elternhaus und Öffentlichkeit abweicht, wird häufig als Defizit und Defekt wahrgenommen», bedauert David Rossi, der am ZKSK als Ressortleiter Integration tätig ist.

«Ein Verhalten, das von den Erwartungen in Schule, Elternhaus und Öffentlichkeit abweicht, wird häufig als Defizit und Defekt wahrgenommen», bedauert David Rossi, der am ZKSK als Ressortleiter Integration tätig ist.

Sandra Ardizzone

Das Zentrum für Kinder mit Sinnes- und Körperbeeinträchtigung ZKSK AG ist eine der Institutionen im Kanton Solothurn, die das Kantonale Volksschulamt mit der Begleitung junger Menschen betraut, die aus verschiedenen Gründen ihre Fähigkeiten im regulären Schulunterricht nicht in vollem Umfang entfalten können.

«Ein Verhalten, das von den Erwartungen in Schule, Elternhaus und Öffentlichkeit abweicht, wird häufig als Defizit und Defekt wahrgenommen», bedauert David Rossi, der am ZKSK als Ressortleiter Integration tätig ist. Ihm als Psychologen und Organisationsberater steht ein Team von 14 heilpädagogisch ausgebildeten Lehrpersonen zur Seite, die in diesem Schuljahr in den Regionen Wasseramt und Lebern 44 Schülerinnen und Schüler in mehreren Wochenstunden in ihrer jeweiligen Regelschule betreuen und fördern. Die integrativen sonderpädagogischen Massnahmen tragen dazu bei, dass Heranwachsende trotz Einschränkungen am regulären Schulunterricht teilnehmen können.

In den übrigen Bezirken im Kanton sind bei dieser Aufgabe Mitarbeitende weiterer heilpädagogischer Zentren im Einsatz. Gemäss Volksschulgesetz und Behinderten-Gleichstellungs-Gesetz besteht ein Anspruch auf individuelle Begleitung durch Fachpersonen, die viel Erfahrung mit einem «Werkzeugkasten» spezifischer Massnahmen mitbringen. «Unser grundsätzliches Anliegen liegt aber darin, die Gleichwertigkeit aller Schülerinnen und Schüler im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Eine Vielfalt an Verhaltensmustern im Klassenzimmer ist ganz natürlich und kann sehr bereichern», unterstreicht Rossi dort stattfindendes gemeinsames Lernen, Rücksichtnahme aufeinander und die damit verbundene jugendliche Weiterentwicklung. Entstanden sind im ZKSK inzwischen Merkblätter zu Vorgaben und Abläufen sowie zur Zusammenarbeit mit den Schulen vor Ort.

Viele weitere Angebote im ZKSK

Der Jahresbericht des Zentrums für Kinder mit Sinnes- und Körperbeeinträchtigungen ZKSK erweitert die Thematik ISM (integrative sonderpädagogische Massnahmen) mit einem Bericht einer Schulleiterin und einer Kindergärtnerin, die diesen Fördermassnahmen positiv gegenüberstehen. Aussagefähig ist auch der Bericht einer Mutter, die schildert, was dank der intensiven heilpädagogischen Begleitung mit ihrem Kind passiert. Wie er mit der Hilfe von ISM gelernt hat, mit seiner Beeinträchtigung durch das Asperger-Syndrom umzugehen, beschreibt ein Mann, der inzwischen eine Lehre als Informatiker mit Berufsmaturität begonnen hat. Kennen lernen kann man im Tätigkeitsbericht auch den visiopädagogischen und den audiopädagogischen Dienst, den das ZKSK erbringt. Ebenso ein Leistungsfeld sind die Psychomotoriktherapie und die Ergotherapie, die Kinder dort unterstützen, wo Probleme auftauchen. Jahres-, Stiftungs- und Fondsrechnung zeigen ausserdem, wie das ZKSK finanziell aufgestellt ist. In diesem Jahr verzichtet die Institution auf die Einladung zu ihrer beliebten, öffentlichen Weihnachtsfeier, da die laufenden Sanierungsarbeiten im Schulgebäude dies nicht zulassen. (gku)

Zuweisung durch das Volksschulamt

Um die Chancen aller Kinder zu verbessern, kann die Schule vor Ort eine medizinisch-schulpsychologische Abklärung in Absprache mit den Eltern veranlassen. Ursula Sommer, die als Klassenlehrerin in der Tagessonderschule am ZKSK arbeitet, macht sich als Lehrerin Integration aufgrund der Diagnose ein genaues Bild vom ihr zugewiesenen jungen Menschen, den sie demnächst – zumeist über mehrere Jahre – im Unterricht begleiten wird. «Ich besuche den Heranwachsenden in seiner Klasse, füge die Beurteilung seiner Klassenlehrkraft und das Verhalten der übrigen Mitglieder im Klassenverband mit meinem Eindruck zu einem Konzept zusammen, in dem alle Rollen der Mit-‹Player› geklärt werden», erläutert sie ihr Vorgehen.

Gegenwärtig ist sie in Kooperation mit deren Klassenlehrkräften für zwei Mittelstufenschüler zuständig. «Über die Jahre sehe ich bei beiden Fortschritte als motivierenden Lohn meiner Arbeit.» Als befruchtend empfindet sie ihre Aufgabenverbindung innerhalb im ZKSK mit ihrer Verpflichtung ausserhalb. «Um den uns anvertrauten Jugendlichen ihre Begabungs-Ressourcen zu erschliessen, finden wir verschiedene, häufig kreative Wege, die von uns Lehrkräften viel Flexibilität verlangen.»