Solothurn

«Foodsave» ist die Triebfeder: Dieser Verein kämpft gegen Verschwendung

Marion Schweizer vom Verein «Restessbar»

Marion Schweizer vom Verein «Restessbar»

Die «Restessbar» im Alten Spital blickt auf ein erfolgreiches erstes Vereinsjahr zurück..

Meistens ist es lästig. Aber in gewissen Situationen kann ein leerer Kühlschrank ein gutes Zeichen sein. Für Marion Schweizer und die anderen Freiwilligen der «Restessbar Solothurn» ist er es definitiv: als Gradmesser für Erfolg. Der Verein tritt täglich von Neuem den Kampf gegen weggeschmissene Lebensmittel an. Praktisch täglich wird die zum Essschrank umgebaute englische Telefonzelle im Alten Spital von Neuem mit nicht mehr verkäuflicher Ware befüllt – und von seinen Nutzern fast ebenso rasch wieder geleert.

Vor einem Jahr startete die «Restessbar Solothurn» nach einer odysseenhaften Suche nach einem Standort ihren Betrieb im Alten Spital. Nach dem Vorbild verschiedener anderer lokaler Aktivitäten setzte man sich auch in Solothurn zum Ziel, gegen «Foodwaste» vorzugehen. Die Statistik zeigt: Noch immer landet in der Schweiz ein Drittel aller produzierter Lebensmittel im Abfall oder geht auf dem Weg zum Esstisch verloren. Dieser gesellschaftlichen Entwicklung setzt der Verein eine positive Grundhaltung gegenüber: «Wir nennen es ‹Foodsave›», erklärt Schweizer. «Wir», das sind acht aktive Helfer, die abgelaufene Ware meistens mit dem vereinseigenen Veloanhänger in diversen Läden abholen, sortieren, dann die Kabine inventarisieren, ausstauben, befüllen, reinigen, warten. Ein weiterer Helfer ist um die Werbung und Information über die Sozialen Medien besorgt.

500 Schachteln in einem Jahr

Der Erfolg misst sich nun aber nicht nur an leeren Kühlschrankregalen: «Kürzlich haben wir anlässlich der Generalversammlung bilanziert: Rund 500 Kartonschachteln mit Material konnten wir in diesem Vereinsjahr vermitteln.» Doch wer nimmt vom Angebot der «Restessbar» Gebrauch? Laut Schweizer besteht der Hauptteil der Kundschaft aus Menschen, die unter dem Existenzminimum leben. «Weiter sind es auch Leute von der Gassenküche, die oft sehr dankbar sind für das Angebot.» Dann aber zählen auch Menschen dazu, die die Grundidee des «Foodsave» gut finden, solche, die laut Schweizer auch für das Angebot zahlen würden. «Leider gibt es aber auch solche, die hamstern und das Prinzip nicht verstanden haben. Das nervt schon und zeugt von geringer Wertschätzung für unsere Arbeit.»

Zum Glück eher seltener kommt es vor, dass Gegenstände geklaut werden. Dazu zählen Tupperware-Behälter, Magnete oder – sehr beliebt – Thermometer. Kaum ein Problem stellt hingegen Vandalismus dar: «Im vergangenen Jahr wurde einmal die Scheibe eingeschlagen. Dies geschah aber mehr in jugendlichem Leichtsinn», erzählt Schweizer.

Ein Blick in die Zukunft

Ansonsten erfreut sich das Projekt einer positiven Resonanz: «Die Zusammenarbeit mit dem Alten Spital ist megatoll», sagt sie dankbar. Nur von den städtischen Behörden werde die Arbeit kaum bewusst wahrgenommen. Und dann erinnert sie sich auch an die damals langwierige Suche nach einem Standort für die «Restessbar». Auch jetzt noch hält der Verein Ausschau nach einem allenfalls geräumigeren Standort, wo Platz für einen zweiten Kühlschrank wäre.

Vorab gilt es, den Betrieb am aktuellen Standort aufrechtzuerhalten. Für diverses Material, Stromkosten und Versicherung hat der Verein wie schon im Jahr zuvor eine Crowdfunding-Aktion unter wemakeit.ch gestartet. Von 1000 Franken sind bereits 555 beisammen – es bleiben noch zwei Wochen bis Sammelschluss.

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