Stadt Solothurn
Ferienpass: Ist Babypflege bloss ein Mädchending?

Dass sich eher Mädchen für Babys interessieren, ist ein weit verbreitetes Klischee. Ob sich dieses bestätigen lässt oder widerlegt werden kann, zeigt der Babypflegekurs des Ferienpasses.

Marina Stalder
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Barbara Kohler erklärt Melissa, wie man Babys misst.

Barbara Kohler erklärt Melissa, wie man Babys misst.

Marina Stalder

In der brütenden Hitze empfangen die beiden Pflegefachfrauen Barbara Kohler und Tamara Walser der Privatklinik Obach die neun Mädchen, die gespannt auf den Beginn des Babypflegekurses warten. Auf den ersten Blick scheint das Klischee des Mädchenkurses kaum widerlegbar zu sein. Doch dass der Kurs nur von Mädchen besucht wird, scheint in den beinahe zehn Jahren, in denen die Klinik den Kurs nun schon anbietet, nicht immer der Fall gewesen zu sein, wie Barbara Kohler erklären wird.

Zu Beginn des Ferienpass-Kurses will Tamara Walser von den acht- bis zwölfjährigen Mädchen wissen, ob sie bereits Erfahrungen im Umgang mit Babys und Kleinkindern haben. «Ich durfte meine kleine Schwester nach ihrer Geburt schon im Spital halten», erzählt Alicia. Dies scheint in der Gruppe verbreitet zu sein, denn die meisten Mädchen der Gruppe haben entweder kleine Geschwister oder Verwandte mit kleinen Kindern und kamen so schon in Berührung mit Babys. Walser erklärt den Teilnehmerinnen des Kurses, wie das Baby im Mutterbauch genügend Essen erhält und wieso Babys eigentlich weinen. «Das können verschiedene Gründe sein. Zum einen, weil sie müde oder hungrig sind, aber auch einfach, weil sie kommunizieren wollen oder Angst haben.»

Puppen und echte Babys

Babys weinen aber auch, wenn ihnen sonst etwas nicht passt. Damit die Mädchen später die Pflege an ihren Puppen richtig durchführen können, zeigt ihnen Barbara Kohler, auch Stillberaterin der Klinik, die Babypflege an einem neugeborenen Jungen. Diesem scheint die grosse Aufmerksamkeit nicht zu passen und lässt dies alle lautstark wissen. Barbara Kohler erklärt: «Zuerst wägt man ein Baby, dann misst man den Kopfumfang und die Körpergrösse und dann kann man es waschen oder baden.» Erst als sie den Jungen in die sogenannte «Tummy Tub», eine Babybadewanne setzt, um zu baden, entspannt er sich nach längerem Weinen sichtlich.

Bei der Pflege der Puppen der Mädchen merkt man, wie viel Erfahrungen die Mädchen bereits haben und wie professionell sie die Pflege an ihren Puppen durchführen. Dies kommt nicht von ungefähr, denn viele möchten sich später auch um echte Babys kümmern. Alisha sagt, dass sie gerne mal Babys hüten möchte und hier Wichtiges dafür lernen kann. Zudem findet sie: «Der Babypflegekurs ist nicht nur etwas für Mädchen. Auch Jungs sollten wissen, wie man mit Babys umgeht.»

Im Kinderzimmer werden alle Neugeborenen gemessen, gewogen und untersucht.
10 Bilder
Barbara Kohler und Tamara Walser führen die Mädchen in das Thema Babypflege ein.
Im Kurs sind dieses Jahr nur Mädchen dabei.
Tamara Walser und eine interessierte Kursteilnehmerin
Eine Kursteilnehmerin übt sich im Wickeln
Geübt wird an einer Puppe
Tamara Walser mit einer interessierten Kursteilnehmerin
Barbara Kohler zeigt wie's geht
Üben an einer Puppe
An Puppen wird die richtige Babypflege vorgezeigt

Im Kinderzimmer werden alle Neugeborenen gemessen, gewogen und untersucht.

Marina Stalder

Im Kinderzimmer

Auf der Babystation dürfen die Mädchen auch ein sogenanntes «Kinderzimmer» besuchen, in welchem alle Neugeborenen gemessen, gewogen und untersucht werden. Beim Inkubator erklärt Kohler, dass er für Babys ist, die nicht gesund zur Welt kommen und überwacht werden müssen. Spannend scheint für die Mädchen auch der Pulsmesser des Inkubators zu sein. Weil der Puls eines Neugeborenen zwischen 120 und 150 liegt, beginnt es im Kinderzimmer sofort zu piepsen, wenn eines der Mädchen das Messgerät an den Finger legt und der Puls weit unter diesen Werten liegt.

Nach dem Besuch der Babystation endet der Kurs, die Mädchen sind von den vielen Informationen und der Hitze erschöpft. Auf die Frage, ob ihnen der Kurs gefallen hat, antworten sie mir alle zusammen mit breitem Lächeln und einem lauten «Ja!».

Auch Jungs sind interessiert

Wie sieht es denn jetzt mit den Jungs aus? Barbara Kohler überlegt kurz und sagt dann, dass in den letzten Jahren immer mal wieder Jungs den Kurs besucht haben. Aber am Schluss spielt das für sie keine Rolle. «Jedes Kind, welches Neues lernen will und interessiert ist, ist willkommen im Kurs, egal, welches Geschlecht es hat.»

Ob die interessierten Jungs nächstes Jahr den Kurs besuchen, muss abgewartet werden. Das Klischee des Mädchenkurses kann der diesjährige Babypflegekurs jedoch nicht wirklich widerlegen.

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