In zwei Wochen steigt in Minnesota die 52. Super Bowl. Vier Teams kämpfen übermorgen Sonntag um den Einzug ins Endspiel der NFL-Playoffs: Titelverteidiger New England Patriots, die Jacksonville Jaguars, die Philadelphia Eagles und die Minnesota Vikings. «Die Vikings werden den Final gegen die Patriots in der Verlängerung gewinnen», prognostiziert Sébastien Fischer seinem Lieblingsteam den Titel. «Ich ziehe mit den Vikings mit», sagt Florian Lauener. «Seine» Houston Texans verpassten den Einzug in die Playoffs.

Die beiden verfolgen Football nicht nur vor dem Fernseher, sie steigen selber in die Montur. Fischer und Lauener spielen zwar noch nicht in einer Liga mit, sie trainieren aber bereits regelmässig und treiben ihr Projekt voran: Ab 2019 wollen sie mit einem Solothurner Football-Team in die Schweizer NLC einsteigen.

Solothurn Ducks heisst der Klub, den sie im vergangenen Sommer mit ein paar Kollegen gegründet haben. «Am Anfang waren wir knapp zehn Leute», erinnert sich Captain Sébastien Fischer. «Innerhalb von zwei Monaten ist das Ganze explodiert. Mittlerweile sind mehr als siebzig Spieler dabei.»

In Biel, Basel, Bern, Zürich oder auch Chur konnten sich Football-Teams etablieren, sagt der 25-Jährige: «Wir wollen den Sport nun auch im Kanton Solothurn verankern. Ich finde es wichtig, dass es in unserem Kanton ein American-Football-Team gibt.»

Keine Scheu haben

Neulinge hätten häufig zu grossen Respekt davor, sich einem schon bestehenden Team anzuschliessen, schildert Teamkollege Florian Lauener eine der Schwierigkeiten des Sports. Dass die Anfänger teilweise das komplexe Regelwerk noch nicht kennen, werde oft vergessen.

Einsätze an Spielen seien dadurch praktisch unmöglich, was demotivierend sei. Dies ist auch Sébastien Fischer ein Dorn im Auge: «Wir wollen interessierte Leute zu uns holen, an den Sport heranführen und sie von Grund auf ausbilden. Bei den Ducks haben wir Spieler mit acht Jahren Erfahrung und ganz neue Leute. Jeder soll einen Platz im Team finden.»

Auch in Bezug auf die körperlichen Voraussetzungen gebe es praktisch keine Einschränkungen, sagt Fischer weiter: «Jeder kann kommen. Football ist für Bohnenstangen und Lastwagen. Egal ob 1,60 oder 2,10 gross, ob 60 oder 160 Kilogramm, für jeden gibt es eine geeignete Position.» Ein wenig Eigeninitiative wird von den Neulingen aber auch verlangt. Denn die Regeln sind kompliziert, der Sport ist extrem taktisch. «Am meisten lernt man, wenn man sich die Spiele im Fernsehen anschaut oder das Football-Game Madden auf der Konsole zockt.»

Football zu spielen, sei sicher teurer als Fussball, aber billiger als Eishockey, wägt Florian Lauener ab. Die Preise für eine Ausrüstung variieren extrem, von Ausleihe bis zur Anschaffung einer Profimontur liege alles drin. «Im Moment trainieren wir sowieso noch ohne komplette Ausrüstung. Auch Tacklings können wir problemlos ohne Schutz üben.»

Apropos Training: Aktuell dürfen sich die Ducks in Balsthal auf einem privaten Rasenstück austoben. Keine langfristige Lösung allerdings und so ist denn die Suche nach einem geeigneten Spielfeld eine der grössten Herausforderungen, welche die Vorstandsmitglieder momentan beschäftigen. «Wenn wir wählen könnten, würden wir natürlich im Fussballstadion in Solothurn oder Grenchen spielen», lacht Fischer, «aber das können wir wohl vergessen. Es sein denn eine der Städte möchte uns unterstützen.»

Enten passen zu Solothurn

Die zweite Baustelle ist der fehlende Trainer. In der Schweiz seien nicht genug Leute mit der nötigen Erfahrung und dem Fachwissen vorhanden. «In Deutschland gäbe es interessierte Trainer», weiss Fischer, «aber das ist dann wieder eine Kostenfrage. Das sind Vollzeit-Trainer, die ordentlich entlohnt werden wollen.» Womit er gleich beim Hauptproblem angelangt ist: den Sponsoren.

Gesucht sind Geldgeber für eine Randsportart, die laut dem Teamcaptain doch eher teuer ist. «Wir müssen zum Beispiel einen Car mieten. Mit 50, 60 Spielern mit Privatautos an ein Auswärtsspiel nach Genf oder Lugano zu fahren, macht einfach keinen Sinn», nennt Fischer nur einen von vielen Kostenfaktoren.

Obwohl das Spielerpotenzial im Verlauf des letzten Jahres von einem knappen Dutzend auf über siebzig Akteure angestiegen ist, brauchen die Ducks auch auf dem Feld noch weitere Kräfte. «Man kann nie genug Spieler haben», meint Florian Lauener, «für den Anfang sind wir sicher gut dran. Aber für ein komplettes Football-Team benötigt man fast einhundert Spieler. Denn es gibt immer Verletzte und Abwesende.»

Wie die Solothurner Enten eigentlich zu ihrem Namen kamen, wissen beide übrigens nicht mehr so genau. «Der ist einfach mal so entstanden», sagt Fischer und erklärt: «Bären, Löwen oder auch Tiger sind so 08/15. Es sollte schon ein Tier sein, welches man mit Solothurn verbindet. Und Enten sieht man hier überall an der Aare. Enten sind zwar nicht gerade furchteinflössende Tiere, aber sie passen zu Solothurn.»

Kontakt: Wer Interesse hat, einmal im Training des American-Football-Teams Solothurn Ducks vorbeizuschauen, kann sich bei Captain Sébastien Fischer unter 079 268 04 90 melden. Im Moment ist noch Trainingspause, aber Anfang Februar gehts wieder los.