Nach wie vor: Diese Ampel tut ihren Dienst – ungeachtet erlittener Schäden. Die vor ziemlich genau vier Wochen durch einen mutmasslichen Tagträumer am Steuer «flachgelegte» Ampel an der Dornacherstrasse. Nichts, was sich nicht mit Utensilien aus MacGyvers Trickkiste geradebiegen liesse: Zunächst korrigierten die Ampelretter die Neigung um einige Grad Richtung normal. Doch was heisst schon normal? Eine notdürftige Prothese, bestehend aus schwarzem Klebeband, und eine improvisierte Frakturschiene lösten das Problem eher unkonventionell. Weitere Massnahmen? Völlig unnötig, kann so bleiben. Vielleicht als Kunst im öffentlichen Raum. Und zwar mit unerschöpflichen Deutungsmöglichkeiten. Zum Beispiel?

Nach wie vor leuchtet die Ampel grün oder rot und bekennt so Farbe. Nach dem Ausscheiden der Nati (zum optimalen Zeitpunkt für den nun frisch vermählten Behrami) kann der WM-Fan neu entscheiden, welche Farbe er im Hinblick auf den Sonntag wählt: «Les Bleus» oder die «Rotweisskarierten». Da kann die Ampel mit Grün, Gelb und Rot nicht mithalten. Sie hätte mit ihrer Trikolore wohl eher eine afrikanische Mannschaft wie Kamerun oder Senegal im Sinn gehabt. Und angesichts der WM-Resultate wirkt der Lichtsignalmast nun halt irgendwie geknickt.

Nach wie vor bleibt die Frage unbeantwortet, was die Ampel mit ihrer Körpersprache genau signalisieren soll: Vielleicht handelt es sich um einen Hofknicks Richtung Westen, der den Zeiten huldigt, da Solothurn als Ambassadorenstadt dem französischen Hof zugeneigt war? Aber wahrscheinlich liegt die künstlerische Interpretation hinter der geknickten Ampel woanders: Sie lehnt sich ganz einfach lässig und cool zurück – fürs WM-Finale oder ferienhalber. Doch liebe Ampel, Deine Hauptaufgabe wirst Du weiterhin wahrnehmen. Und Ferien? Die kannst Du knicken.