Naturmuseum Solothurn

Flink, neugierig, Mäusevernichter: Eine Ausstellung rund um die kleinsten Raubtiere

Das Naturmuseum Solothurn widmet sich bis kommenden Sommer dem Hermelin und dem Mauswiesel.

Flink, neugierig, den Grossteil des Lebens unterirdisch verbringend, Mäusevernichter und kleinster Vertreter der Raubtiere – die Rede ist vom Wiesel. Genau betrachtet, handelt es sich um zwei Arten: nämlich das Hermelin und das Mauswiesel. Aber wer genau ist wer? Die beiden Arten leben so versteckt, dass man sie selten zu Gesicht bekommt. Beide Arten lieben mosaikartige Offen-Landschaften mit vielen Kleinstrukturen. Denn da sind auch die Mäuse, und da hat es Verstecke zum Ruhen und um die Jungen aufzuziehen.

Ab Donnerstag zeigt das Naturmuseum eine Ausstellung zu den beiden «Vettern». Die Wanderausstellung wurde vom Naturhistorischen Museum Fribourg konzipiert und durch das Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern adaptiert. Sie besteht aus zwölf Text- und Bildtafeln, die die Wieselarten und ihr Verhalten aufzeigen. Die mit eigenen, interaktiven Stationen aufgewertete Ausstellung ist im Naturmuseum Solothurn bis zum 1. Juni 2020 zu sehen.

Alles Wiesel oder was? Genauer hinschauen hilft

Die kleinen Marderarten werden im Volksmund oft Wiesel genannt. Unter Wiesel versteht man aber nicht nur eine Art, sondern mit Hermelin und Mauswiesel deren zwei. Beide gehören zu den kleinsten Vertretern der einheimischen Raubtiere und sind als Marderart nahe mit Steinmarder und Dachs verwandt. Mit langem Körper und kurzen Beinen sind sie gut ans Jagen in den Tunnelgängen der Wühlmäuse angepasst. Und ihre neugierige Art, jedes Loch zu erforschen, ob da nicht doch eine Maus versteckt ist, unterstützt sie zusätzlich auf Jagdzügen.
Flink und klein, wie sie sind, erschwert dies die genaue Bestimmung der Tiere. Richtet man das Augenmerk aber auf den Schwanz, so ist dies bereits aufschlussreich: Ist die Spitze eines relativ langen Schwanzes schwarz gefärbt, handelt es sich um ein Hermelin, egal ob im braunen Sommer- oder im weissen Winterkleid. Beim Mauswiesel hingegen ist der Schwanz relativ kurz und braun gefärbt. Die weisse Winterfärbung ist ebenfalls typisch fürs Hermelin. Aber Achtung: Es gibt auch Mauswiesel, die sich im Winter weiss färben. Diese sind in den Bergen anzutreffen und noch kleiner als Mauswiesel, weswegen sie auch Zwergwiesel genannt werden.

Wiesel lieben Mäuse. Doch Maus ist nicht gleich Maus. Wiesel bevorzugen vor allem Wühlmäuse, diejenigen Mäuse also, die hauptsächlich unterirdisch leben und den Bauern das Leben schwermachen. Im Vergleich zu den Micky-Maus-ähnlichen Langschwanzmäusen haben Wühlmäuse eine eher rundliche Gestalt, kleine Augen und Ohren sowie einen kurzen Schwanz. Da Mauswiesel mit einer Körperlänge von rund 20 Zentimetern kleine Räuber sind, ist auch ihre Beute entsprechend klein: Sie haben sich auf Erd- und Feldmäuse spezialisiert. Das etwas grössere Hermelin jagt vor allem Schermäuse, stellt aber bei einem Nahrungsengpass auch auf andere Mäuse, Vögel und Insekten um.

Zwei Arten – zwei Fortpflanzungsstrategien

Hermelin und Mauswiesel mögen auf den ersten Blick zwar ähnlich aussehen und leben. Auf den zweiten Blick jedoch lassen sich nebst der Färbung auch in der Fortpflanzung Unterschiede feststellen. Zwar paaren sich beide Arten im Frühling, aber die Entwicklung des Hermelins wird nach der Befruchtung des Eis unterbrochen. Erst im darauffolgenden Frühling nistet sich das Ei in die Gebärmutter ein und entwickelt sich dann fertig. Eine solche Keimruhe findet man auch beim Reh oder anderen Marderarten. Nicht so beim Mauswiesel: Kaum befruchtet, entwickeln sich die Embryonen weiter, sodass der erste Wurf im April zur Welt kommt. Die Säugezeit beträgt nur gerade vier bis sieben Wochen, sodass die Jungen im Juli bereits selbstständig sind. In guten Mäusejahren reicht die Zeit noch für einen zweiten Wurf. Mauswiesel-Populationen können so rasch auf Mäusepopulationsschwankungen reagieren.

Bei den Hermelinen hingegen verzögert sich diese Reaktion um ein Jahr. Und da die Lebensdauer mit ein bis zwei Jahren doch relativ kurz ist, kennen sie einen anderen Mechanismus, um möglichst effizient ihre Gene weiterzugeben: die Säuglingsträchtigkeit. Weibliche Hermeline werden bereits im Alter von drei Wochen geschlechtsreif. Bei Herrenbesuch also wird nicht nur die säugende Mutter begattet, sondern auch gerade die jungen, sich noch im Nest befindenden Hermelinweibchen.

Dort, wo sich Mauswiesel und Hermelin wohlfühlen

Wiesel sind Einzelgänger und benötigen einen Lebensraum, in dem es Nahrung hat, und Verstecke zum Ruhen und zur Jungenaufzucht. Kleinstrukturierte Gebiete, mit Stein- und Asthaufen, Hecken, Krautstreifen, angrenzend an offene, extensive Wiesen stellen einen idealen Lebensraum dar. Vernetzungselemente wie ein offener Bachlauf, Graben oder ein Waldrand, entlang dessen sie herumstreifen können – immer in Deckung vor Feinden wie Greifvögel oder Eulen – sind wichtig. Leer- und aufgeräumte Landschaften ohne zusammenhängende Leitstrukturen sind daher unzureichend, sollen die kleinen Raubtiere auch bei der Schädlingsbekämpfung im Landwirtschaftsland Unterstützung bieten. (nms)

Vernissage 21. November 2019, 19 Uhr, im Naturmuseum

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