Was Regierungsrat Roland Heim, Kantonsratspräsident Peter Brotschi und Stadtpräsident Kurt Fluri zu sehen bekamen, war unerhört: Fünf Stunden lang gabs auf der Kofmehl-Bühne Show pur.

Raffinierte Schnitzelbank-Auftritte wechselten mit fulminanten Guggen-Konzerten ab, farbenfroh, witzig und musikalisch anspruchsvoll feierte sich die Aktivitas der Solothurner Fasnacht.

Genauso wie die Kostümkreativen und Wagenbau-Gruppierungen tags zuvor am grossen Umzug. Die Selbstdarstellerin Honolulu hatte sich wieder einmal selbst übertroffen und das Motto Avanti Soletti eindrucksvoll umgesetzt.

Konstanter Bestand

Die organisierte Fasnacht in Solothurn blüht, scheint kaum Zukunftssorgen zu kennen. Doch der Guggen- und Schnitzelbank-Bestand ist seit langem konstant, die Gründerjahre Geschichte.

Auch die Reifezeit ist bei etlichen Gruppen vorbei. Sie verharren zwar auf teilweise hohem Niveau, kommen aber zunehmend in die Jahre. Auch am Umzug hat sich der Zahl der Aktiven zwischen 1200 und 1300 eingependelt, die Zahl der Gruppen zwischen 35 und 38.

Das reicht für einen anständigen Corso - wichtiger ist, dass die Qualität stimmt. Was der Fall war, auch wenn die späte Fasnacht dieses Jahr zusätzlich Zeit für Details liess.

Bleibt die Fasnacht, die sich nicht herbeiorganisieren lässt. Die einfach ausbricht, wie eine überreife Knospe in der jetzigen Frühlingswärme. Am Samstag war es so weit. Wohl mehr als zehntausend überwiegend kostümierte Leute feierten einige Stunden lang ausgelassen die Nacht der Nächte.

Sie feierten überall, auch dort, wo sonst nicht unbedingt der Fasnachtsbär steppt. Die sonstige Sommer-Riviera am Landhausquai war ebenso vollgestopft mit Partyvolk wie der Friedhofplatz, die Fasnachtsbeizen platzten aus allen Nähten.

Niemand organisiert das wohl grösste Stadtfest Solothurns, weder eine Narrenzunft Honolulu noch eine Guggenvereinigung Guso noch die Fasnachtsgesellschaft UNO. Im Gegensatz zu den Umzügen, der Chesslete, dem Bööggverbrennen oder auch dem Zapfenstreich gibt es keine Verantwortlichen beispielsweise für Infrastruktur oder Sicherheit.

Die Stadt selbst muss diesen Part übernehmen, tut dies auch akkurat bei der Reinigung der Gassen. Mehr zu tun wäre bei der Infrastruktur - eine interimistische, zentrale Toilettenanlage ist zwingend. Sind doch die Restaurant-Toiletten dem Ansturm schlicht nicht gewachsen.

Aber auch das Sicherheitsdispositiv ist zu hinterfragen. Während am stets friedlichen Umzug anderntags fast jeder Vaubanständer durch eine Polizeikraft bewacht wird, scheint man am Vorabend schon fast zu resignieren.

So nach dem Motto: Es wird schon gut gehen. Das Samstags-Scharmützel am Rande, ausgetragen zwischen unkostümierten Jugendlichen, war zwar nicht der Rede wert. Aber das Potenzial für Vandalismus und Gewalt ist angesichts der Massen, die da bei extrem viel Alkoholkonsum in der Stadt feiern, nicht zu unterschätzen.

Die Ruhige Seite der Fasnacht

Ruhigere Zeiten gabs jedoch durchaus an dieser Fasnacht. Der Donnerstagabend serbelt als Insider-Treff weiter vor sich hin, und die Pläne der UNO und Guso, den Freitagabend der Partynacht vom Samstag anzunähern, sind nach drei Versuchsjahren kläglich gescheitert.

Das Öffnen neuer, ansonsten belebender Fasnachtsbeizen am Freitag hinterliess jedenfalls einen ernüchternden Eindruck in der Umsatzbilanz. Die Fasnacht in Solothurn kann zwar einen hohen Pulsschlag erreichen, sie reagiert aber kaum auf Infusionen oder gar eine künstliche Beatmung.