Solothurn
Filmtage-Direktorin lobt, spart aber auch nicht mit Eigenkritik

Am Schlussabend der 52. Solothurner Filmtage gab es etwas Eigenkritik von Direktorin Seraina Rohrer.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Seraina Rohrer an der Soirée de clôture.

Seraina Rohrer an der Soirée de clôture.

Hansjörg Sahli

Die 52. Solothurner Filmtage gingen am Donnerstagabend mit der Verleihung des «Prix de Soleure» und des «Prix du Public» im Landhaus Solothurn zu Ende. Ausgezeichnet wurden «Die göttliche Ordnung» von Petra Volpe und «Docteur Jack» von Benoît Lange und Pierre-Antoine Hiroz.

In den vergangenen acht Tagen wurden gemäss einer Hochrechnung der Filmtage von Donnerstagmorgen mit 65'000 Eintritten gleich viele Festivaleintritte wie im Vorjahr gezählt, sagte Filmtagedirektorin Seraina Rohrer in ihrer kurzen Festival-Bilanz.

Sie erwähnte einige Höhepunkte im Programm, wie die Eröffnung mit dem Film «Die göttliche Ordnung» in Anwesenheit von Bundesrätin Simonetta Sommaruga und den ehemaligen Nationalrätinnen Gabrielle Nanchen und Hanna Sahlfeld-Singer. Ebenso erwähnte sie die zahlreichen Filmpremieren und Gäste oder die angeregten Podiumsdiskussionen zu Themen der Schweizer Filmkultur.

Soirée de clôture an den 52. Solothurner Filmtage: Verleihung Prix de Soleure und Prix du public
23 Bilder
Anatole Taubmann, Cornelio Sommaruga und Sabine Gisiger
Christine Beerli hält ihre Abschiedsrede
Seraina Rohrer verrät, dass sie sich nun auf mehr Schlaf freut.
Hans Müller-Drossaart moderierte die Verleihuung
Prix de Public «Docteur Jack» (v.l.) Elke Guhl, Seraina Rohrer, Benoît Lange.
Benoît Lange bedankt sich für den Prix du Public
Der Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri hielt eine bemerkenswerte Rede über Populismus und Demokratie «Ich mache mich für humanistisch geprägte Filmtage stark. Für Filme, welche die Würde des Menschen achten.»
Anatole Taubmann, Mitglied der Jury des Prix de Soleure
Jury-Mitglieder Cornelio Sommaruga und Sabine Gisiger
Soirée clôture an den 52. Solothurner Filmtage: Verleihung Prix de Soleure und Prix du public
Seraina Rohrer bedankt sich herzlich bei Christine Beerli, die nach 12 Jahren das Präsidium der Schweizerischen Gesellschaft Solothurner Filmtage abgibt.
Christine Beerli nimmt Blumen und eine DVD-Sammlung entgegen
Seraina Rohrer mit Benoît Lange
Die Träger des Prix de Soleure zusammen mit Seraina Rohrer und der Jury.
Regierungsräte Peter Gomm und Remo Ankli
Peter Jordi, Gemeindepräsident von Gerlafingen, mit Gattin
Benoît Lange im Videointerview

Soirée de clôture an den 52. Solothurner Filmtage: Verleihung Prix de Soleure und Prix du public

Hansjörg Sahli

Besonders freute sie sich auch an den Schweizer Filmen, die nun auf der Liste der Oscaranwärter in L.A. stünden, und die alle in Solothurn zu sehen waren: «Ma vie de Courgette», «La femme et le TGV». «Am Ende der Filmtage-Reise gibt es nur einen Wunsch: wieder mehr zu schlafen», sagte sie lachend.

Selbstkritik

Doch Rohrer sparte auch nicht mit Selbstkritik. Das neue Ticketing habe anfangs der Filmtage für einige Probleme gesorgt und sie entschuldige sich für diese Unannehmlichkeiten. «Ab Samstag lief dann alles rund und die Filmtage sind so richtig in Fahrt gekommen.» Doch es sei auch die Aufgabe der Solothurner Filmtage, sich weiterzuentwickeln und zu professionalisieren, auch im Ticketing. Rohrer rief auf, sich noch bis Anfang Februar an der Publikumsbefragung zu beteiligen, damit man sich weiterentwickeln und verbessern könne.

Für sie seien es auch immer wieder die Begegnungen mit aussergewöhnlichen Menschen, welche die Filmtage besuchten, faszinierend, erzählte sie. Und schilderte eine Frau, welche seit 26 Jahren regelmässig nach Solothurn kommt und jeweils in ihrem Auto übernachtet. «Dieses Jahr ist ihr die Duschcrème eingefroren.» Dann bedankte sich herzlich bei der scheidenden Präsidentin Christine Beerli für ihren 12-jährigen Einsatz für die Solothurner Filmtage. Sie sei ihr ein Vorbild, aber auch eine Freundin geworden. Beerli habe es immer geschafft, im richtigen Moment zu loben oder zu intervenieren.

Das frei werdende Präsidium wird an der ausserordentlichen Generalversammlung der Schweizerischen Gesellschaft Solothurner Filmtage vom 1. Februar 2017 neu besetzt. Christine Beerli ihrerseits erklärte, sie verfalle durch diesen letzten Abend keineswegs in Melancholie. «Nein, ich bin dankbar. Dass ich in der Filmbranche und in Solothurn so gute Freunde gefunden habe und dass sich die Solothurner Filmtage in dieser Zeit so gut entwickelt haben.» Sie wünsche den Filmtagen weiterhin viel Erfolg und dass die kommenden Herausforderungen gemeistert werden.

Entertainer Müller-Drossaart

Durch den Abend führte ein gut gelaunter Hanspeter Müller-Drossaart, der es sich hin und wieder nicht verkneifen konnte, ins Englische zu verfallen. Wahrscheinlich übte er schon für die nächste Oscar-Verleihung.

Er begrüsste auch den Stadtpräsidenten von Solothurn, Kurt Fluri, der eine bemerkenswerte Rede über Populismus und Demokratie hielt. «Ich mache mich für humanistisch geprägte Filmtage stark. Für Filme, welche die Würde des Menschen achten.» Man könne glauben, eine Demokratie garantiere eine humanistische Lebensweise, doch allein damit sei es nicht getan. «Es braucht etwas Komplementäres, den Rechtsstaat.»

Die Mehrheit, auch wenn sie demokratisch lebe, könne ihre Macht missbrauchen. «Populisten sagen ja auch: ‹Das Volk will es so›» und streben einfache Lösungen an. Das könne zur Diktatur der Demokratie führen. Ein weiteres Regulativ in einer Gesellschaft sei neben dem Rechtsstaat die Kunst. «Ein Garant gegen die Diktatur der Mehrheit.» So gesehen sei die Filmkultur das Medium des Humanismus.

Die 53. Solothurner Filmtage finden vom 25. Januar bis 1. Februar 2018 statt.

Der Blog zu den 52. Solothurner Filmtagen gibts hier zum Nachlesen: