Solothurn

Fledermäuse: Sie bewegen sich lautlos im Nachtleben

Solche Kaliber wie diesen Flughund können unsere Kinder nur im Naturmuseum sehen.  Hanspeter Bärtschi

Solche Kaliber wie diesen Flughund können unsere Kinder nur im Naturmuseum sehen. Hanspeter Bärtschi

Im Naturmuseum ist den faszinierenden Fledermäusen ist eine Sonderausstellung gewidmet. Die Ausstellung thematisiert ihren Lebensraum und die Bedrohung ebendiesen zu verlieren.

Um es gleich vorwegzunehmen: Der Vampirismus oder Graf Dracula haben mit unserem kleinen Mausohr oder der Mopsfledermaus nichts zu tun. Immer und immer wieder werden die zierlichen Luftakrobaten mit den von einer robusten Flughaut umspannten, verlängerten Arm- und Handknochen zu Unrecht als gruselig und angsteinflössend verunglimpft. Dabei leben sie, wenn auch verborgen und heimlich, mitten unter uns, oft sogar unter demselben Dach. Sie ziehen in unserer Nähe ihre Jungen auf und haben mehrere «Wohnungen», die sie im Jahresverlauf aufsuchen.

Wählerische Weibchen

Im Frühling und Sommer leben Männchen und Weibchen getrennt, bis sie im Spätherbst wieder zusammenkommen, um Hochzeit zu feiern. Mit Düften, akrobatischen Schauflügen oder Gesängen werben die Männchen um die weibliche Gunst. Doch die Weibchen sind wählerisch. Sie legen sich bei der Paarung nicht auf einen Partner fest. Bis in den Winter verpaaren sie sich mit mehreren potenziellen Vätern und tragen die verschiedenen Spermien bis zur Befruchtung nach dem Winterschlaf in sich. Wenn dieser Jahreshöhepunkt vorbei ist und sich die Insekten ebenfalls in kleine Grashälmchen verkrochen haben, suchen sich die einzigen Säugetiere, die zum aktiven Flug fähig sind, ein möglichst kühles und ungestörtes Versteck. Das können Höhlen, Keller, Dachräume oder Baumhöhlen sein.

Der Ultraschall-Einsatz

Fledermäuse haben ein sehr gutes Gehör. Bereits die Art der Flug- oder Krabbelgeräusche eines Insekts verrät der erfahrenen Fledermaus, ob es sich um lohnende Beute handelt. Hat die Fledermaus Interesse, sendet sie Ultraschallrufe aus, um zu ermitteln, wo das Insekt ist und wohin und wie schnell es sich bewegt. Die Tonhöhe ist für das menschliche Ohr kaum hörbar. Ob eine Fledermaus grosse oder kleine Ohren hat, hängt mit ihrer Jagdweise zusammen. Fledermäuse mit grossen Ohren sind oft wendige «Langsamflieger», die in hindernisreichen Lebensräumen jagen und ihre Beute von Blättern, Baumstämmen oder vom Boden ablesen. Rasante Jäger wie der Alpensegler, die im freien Luftraum jagen, haben dagegen kleine, verhältnismässig steife Ohren.

Fledertiere gibt es seit 60 Millionen Jahren, genug Zeit also, um jeden Flecken dieser Erde zu besiedeln. Trotzdem sind sie bedroht, und ihr Rückgang hat verschiedene Ursachen. Besonders die nach dem 2. Weltkrieg einsetzende Intensivierung der Landwirtschaft hat ihnen geschadet. Lebenswichtige Kleinstrukturen wie Hecken, Bachgehölze, Gebüschgruppen, Hochstammobstgärten, aber auch natürliche Flussufer, Wiesenbäche, Tümpel und Weiher verschwanden. Damit nahm die Verfügbarkeit von Insekten drastisch ab, und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Insektiziden belastete die Fledermäuse zusätzlich.

Ein Drittel der wildlebenden Säugetiere sind Fledermäuse

Solches und vieles mehr ist in der neuesten Sonderausstellung zu erfahren, die vom Naturmuseum Thurgau in Zusammenarbeit mit dem Thurgauer Fledermausschutz und der Stiftung Fledermausschutz Schweiz realisiert wurde. Sie präsentiert aktuelles Wissen aus der Welt der Fledermäuse und gibt vertiefte Einblicke in eine Tierart, die immerhin ein Drittel unserer wild lebenden Säugetiere ausmacht und auch am Nachtleben von Solothurn teilnimmt.

Schutzmassnahmen sind wichtig

Dass die Fledermäuse nicht nur von negativen Vorurteilen belastet, sondern auch bedroht sind, dran liess der Geschäftsführer der Schweizerischen Koordinationsstelle für Fledermausschutz, Hans-Peter Stutz, an der überaus gut besuchten Vernissage keine Zweifel offen: «Schutzmassnahmen sind dringend nötig, aber diese greifen nur, wenn sie auch von der Bevölkerung mitgetragen werden.» Allein im Kanton Solothurn, in dem rund die Hälfte der noch bestehenden 30 Fledermausarten heimisch sind, arbeiten zurzeit 70 Personen für die Stiftung.

Die Ausstellung dauert bis zum 15. April

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