Theater Mausefalle
Fast schon ein Vatikan-Thriller

Als deutschsprachige Erstaufführung bringt das «Teatro Mobile» das Stück «Die Antwort kennt nur Gott allein …» auf die Bühne.

Helmuth Zipperlen
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Was Humphrey Biddulph (Rudolf Fischer, r.) weiss, könnte die katholische Kirche bis in ihre Grundfesten erschüttern.

Was Humphrey Biddulph (Rudolf Fischer, r.) weiss, könnte die katholische Kirche bis in ihre Grundfesten erschüttern.

Zur Verfuegung gestellt

Der renommierte englische Drehbuch- und Bühnenautor James Whitemore, Jahrgang 1936, Mitglied der Royal Society of Literature, ist bekannt dafür, literarische Stoffe dramatisch zu adaptieren. «God only knows» indessen ist ein Originalstoff, welcher 2001 am Vaudeville-Theatre in London seine Uraufführung erlebte. Er hat die Rolle des Humphrey Biddulph dem bekannten Film- und Theaterstar Derek Jacobi («Gladiator», «The King’s Speech») auf den Leib geschrieben.

Da ist es denn auch für alle Nachspielenden schwierig, diese Rolle zu gestalten. In dieser deutschsprachigen Erstaufführung verkörpert Rudolf Fischer diesen Part. Er hat sehr viel Text, welcher zwar gut verständlich über die Rampe kommt, doch das eindimensionale Spiel erzeugt (zu) wenig Dramatik. Humphrey Biddulph, welcher bewaffnet in ein Ferienhaus in der Toskana eindringt, ist eine schillernde Figur, die nicht richtig fassbar wird. In Fischers Interpretation ist sie fast zu eindeutig ein Wissenschafter.

Im Gegensatz dazu dürfen die Darsteller der beiden ferienmachenden englischen Ehepaare Vin (David Gnägi), Kate (Samira Oulouda), Charles (Dominik Jäggi) und Eleanor (Melina Maspero) mehr aus sich herausgehen und stellenweise Szenen eher weniger intakter Ehen vermitteln. Das Wohnzimmer des Ferienhauses ist behaglich eingerichtet. Zu Beginn stellen zirpende Zikaden die Verbindung zum südlichen Schauplatz her, später sind es ein Crash, Schüsse und Hundegebell, welche von aussen hereindringen. Melanie Egger ist für die Technik verantwortlich.

Die bösen Vatikan-Killer

Vic und seine Frau Kate sind mit dem befreundeten Ehepaar Charles und Eleanor diesmal in die Toskana in die Ferien gefahren. Diese Engländer der Mittelschicht werden mit vermeintlich italienischen Unzulänglichkeiten konfrontiert und so schwankt die Stimmung zwischen entspannt und gereizt. Sie hören Lärm und gehen nachschauen. In ihrer Abwesenheit betritt Humphrey, bekleidet mit einem Pyjama und einer Lederjacke, einen Revolver in der Hand, das Zimmer. Er ist mit seinem Auto in einen Baum gefahren. Obwohl leicht verletzt, will er sich von den zurückgekehrten Bewohnern weder in ein Spital noch auf die Polizei fahren lassen. Humphrey erklärt, er sei aus einer Klinik geflüchtet, weil er sich seines Lebens nicht mehr sicher sei und er werde vermutlich verfolgt. In Italien sei ja die Polizei korrupt. Humphrey bekleide an einer englischen Universität einen Lehrstuhl für Geschichte.

Der Vatikan habe ihn beauftragt, im Archiv Dokumente zu ordnen. Von einem Bekannten, welcher in der Zwischenzeit bei einem Autounfall – an den Humphrey nicht glaube – ums Leben gekommen sei, habe er ein altes, römisches Dokument erhalten, dessen Inhalt darauf hindeute, dass Jesus nicht Gottes Sohn, sondern einfach ein gewöhnlicher Wanderprediger gewesen sei. Die Auferstehung sei eine Inszenierung gewesen. Da dadurch die Grundlage der christlichen Kirche in Gefahr gerate, sei er als Mitwisser dieses Briefes im Visier von Killern. Was machen die beiden Ehepaare, die nun ungewollt auch zu Mitwissern dieses Geheimnisses geworden sind? Das sei an dieser Stelle nicht verraten. Spricht Humphrey die Wahrheit oder ist er ein Irrer? Auseinandersetzungen über Glaubensfragen sind die Folgen. Ist diesem mysteriösen Brief zu glauben oder doch den Evangelien? Nur Gott weiss es.

Weitere Aufführungen: Fr/Sa, 5./6. Dezember, je 20 Uhr, So, 7. Dezember, 17 Uhr, Fr/Sa 12./13. Dezember, je 20 Uhr.