Auf einen Kaffee mit ...

FCB-Präsident Bernhard Heusler, der Souveräne

Bernhard Heusler

Bernhard Heusler

Bernhard Heusler, Präsident des FC Basel, war diese Woche unterwegs in Solothurn. Wir haben ihn an der HESO auf einen Kaffee getroffen. Er wolle ein verlässlicher Pfeiler im ganzen Konstrukt des FCB sein, meint er im Gespräch.

Bernhard Heusler, Präsident des derzeit erfolgreichsten Fussballklubs der Schweiz, zu Besuch in Solothurn. Nicht etwa erneut am Obergericht, wo er als Anwalt vor Jahren einen Klienten erfolgreich vertreten hat.

Der 50-Jährige Jurist mit USA-Erfahrung stattet zu Wochenbeginn Vertretern seines Partnervereins FC Solothurn einen Besuch ab und lässt es sich danach nicht nehmen, den FCB-Stand an der Heso zu begutachten. Dass dies nicht ohne grosses Aufsehen möglich ist, liegt auf der Hand. Ein Autogramm hier, ein Händedruck da, ein paar freundliche Worte zu aufgeregten Fans – ein allseits gefragter Vereinspräsident. Immerhin, für einen Kaffee reicht es gerade noch. Im Zentrum dabei stehen dabei nicht die fussballerischen Grosstaten des Klubs. Darüber wird während der Saison auch in dieser Zeitung seitenweise berichtet.

Doch, doch, in Solothurn sei er schon mehrmals gewesen. So erwähnt der smarte Präsident etwa das Classic Openair und erkundigt sich nach dessen Bestehen. Dass nicht mehr alles so ist wie einst, ist offensichtlich bis ans Rheinknie durchgedrungen. Heusler zeigt sich erstaunt über den lebhaften Betrieb an der Heso: «Unglaublich, die vielen Leute hier.» An die Olma habe er es schon mal geschafft, aber die Solothurner Messe sei für ihn nun tatsächlich eine Premiere.

Interessant in diesem Zusammenhang: Heusler erwähnt die 550 000 FCB-Sympathisanten, die sich über die ganze Schweiz verteilten. Mit diesen wolle man aktiv vor Ort in Kontakt treten und nicht darauf warten, bis sie vielleicht einmal ins Stadion nach Basel kämen. Die Zusammenarbeit mit dem FCS bezeichnet er als erfolgreich. Regelmässig werden talentierte Nachwuchsspieler aus dem Mittelland beim Spitzenklub aufgenommen, wo sie die Möglichkeit haben, sich auf hohem Niveau weiter zu entwickeln: «Gegenwärtig kommen gleich zwei Solothurner bei unseren Topmannschaften zum Einsatz.»

Bernhard Heusler, Präsident des FC Basel, zu Besuch an der HESO

Bernhard Heusler, Präsident des FC Basel, zu Besuch an der HESO

Der Nachwuchs hat beim FCB generell einen hohen Stellenwert. 2010 wurde die Stiftung Nachwuchs-Campus Basel gegründet. Ins Leben gerufen hat sie die frühere Präsidentin und Pharma-Erbin Gigi Oeri. Die Stiftung soll den Nachwuchsfussball langfristig fördern. Als erstes Projekt wurde ein Wohnhaus für 18 Spieler verwirklicht. «Nebst der fussballerischen und der schulischen Ausbildung werden auch die gesunde Lebenshaltung und die Regeneration gezielt gefördert. Wir übernehmen damit nicht zuletzt auch eine gesellschaftliche Verantwortung», erklärt Heusler.

Er kennt die Situation der Jungen Menschen in diesem Alter, hat er doch selber eine 18-jährige Tochter und einen 16-jährigen Sohn. Und, wird er Fussballprofi? Heusler winkt ab, es sei mit viel Risiko verbunden, in jungen Jahren alles auf den Sport zu setzen. «Nicht jeder ist ein Shaqiri, deshalb darf die parallele Ausbildung nicht zu kurz kommen.»

Wie kommt denn ein diskreter Anwalt überhaupt zu einer Spitzenposition in der glamourösen Fussballwelt? Den Sport hat Bernhard Heusler in jungen Jahren selber aktiv betrieben, nicht auf höchstem Leistungsniveau, aber doch mit viel Enthusiasmus. Irgendwann sei er als juristischer Berater beim FCB gelandet und danach Schritt um Schritt der jetzigen Position nähergekommen. 2012 übernahm er schliesslich von Gigi Oeri das Präsidium. Ein Vollamt übrigens, das er jedoch organisatorisch sehr gut mit diversen Verwaltungsratsmandaten (z. B. Valora-Holding) vereinbaren könne. Als weiterhin praktizierender Anwalt wäre dies weit schwieriger.

Was denn einen guten Präsidenten ausmache, wollen wir wissen. Heusler überlegt. Er wolle ein verlässlicher Pfeiler im ganzen Konstrukt sein. Möglichst gleichbleibend im Sieg, wie in der Niederlage. Also nicht einen gewonnenen Pokal plakativ voraustragen, das sei Sache der Spieler. Andererseits gehe es darum, bei Niederlagen ruhig Blut zu bewahren und allfälligen negativen Medienhypes entgegenzuwirken.
Nur mal angenommen, Basel wäre im Cup das gleiche Missgeschick passiert wie am vergangenen Wochenende den Young Boys gegen den 2.-Ligisten Buochs. Heusler runzelt leicht die Stirn: «Daran mag ich gar nicht denken, das wäre sicher auch ganz schwierig gewesen. Bei uns löst schon eine Niederlage gegen das grosse Real Madrid Diskussionen aus.» Aber vielleicht ist diese Frage eh hypothetisch, weil eben gerade bei solch anspruchsvollen Cupspielen der Unterschied zwischen dem FCB und anderen Schweizer Mannschaften offensichtlich wird.

Und erneut verlangt jemand am Heso-Stand eine Unterschrift von Heusler, diesmal auf ein Trikot des Vereins. Beim FCB geniessen eben nicht alleine die Kicker auf dem grünen Rasen ein hohes Ansehen. Heusler scheint den Umgang mit den Fans zu lieben. Abgrenzen will er sich lediglich, wenn die Familie tangiert wird. Ob er sich in Basel denn noch unbehelligt bewegen könne. «Absolut kein Problem, man ist an mich und meine Rolle gewöhnt, ich muss höchstens bei Anlässen auch schon mal darauf hinweisen, dass man sich mit mir auch über andere Dinge als nur Fussball unterhalten kann.»

Lächelt, verabschiedet sich von Standpersonal und Zaungästen, um schliesslich leichtfüssig dem Heso-Trubel zu enteilen.

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