Solothurn Classics

Festivalbesucher hören lieber Stars von gestern als jene von morgen

Mit «Opéra – die Stars von morgen» wurde am zweiten Konzertabend des Solothurn Classics talentierte Newcomer präsentiert. Doch nur wenige wollten die jungen Sänger hören.

Für junge Sängerinnen und Sänger ist der Auftritt vor grossem Publikum wichtig und ein Sprungbrett für die Karriere. Unter dem Label «Opéra – Stars von morgen» bot Solothurn Classics talentierten Nachwuchssängern ein Podium. Die Krux ist nur, dass Festivalbesucher anscheinend lieber Stars von gestern sehen, als jene von morgen zu hören.

Prangen keine illustren Namen auf den Plakaten, dürfen und müssen sich die Newcomer im überschaubaren Kreise präsentieren. Dabei waren mit Caroline Adoumbou, Anna Gschwend, Alice Rossi, Natalia Staroverova, Flurina Stucki, Marina Viotti und Alexandre Beuchat Operntalente mit viel Potenzial zu erleben. Gefeiert wurden sie von Musikfreunden die – unbeeinflusst von PR-Strategien und Starkult – Glanz, Spannkraft, intakte Höhen und jugendliche Anmut geniessen wollten.

Französisches Repertoire

Unter den Fittichen des Pianisten und Komponisten Paul Suits erarbeitete das Solistenseptett ein etwas zusammengewürfeltes Programm, dem es ein wenig an Atmosphäre mangelte. Auf die Bühne gebracht von sechs Nachwuchssängerinnen und einem jungen Bariton der sieben Schweizer Hochschulen, die bereits erste nationale oder internationale Erfolge gefeiert und für ihre herausragenden Leistungen Auszeichnungen oder Stipendien erhalten haben. Tenöre waren indessen keine dabei. Doch mit Blick auf die diesjährigen Highlights war deren Fehlen zu verschmerzen.

Dominieren – nach der Absage des Maestri-Konzertes – mit Lawrence Brownlee und Vittorio Grigolo doch gefeierte Ritter des hohen C die Solothurn Classics.

Bei den «Young Singers» lag der Schwerpunkt klar beim französischen Repertoire und bei Ensembleszenen. Eine Ausnahme machte der Auftakt zu Rossinis «Cenerentola». Eine Reverenz an das Ursprungsland der Oper und die aus Italien stammende Marina Viotti. In der Mezzosopranistin mit der üppigen Stimme («Je ne t’aime pas» von Kurt Weill) konnte man mit Sicherheit einen Star von morgen hören. Was der Sängerin noch fehlt, sind weniger vokale Finessen als vielmehr ein bühnenwirksameres Outfit und Styling.

Stimme und Persönlichkeit

Die Herzen des Publikums gewinnt man nämlich nicht alleine mit Stimme und Technik, vielmehr braucht es auch Personality: Bühnenpräsenz, Ausstrahlung und Repertoireauswahl. Ingredienzien, die bei der aus Frankreich stammende Mezzosopranistin Caroline Adoumbou («Stimme der Mutter» aus Hoffmanns Erzählungen) und der Schweizer Sopranistin Anna Gschwend zusätzlich mit Charme und Liebreiz gepaart sind.

Anna Gschwend begeisterte mit schlankem Sopran und brachte das Robert-Stolz-Lied «Du sollst der Kaiser meiner Seele sein» zum Blühen. In Solothurn geboren und im Kanton Uri aufgewachsen ist Flurina Stucki, die eine anrührende Micaëla und Clivia sang. Den Weg dieser Sängerin zu verfolgen dürfte interessant werden, lässt ihr schöntimbrierter, lyrischer Sopran die Tendenz zur jugendlichen Dramatischen doch schon erahnen.

Bereits auf der Opernbühne reüssiert hat die in St. Petersburg geborene Natalia Staroverova, deren gut geführter und in allen Lagen ausgeglichener Mezzo ein grosses Zukunftsversprechen abgibt. Als Persönlichkeit auf der Konzertbühne noch etwas spröde, verfügt die Russin über ein grosses Potenzial, welches zu entdecken und fördern lohnt. Alice Rossi aus Varese überzeugte sowohl mit der Romanze «Tutto se scorda» von Tosti wie auch als Frasquita im Kartenterzett aus «Carmen».

Der Schweizer Bariton Alexandre Beuchat gefiel als Escamillo mit jugendlicher, kerniger Unbekümmertheit. So wie Bizet den Torero angelegt hat. Paul Suits begleitete alle Sänger ungemein farbig und markant, passte sich dynamisch perfekt den jeweiligen Solisten an. Idealer könnte kein Klavierpartner sein. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass das «Sesam öffne Dich» der jungen Sängergeneration Juwelen vokaler und instrumentaler Virtuosität freigab. Kostbares, welches heute und auch noch morgen funkelt.

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