Die Frau in Rot, das muss die Stadtführerin sein. Tatsächlich – es ist Therese Stählin, die schon seit vielen Jahren Touristen, aber auch Einheimische durch die Solothurner Gassen führt und ihnen Wissenswertes über ihre Stadt berichtet. Zu ihrem Stadtführungs-Repertoire gehört jetzt auch eine Führung unter dem Schwerpunkt Solothurner Filmtage.

Und so treffen sich rund 20 Personen am Samstagnachmittag hinter dem Baseltor. Theres Stählin freut sich, sogar einen Gast aus Irland in der Gruppe dabei zu haben. Sie spricht an dieser Führung aber Hochdeutsch. «Eine englisch-sprachige Version muss ich mir also noch ausdenken», lacht sie. Zum Glück hat der irische Gast eine Übersetzerin mit dabei, und es kann losgehen.

Zunächst erklärt Stählin anhand es Bronze-Stadtmodells die Umrisse der Stadt und gibt ein paar allgemeine Informationen zur Gründungsgeschichte. Die Gäste nehmen einen Blick auf die Reithalle, die grosse Film-Spielstätte, und dann gehts Richtung Ambassadorenhof und Konzertsaal. «In Solothurn haben die Ambassadoren immer schon dafür gesorgt, dass das Volk gut unterhalten wird – insbesondere auch die Jungen», erklärt die Stadtführerin.

Im ersten Stock Lichtspiele, darunter der Tanzsaal

Klar, weil sie die Jungen ja auch zum Söldnerdienst heranziehen wollten. «Und so hat sich in dieser Stadt schon immer das kulturelle Leben etablieren können und es ist bekannt: Die Solothurner feiern gern, haben gern Partys. Noch heute.» Und dann gehts mit der Gruppe vor den Konzertsaal und Stählin berichtet, wie es zu diesem Bau kam. Danach hält sie das Programmheft der Solothurner Filmtage in die Höhe und erklärt, was darauf zu sehen ist.

Jetzt redet sie von den Anfängen der Solothurner Filmtage 1966, und es geht weiter Richtung Hauptgasse, vor die Jesuitenkirche, vis-à-vis dem Kino Palace. Dreht man sich Richtung Kirche, erklärt die Stadtführerin den Einfluss der Jesuiten auf das Kulturleben in der Stadt, dreht man sich Richtung Kino, hört man, dass in diesem Gebäude bereits seit der Frühzeit des Kinos Filme gezeigt wurden. «Im 1. Stock gab es Lichtspiele, darunter war ein Tanzsaal», so Stählin. In diesem Jahr ist das Kino Palace Spielort für die Filme des Rencontre-Gasts Bruno Todeschini.

Die Gruppe wandert weiter zum Börsenplatz. Hier stand noch bis 1986 das Kino Elite, ebenfalls einer der ersten Orte, an dem das Filmtage-Programm lief. Vier Franken kostete damals ein Eintrittsbillett ins Kino. Ein historisches Foto beweist Stählins Aussage. Heute ist hier eine Kleiderboutique untergebracht, das Kino gibt es nicht mehr. Weiter gehts an den Landhausquai zum Chutz, wo ebenfalls Filmtage-Geschichte, vor allem nach dem Filmprogramm, geschrieben wurde.

«Vor drei Jahren habe ich mir diese Stadtführung einfallen lassen», berichtet Stählin, und im vergangenen Jahr habe sie sie erstmals durchgeführt. «Gerade mal fünf Personen nahmen teil», lacht sie, und deshalb ist sie umso glücklicher, dass es jetzt so viele Interessierte sind. «Solothurn und Kultur – das gehört halt einfach zusammen».