Mittleres Brühl

Flag Football: Solothurn und Soly Rhinos versuchen sich in einer neuen Disziplin

Der lokale Verein organisiert ein Turnier in der noch unbekannten Sportart Flag Football.

«Flag Football»? Ist das eine Meisterschaft der fahnenschwingenden Fussballfans? Nein. Es ist eine vereinfachte Form des American Footballs und wird seit Herbst 2012 auch in Solothurn wettkampfmässig betrieben. Die «Soly Rhinos» wagten sich erstmals an die Organisation eines Spieltages der «National Flag Football League» (NFFL) im Mittleren Brühl. Diese Premiere war für den 11. Juni geplant. Wegen der starken Regenfälle musste sie allerdings verschoben werden. Ironie: Auch am Ersatztag liess es Petrus kräftig regnen! «Wir waren erstmals in Solothurn und fanden eine hervorragende Infrastruktur vor, es war lässig hier», lobt Verbandspräsident Fabio Gervasi, selbst Spieler bei Winterthur.

«Soly» steht für Solothurn und wurde von einem Grossvater kreiert. In den US-Sportarten ist ein Namenszusatz üblich. «Wir wollten nichts importieren, aber einen Namen, den es noch nicht gibt, und kamen auf ‹Rhinos›», sagt Präsident und Spieler Alain Ducaud. Allerdings mussten sie später feststellen, dass sich auch Monthey so nennt. Die Soly Rhinos kommen ursprünglich aus der Musikszene der Kulturfabrik Kofmehl. «Wir waren vier Leute, die sich jeden Sonntag trafen, um TV-Live-Übertragungen des American Footballs zu sehen», sagt Ralph Trachsel, Spielertrainer und Teamorganisator. Daraus entwickelte sich die Idee, selbst aktiv zu werden. «Wir wollten nicht nach Biel ins richtige Football, entdeckten dabei den Flag Football», erzählt der Dreissigjährige.

Gemischte Teams sind möglich

Den Solothurnern kam entgegen, dass es nicht 40 Personen und entsprechende Ausrüstungen braucht. Gespielt wird in Shirts und ohne Helme. «Flag Football ist kontaktarm», erklärt Ducaud. Im American Football wird der Spielzug mit einem körperlichen Tackling beendet. Im Flag Football wird der Ball führende Angreifer durch das seitliche Ziehen der «Flag» aus dem Gürtel gestoppt. «Diese Simulation des körperlichen Tacklings ermöglicht gemischte Teams, wie die Neuchâtel Knights, die zur Hälfte aus der Frauen-Nationalmannschaft besteht», erläutert Ducaud.

Optimal besteht ein Team aus je fünf Angreifern und Verteidigern sowie Auswechselspielern. «Alles ist relativ taktisch, jeder Spieler hat eine Aufgabe zu erfüllen: wenn der Quarterback den Ball wirft, ist alles getimt, wer läuft und wie der Pass zu geben ist», führt Trachsel aus. Gespielt wird zweimal zwanzig Minuten fünf gegen fünf auf 25 mal 70 Metern. In vier Spielzügen gilt es die Mittellinie zu überqueren, um in vier weiteren Zügen den Touchdown für sechs Punkte zu sichern.

Jetzt bräuchte es einen Trainer

Trainiert wird zweimal wöchentlich in der Pädagogischen Hochschule FHNW, im Winter einmal in der Schützenmatt-Halle. Das Ziel der Soly Rhinos ist, oben mit zu spielen und in die Playoffs der besten sechs der zwölf NFFL-Teams zu gelangen. Sie befinden sich mit Rang 3 auf Kurs. Am vergangenen Wochenende in Rafz – die Zürcher mussten mangels genügender Spieler für Solothurn Forfait geben – wurde der amtierende Schweizer Meister Winterthur Red Lions 48:39 bezwungen. Im Heimturnier waren die Neuchâtel Knights (52:0) wie Barbarians Basel (49:6) keine Gradmesser. Gegen die Zurich Intruders – amerikanische und australische Expads – verloren die Gastgeber 19:31. «Wir liessen uns zu sehr auf deren Körper betontes Spiel ein und reagierten falsch», analysiert Ducaud.

Der Verein soll wachsen. Der Aufbau des Nachwuchses ist schwierig. «Wir stossen an Grenzen, weil es Trainer braucht und wir die personellen Ressourcen nicht haben», bedauert Ducaud. Und fügt an: «Wir sind die Randsportart einer Randsportart».

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