Solothurner Filmtage

Felix Gutzwiller: «Ich will die Bevölkerung nicht auf den Solothurner Filmtag einladen»

Wir haben dem neuen Präsidenten der Schweizerischen Gesellschaft Solothurner Filmtage bei seinem ersten Filmtage-Auftritt auf den Zahn gefühlt. Er hofft, dass die SRG SSR weiter bestehen bleibt.

Seit dem Frühjahr 2017 amtet Felix Gutzwiller als Präsident der Schweizerischen Gesellschaft Solothurner Filmtage. Er wurde damals zum Nachfolger von Christine Beerli gewählt. Schon damals zeigte der ehemalige Zürcher National- und Ständerat viel Freude über das neue Amt.
Am Donnertsagabend wurde es aber für ihn ernst: Als Präsident hatte er im Rednerreigen der Reithalle seinen ersten öffentlichen Auftritt. Wir begleiteten Gutzwiller einige Stunden vor der Eröffnung mit der Kamera und stellten ihm auch ein paar Fragen zu seinem neuen Ehrenamt.

Ein überraschendes Angebot

Die Anfrage vom Vorstand des Vereins Solothurner Filmtage sei damals für ihn völlig überraschend gewesen, erzählt er beim Gespräch im «Baseltor». «Nach 16 Jahren im Bundeshaus habe ich mich ganz bewusst entschieden, aus der Politik zurückzutreten, um Zeitraum für andere Aktivitäten zu bekommen.» Er habe gleich danach einige tolle Anfragen für Ehrenämter bekommen. Doch er habe sich vorgenommen, bei der Auswahl sehr wählerisch zu sein. Doch die Anfrage aus Solothurn habe ihn dann doch interessiert, «insbesondere, weil man explizit einen ‹filmischen Laien› für dieses Amt suchte.»

Zwar sei er mit der Kulturpolitik des Bundes, und insbesondere auch mit der Filmförderung vertraut gewesen, erklärt der gebürtige Arlesheimer weiter; doch man suchte jemanden, der selbst in der Branche nicht tätig war.

Gutzwiller weiss, dass die Solothurner Filmtage ihn auch aufgrund seiner guten Vernetzung in Politik und Wirtschaft ausgesucht haben, und er werde dieses Netzwerk auch für die Filmtage nutzen, sagt er. «Wichtig war sicher auch, dass ich in die Romandie gute Beziehungen habe, da ich ja einige Jahre auch im Kanton Waadt gelebt und politisiert habe.» Die Solothurner Filmtage selbst habe er nur ein paarmal selbst besucht, doch war ihm die Werkschau des Schweizer Films bekannt.

«Spannend, in Solothurn zu sein»

«Solothurn sprüht sehr viel Charme aus und auf Schritt und Tritt begegnet man interessanten Leuten», freut sich Gutzwiller. «Vorhin hat mir gerade eine gewichtige Schweizer Persönlichkeit im Vorbeigehen gesagt: ‹L’action, c’est ici›, und nicht in Davos.» Keine Rede also davon, dass Solothurn für die Werkschau des Schweizer Films zu provinziell sei. «Nein, auf keinen Fall», sagt Gutzwiller dezidiert. «Im Gegenteil. Heute zeigen verschiedene Festivals in der Schweiz auch immer öfter Schweizer Filme. Da müssen sich die Solothurner Filmtage noch klarer abheben: Nur hier findet die Werkschau des Schweizer Films statt; mit allen Diskussionen, Podien, Workshops. Hier trifft sich die Branche und tauscht sich aus. Das ist ein Anliegen von mir, dass die Solothurner Filmtage als Marke noch bekannter werden und noch besser beachtet werden.» Zudem: «Ich möchte der Stadt und dem Kanton Solothurn sowie allen lokalen Sponsoren ein Kränzchen winden. Man unterstützt die Filmtage wirklich grosszügig. Finanziell, aber auch mit den vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern.»

Felix Gutzwiller, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft Solothurner Filmtage, im Interview mit TeleM1: «Ich freue mich darauf, die einzigartige Atmosphäre zu erleben»

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Sponsorensuche für Netzwerker

Und da sind wir auch schon bei einem schwierigen Thema: der Suche nach einem potenten, zweiten Hauptsponsor. «Selbstverständlich gehört es zu meiner Aufgabe, einen weiteren Hauptsponsor für die Filmtage zu finden», sagt er. Doch die Suche, die jetzt schon einige Jahre andauert, sei tatsächlich nicht einfach. «Wir haben eine riesige Konkurrenz. Denken Sie nur an die vielen grossen Sportanlässe. Und: Nicht jeder Sponsor passt auch wirklich zu uns. Wir suchen einen Sponsor mit einer guten Reputation.» Doch sei er guter Dinge, dass es in nächster Zukunft geschafft werde und ein Name präsentiert werden könne, sagt der Ex-Gesundheitspolitiker. Diese Suche sei tatsächlich Knochenarbeit. Telefonieren, Schreiben und Vorsprechen – und das in den Chefetagen der potenziellen Partner.

Es ist 16 Uhr. Die Zeit zum Eröffnungsanlass um 17.30 Uhr rückt näher. Ist der routinierte Redner Gutzwiller eigentlich nervös? «Ja, so langsam werde ich schon etwas angespannter. Schliesslich kenne ich das Filmtage-Publikum noch nicht so gut.» Im National- oder Ständerat über Gesundheitspolitik zu sprechen, damit habe er sich ja ausgekannt – «aber das hier ist jetzt etwas völlig Neues.»

Das Polit-Tier

«Ich habe vier bis fünf Minuten Sprechzeit», erzählt Gutzwiller weiter und er werde natürlich kurz etwas zur No-Billag-Abstimmung sagen. Um die Mittagszeit habe es schon eine kleine Probe in der Reithalle gegeben, wo er sich mit der Umgebung habe «anfreunden» können.
Und jetzt spricht der Politiker aus ihm. «Es ist genau der richtige Zeitpunkt, um über diese Abstimmung zu sprechen. Es dauert noch einen Monat bis dahin. Die Bevölkerung will sich jetzt informieren und der Filmtage-Vorstand hat sich klar für ein Nein ausgesprochen.» Er werde in seiner Rede darüber sprechen, dass der Schweizer Film zu einem grossen Teil mit der SRG SSR verbunden sei. «Im vergangenen Jahr zeigte das Schweizer Fernsehen beispielsweise 336 Schweizer Filme.»

Er hoffe, dass die SRG SSR weiter bestehen bleibe, ansonsten könne er die Bevölkerung im nächsten Jahr nicht zu den Solothurner Filmtagen begrüssen, sondern lediglich zum Solothurner Filmtag. So, nun gehts aber los, auf den roten Teppich vor die Reithalle.

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