Künstleratelier
Ferne Erinnerung ans Alte Spital wird hautnah und lebendig

Während dreier Monate war die Künstlerin Maryna Markova im Alten Spital zu Gast. Sie hat den Ort ihrer eigenen Unterbringung künstlerisch verarbeitet. In der Ausstellung «Schichten» lässt die Künstlerin Realität und Abbild miteinander verschmelzen.

Andreas Kaufmann
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Wo historische Räume und Ort der Empfindung ineinandergreifen: Maryna Markova mit «Schichten»

Wo historische Räume und Ort der Empfindung ineinandergreifen: Maryna Markova mit «Schichten»

Andreas Kaufmann

In diesem Raum im Alten Spital gehen die räumliche Wirklichkeit und ihr gemaltes Abbild fast nahtlos ineinander über. Man fühlt sich im modernen Sinne an Trompe-l'Œils erinnert.

An jene Bilder also, die an Kirchendecken das Auge durch den Schein von Räumlichkeit täuschen. Für Maryna Markova, die sich in den vergangenen Monaten mit dem Gebäude des Alten Spitals auseinandergesetzt hat, steht das Eintauchen in die teils konstruierte, teils akkurate Vergangenheit des Gebäudes im Vordergrund.

«Ich habe mich gezielt für einen Ort mit Geschichte entschieden», erzählt die 30-jährige Künstlerin, die im Alter von 16 mit ihren Eltern von der Ukraine nach Deutschland auszog.

Doch beschäftigt sich Markova nicht erst seit der Zusage fürs Künstleratelier «Artists in Residence» mit Bauten und ihrer Vergangenheit: «Es gibt in Berlin viele Orte mit Geschichte, die aber leider langsam zerfallen.»

Dem Alten Spital habe man stattdessen eine neue Funktion geben können: «Ich fokussierte mich in meiner Arbeit auf den Zeitraum nach den 1930er-Jahren. Gerade die Phase zwischen Zerfall und Aufbau war besonders interessant für mich», so Markova.

Dabei stöberte sie auch in Archiven nach alten Fotos, kam mit Fachpersonen in Kontakt und liess die Räume, wie sie heute sind, auf sich wirken. Ausserdem nahm sie mit den gewählten Farbschwerpunkten Ocker und Gelb Bezug auf die «Farben ihrer Kindheit».

«Auch, dass es sich hierbei früher um ein Spital handelte, wo der Tod ebenso ein Thema war wie die Freude und Hoffnung auf Heilung, war mir stets bewusst», so die Künstlerin weiter.

Kurz: Sie hat sich von Geschichte und Geschichten leiten lassen, die rund ums Alte Spital bestehen. Durch das Ineinandergreifen von historischer Recherche und ihrer eigenen, inneren Empfindung entstanden schliesslich vier grosse gemalte Werke.

Interaktive Bildinstallation

Und an diesem Punkt setzt ihre besondere Präsentations- und Arbeitsweise an. Die vier Gemälde lassen sich - da auf Rollen - frei im Raum bewegen und schaffen so ein stets neues räumliches Erlebnis.

Zwar werden die Bilder anlässlich der Ausstellung heute und morgen ihren festen Platz haben. Dafür schafft Markova anderweitig spielerische Zugänge zu ihrem Schaffen. «Die Besucher dürfen zwischen den Bildern hindurchgehen», ermutigt sie.

Was dabei geschieht: Durch rückseitig angebrachte Spiegel sieht sich der Betrachter in den halb historisch, halb fingierten Räumlichkeiten wieder. Er wird selbst zum Bild, das «alte» Alte Spital wird zur unmittelbaren Erfahrung.

Die Bilder selbst symbolisieren den Zerfall im Übrigen auch materiell - was man an bereits abgeblätterter Farbe sieht: «Es kann sein, dass sich die Werke mit der Zeit verfärben. Das darf durchaus so sein.»

Die Schweiz und insbesondere Solothurn hat Maryna Markova positiv erlebt: «Die Leute sind zurückhaltend, aber in einem positiven Sinne. Und sie sind entspannter, als es die Leute im hektischen Berlin sind, nehmen sich Zeit.» Dass Maryna Markova einen besonderen Blick auf die Zeit, auf Werden und Vergehen, wirft, beweist sie in Solothurn mehrfach.

Ausstellung «Schichten» Sa/So, 22./23. Feb. 14 bis 17 Uhr, Altes Spital.

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