Rosegghof
«Ferie ufem Buurehof» sorgen für gelungene Unterhaltung

Das musikalische Wandertheater des Chors Taktlos hat seine Auftrittstournee durch vier Bauernhöfe begonnen. Alle Mitwirkenden, die eine weitergesponnene Geschichte von Carl Millöckers «Der Bettelstudent» erzählen, strahlen mitreissende Spielfreude aus.

Gundi Klemm
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Wandertheater des Chors taktlos
6 Bilder
Ein engagierter Chor.
Fassungslosigkeit herrscht.
Auch Kinder mischen mit.

Wandertheater des Chors taktlos

Hanspeter Bärtschi

Die Idee zum Stück «Ferie uf em Buurehof» stammt von Sängerin und Musikpädagogin Katharina Spielmann (Messen) als langjähriger Initiantin musikalischer Aufführungen auf Bauernhöfen der Region.

Unvergessen ist etwa ihre originelle Version von «Der Vogelhändler». Mit einer Weitererzählung von «Der Bettelstudent» hat sie gemeinsam mit Sänger Jan-Martin Mächler und Bühnenautor Andreas Berger – eingewoben in die bekannten Melodien dieser Carl-Millöcker-Operette – ein eigenständiges Werk geschaffen, das sich als liebevoll-bissige Sozialstudie entpuppt.

In die heutige Version übernommen wurde das Liebespaar Bronislawa – kurz Broni (Katharina Spielmann) – und Jan Janicki (Jan-Martin Mächler), die unter der Protektion des Boulevard-Journalisten Oliver Dorfski (Andreas Berger) hier in der Schweiz eine beachtliche Karriere gemacht haben.

Ein buntes Hoffest

Jan ist bereits als Nationalrat tätig mit der Aussicht auf einen Sitz im Ständerat. Offenbar aber ist jeder Frauenrock für ihn anziehend – und das schmerzt seine Ehefrau Broni heftig. Um Zeit füreinander zu finden und damit ihre Ehe zu retten, macht das Ehepaar samt übellauniger, pubertierender Tochter Laura (Marina Enguidanos) Ferien auf dem Bauernhof.

Bäuerin Moser und ihr Sohn Simon (Fabian Vogt), die wegen aktuell schwindendem Milchgeld auf Geldquellen angewiesen sind, können ihre Gäste aus der Stadt mit vielerlei Wellness-Angeboten verwöhnen und zu einem bunten Hoffest einladen. Frauenheld Jan geniesst dabei gern die offenen Arme des weiblichen Teils der Landbevölkerung.

Tag der Rache

Wie ein Schatten ist Journalist Oliver Dorfski dem Paar aufs Land gefolgt, weil er noch eine alte Rechnung offen hat. Denn ein Kuss auf Bronis Schulter («Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst») hatte vor vielen Jahren einen Skandal ausgelöst, den er noch nicht verwunden hat. Jetzt ist für ihn der Tag der Rache gekommen, um dabei zu sein, «wenn der Servelat-Prominenz die Hosen heruntergezogen werden». Er verbündet sich unter dem Versprechen von Honorarzahlungen mit den «Riten zelebrierenden Ureinwohnern», um an pikante Fotos vom Politiker Jan zu gelangen. Die Ausbeute an Bildern von dem dank «niederschwelligem Charme der Dorfbevölkerung» feuchtfröhlichen Hoffest, das mit einer Partie ins Stroh endet, entzückt ihn und lässt ihn bereits Titel für tolle, Jan blossstellende Reportagen entwickeln.

Aber Broni erkennt rechtzeitig die Gefahr und lockt beide Männer in eine Falle. Aus erzieherischen Gründen muss Jan als «ruchloser Weiberheld, unsere Ehe ist zerschellt», etliche Zeit im Schweinestall zubringen. «Das ist für meinen Gefühlshaushalt wichtig», bekennt seine Ehefrau inbrünstig. Journalist Oli wird von ihr ein besonderer Denkzettel verpasst.

In Erwartung ihrer vorgespiegelten Liebe tanzt er öffentlich beobachtet peinlich unbekleidet herum. Wie ein geprügelter Hund verlässt er die Szene, in der sich Broni mit Jan herzhaft versöhnt. Tochter Laura hat in Gesellschaft von Simon längst zu guter Laune zurückgefunden.

Köstliche Unterhaltung

Die Mitglieder des Chors agieren nicht nur sängerisch dank der Schulung durch Chorleiterin Katharina Spielmann ausgezeichnet sondern auch in ihren erfrischenden Rollengestaltungen. Gemeinsam mit den Profis, die stimmlich und verbal kaum zu wünschen übrig lassen, vermitteln sie ein Bild, in dem sich Humor, Satire und Ironie auf unterhaltsame Weise verbinden. Passend zur Wanderbühne, die nach Solothurn noch in Aetigkofen, Messen und Aarberg gastiert, hat Oskar Fluri wandelbare Bühnenelemente geschaffen.

Michaela Pavlin vom Mobile-Tanzzentrum Bern gestaltet mit ihren kindlichen Tänzerinnen zwei zauberhafte Bewegungseinlagen. Besonders hoch schätzen darf man die Leistung von Akkordeonist Ernst Rohrer, der die gesamte Operettennachschöpfung mit Hingabe begleitet. Als erst im Verlauf der Arbeit an Bord geholter Regisseur hat Simon Burkhalter das gesamte Stück mit bestrickenden Ideen abgerundet.

Vorstellungen/Tickets: Heute, Samstag, 20 Uhr; morgen, Sonntag, 14 Uhr. Buchung möglich über www.ticketfrog.ch/unter ferie-uf-em-buurehof-samstag/oder -sonntag