Überall stehen sie: Polstermöbel jeglicher Art. Sessel, Sofas, teils noch zugedeckt oder nur halbwegs bezogen, andere bereits in neuer, voller Pracht. «Die sind auch wieder bei Jungen unter 30 völlig in. Mit einem flippigen Dessin kann so ein Polstersessel durchaus neben einem Ikea-Möbel stehen», zeigt Rolf Ryf auf ein «chnütschviolettes» Exemplar mit einem Fusspolster-Bänklein in derselben Farbe. Nein, er könne gut von seinem Geschäft leben, ein Niedergang des alten Handwerks sieht der 62-jährige Inneneinrichtungs-Fachmann keineswegs.

Vor 50 Jahren hatte sein Vater das Geschäft in Langendorf gegründet, vor 25 Jahren war der Sohn nach Solothurn an die Schanzenstrasse 7 gezogen. Hier, in diesem verwinkelten Labyrinth arbeitet die ganze Familie, Mutter Anita Ryf ebenso wie Tochter Daniela Parente und die Innendekorateurin Leslie Rebmann. «Wir haben auch immer genügend Lehrlinge», sieht Ryf auch in diesem Bereich keine Zukunftssorgen für die Ausbildung seiner Branche, die schulisch in Selzach beheimatet ist.

Fauteuils für die «ü 100»

«Wir sind einer der letzten Handwerksbetrieibe in Solothurn», ist Rolf Ryf stolz auf seinen Beruf, der beispielsweise auch bei der Kantonregierung hoch geschätzt wird. So fabriziert Ryfs Team auf Order aus dem Rathaus jene Fauteuils, welche die Regierung 100-jährig gewordenen Geburtstagskindern schenkt. «Die meisten nehmen zwar etwas anderes, aber sieben oder acht Stück pro Jahr brauchen wir schon», meint Rolf Ryf angesichts des Trends, dass immer mehr Betagte dieses einst biblische Alter erreichen.

Für die Produktion erhalte er eigentlich einen Vorlauf von einem bis eineinhalb Monaten. «Doch fürs Melden eines 100. Geburtstags sind die Gemeinden zuständig und es ist auch schon vorgekommen, dass wir erst am Tag vorher davon erfuhren.» Und so hält Ryf immer mindestens einen Fauteuil in Reserve.

Und «Schwedische Gardinen»

Natürlich befasst sich Ryf Innenausstattungen auch mit der stilgerechten Restauration von historischen Möbeln. «Da geht es manchmal auch um die Beschaffung der Original-Federn», weiss Rolf Ryf. Dabei gebe es noch eine ganz besondere Faszination. «Man muss wissen, wie die Menschen damals gelebt haben.» Doch das Spektrum des Fachgeschäfts ist viel breiter.

Es reicht bis zur Anfertigung von Bodenbelägen aller Art, wichtig ist aber auch das Nähen von speziellen Vorhängen, insbesondere auch von ganzen Beschattungssystemen oder die Einrichtung mit Textilien, welche den Schall dämmen und hemmen. So war Ryf unlängst auch in den Gruppenräumen der Deitinger Strafanstalt Schachen in dieser Hinsicht tätig, «und unter Betrieb, also in Anwesenheit von Insassen, war das schon ein besonderes Gefühl.»

Ryf arbeitet oft mit Liegenschaftenverwaltungen und Architekten zusammen, aber auch Laufkundschaft stelle sich wegen der günstigen Lage des Geschäfts am Rand der Altstadt immer wieder ein. Auch täuscht das verwinkelte Lokal mit seinen vielen, eher kleinen Räumen. «Wir verfügen über einen riesigen Keller sowie zwei Aussenlager in Langendorf und in der Zuchwiler Aarmatt.» Und so sieht Rolf Ryf optimistisch der Zukunft entgegen – soll doch in zwei Jahren ein junger, gut ausgebildeter Nachfolger den traditionellen Handwerksbetrieb übernehmen.

Vorher aber feiert die Familie an der Schanzenstrasse 7 das 25-jährige Bestehen den ganzen Samstag von 9 bis 16 mit einem Tag der offenen Tür. Und vieles, was dort tagtäglich geschieht, hat der Künstler Hans Bernasconi an den Geschäftswänden fotografisch dokumentiert.