Solothurn

Fest für Schnäppchenjäger: Nicht alle freuen sich über den «Black Friday»

Rabatte locken am Black Friday.

Rabatte locken am Black Friday.

Der Rabatt-Tag aus den USA hat auch hierzulande Fuss gefasst. Nicht alle Geschäftsleute in Solothurn freuen sich über das Fest für Schnäppchenjäger.

Die Rabattschilder sind zurzeit kaum zu übersehen, wenn man durch das Bieltor in Richtung Märetplatz bummelt. Es beginnt die beste Zeit für Schnäppchenjäger. Kein Wunder, wenn der «Black Friday» vor der Türe steht. Der Brauch aus den USA stammt vom Folgetag des Thanksgiving ab, welcher meist als Brückentag genutzt wurde, um Zeit zum Einkaufen zu haben. Die grosse Menge an Einkaufslustigen wurde von den Kaufhäusern mit grosszügigen Rabatten angelockt.

Diesen Freitag werden auch in Solothurn die besten beziehungsweise die günstigsten Deals gemacht. Manche Unternehmen warten nicht auf den besagten Tag und lancieren, wie beispielsweise das Unternehmen Jumbo, die «Black Week», die bereits eine Woche vor dem schwarzen Freitag beginnt. Für grosse Unternehmen ist die Aktion ein Segen, für kleinere eher ein Dorn im Auge.

Manor als Pionier

Die Warenhaus-Gruppe Manor war der erste Schweizer Detailhändler, der im Jahr 2015 den Black Friday durchführte. Kunden mit einer Treuekarte können an diesem Tag mit grossen Rabatten rechnen. Aufs gesamte Sortiment. «Manor will ihre Karteninhaberinnen- und Inhaber immer wieder mit Innovativen und speziellen Anlässen überraschen und sie für ihre Treue belohnen», sagt Sofia Conraths von der Unternehmenskommunikation Manor auf Anfrage. Zudem markiere der «Black Friday» einen starken Auftakt ins Weihnachtsgeschäft, mit einer sehr hohen Besucherfrequenz und hohen Umsätzen.

Ein weiteres Beispiel ist das Kleidergeschäft Tally Weijl, das auch in Solothurn eine Filiale unterhält. Winterjacken werden dort, im Namen eines «Black Friday Warm-ups», bereits diese Woche mit 30 Prozent Rabatt angeboten. Da stellt sich die Frage, welche Ware hier zu solch günstigen Konditionen verkauft wird. «Wir gewähren Überraschungsangebote auf unsere reguläre, neue Kollektion und auf bereits reduzierte Sale-Ware», erklärt Bianca Sameli, Marketing-Managerin von Tally Weijl. Diese Sale-Ware stammt aus der vergangenen Herbstkollektion. Es werde aber keine spezifische Ware eingekauft, um sie an diesem Tag anzubieten. «Der Black Friday ist ein weltweiter Trend, den wir mit unserer trendbewussten Zielgruppe gerne mitmachen», sagt Sameli.

Passt nicht zur Philosophie

Dieses trendorientierte Wirtschaften geht Jürg Schenker vom Schuhhaus Bieltor gegen den Strich. «Wir können einen Schuh jahrelang im Sortiment haben und er verkauft sich immer gut», sagt der Geschäftsführer. Man richte sich nicht nach Trends und Verkaufsevents aus dem Ausland. Vor fünf Jahren hatte der Schuhladen sein Geschäftsmodell geändert. Das Schuhgeschäft kauft seine Ware nun zu 97 Prozent bei europäischen Produzenten ein. Es werde Qualität verkauft und keine Masse. «Wir besetzen eine Nische. Der Black Friday passt weder philosophisch noch wirtschaftlich in unser Geschäftsmodell», erklärt Schenker.

Lagerbestände geräumt

«Wir sehen keinen Grund, den Black Friday durchzuführen», sagt auch Silvio Zeller, leitender Verkaufsberater von Pipeline Solothurn, spezialisiert auf Sportgeräte und -zubehör. Letztes Wochenende hat Pipeline ihre alljährliche Börse im Landhaus in Solothurn durchgeführt, um die Lagerbestände der letzten Saison zu räumen. Nun sei die neue, sorgfältig ausgewählte Winterkollektion eingetroffen. «Es wäre schade, die Ware aufgrund einer kurzfristigen Aktion zu verscherbeln», sagt Zeller. Die Rabattaktion trifft bei den kleinen Geschäften auf Ärger und schnell kommt man auf die Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel zu sprechen.

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