«Hetz mich nicht!», steht auf Eva Gauchs T-Shirt. Doch im Grunde ist diese am eigenen Leib getragene Bekundung wenig wirksam: Denn die Betriebsleiterin des Alten Spitals hält sich trotz ihres «Auf- und Abbau-Shirts» selbst auf Trab, rollt Kühlschränke und Abfalleimer auf der Krummturmschanze an die richtige Stelle, klappt Bistrotische auf und überwacht den Aufbau.

«Es ist spannend wie aus einem ‹Nichts› plötzlich ein Festivalgelände wird», schwärmt sie. Bereits seit gestern Montag nämlich wird hinter den Befestigungsmauern des Chrummturms am Aufbau des Kino-Openairs der Solothurner Sommerfilme gewerkelt – zum insgesamt 22. Mal. Bereits morgens um halb acht glänzt der silbergraue, mit Stühlen gefüllte Container auf der Schanze. Mittels Kran wurde er zusammen mit anderem Material über das Gemäuer gehievt.

Jeder einzelne Schritt ist minuziös festgehalten: Der Aufbau habe zwar schon vor ihrer Zeit ohne Dokumentation routiniert funktioniert, weiss Gauch. Aber mittlerweile hilft ein Ablaufplan als Gedächtnisstütze – ihr, dem Hauswart Patrick Arni, den Hausdienst-Azubis und anderen Helfern des Alten Spitals, sowie den Aufbaupartnern. Rund 20 sind es insgesamt. Auch Franco Muscionico ist mit einem Mitarbeiter vor Ort – um zusammen mit Leuten des Alten Spitals die Zelte aufzubauen: «Wir sind ein eingespieltes Team.»

Damits stabil bleibt

Doch trotz Routine: Gerade für den Aufbau des Projektorzelts und der Leinwand brauchts ein gutes Händchen. Die Standorte sind traditionsgemäss auf den Zentimeter genau definiert. Und ohne Wasserwaage kommt das Kinoerlebnis nicht so daher, wie es sollte: sondern schief. Der Bretterboden des Projektors wird topfeben nivelliert: Operateur Martin Ritschard legt grossen Wert drauf: «Bereits einige Tage vor Openair-Beginn redet er mir ins Gewissen», erzählt Gauch schmunzelnd. Wackelt nämlich der Boden, so wackelt auch der Projektor und mit ihm – der Film auf der Leinwand.

Ebenso Fingerspitzengefühl brauchts beim Leinwandgerüst: Auch dieses darf sich nicht an der Genauigkeit orientieren, mit der das Wahrzeichen der Schanze – der Chrummturm – dem Namen nach erbaut worden war. Und die Leinwand selbst will sanft angefasst werden: Zahlreiche kleine durchlässige Löcher weist sie auf; einerseits, um nicht bei leichten Windbewegungen wie ein Segel zu flattern, andererseits, weil die Lautsprecher hinter der Bühne stehen und auf diese Weise ein frontaler Filmklang zu den Ohren der Zuschauer gelangt. «Bleibt sie beim Aufziehen an einer Schraube hängen, so geht sie entzwei wie ein Reissverschluss», warnt Martin Ritschard.

Natürlich will man auch rund um den Film unterhalten sein. So stehen bereits am Montagmittag die Verpflegungszelte. José Campos, fast von Anfang an dabei, hat seinen Stand – gleich neben der Vereinigung insieme und Srignags – mit spanischen Fähnchen verziert. Die Firma VXCO ihrerseits sorgt für die Beleuchtung abseits der Leinwand: Regen, der sich am späteren Vormittag über der «Baustelle» ergiesst, macht den an den Baumstämmen angebrachten LED-Leuchten gar nichts aus. Und diese tauchen im ersten Funktionstest das Blätterdach in gewohnt buntes Licht – ein Markenzeichen der Sommerfilme, wie auch der stellvertretende Geschäftsführer Markus Ziegler von VXCO findet.

Der «Chrampf» lohnt sich

Endlich ist auch das eigentliche Herzstück auf der Schanze angekommen: der 120 Kilo schwere digitale Filmprojektor, der vor rund sieben Jahren das analoge Kinorattern ablöste. Vier Mann brauchts, um ihn auf die Schanze zu bringen. Am Gewicht hat also auch die Modernisierung kaum was ändern können. Aber der «Chrampf» lohnt sich für Operateur Ritschard: «Von allen meinen Einsätzen bietet die Krummturmschanze das schönste Ambiente.»