Busbetrieb
Fast 7 Millionen Passagiere waren mit dem BSU unterwegs

Busfahren bleibt in, denn erneut stiegen im Vorjahr 90'000 Passagiere mehr in BSU-Busse ein. Der Busbetrieb wird überdies neu von Anita Panzer geführt, sie ersetzt den scheidenden Präsidenten Ulrich Bucher.

Wolfgang Wagmann
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Wolfgang Wagmann

Nach 20 Jahren leitete Ulrich Bucher letztmals die Generalversammlung des Busbetriebs Solothurn und Umgebung BSU - der ebenfalls neu zusammengesetzte Verwaltungsrat sollte am Schluss dann Feldbrunnens Gemeindepräsidentin Anita Panzer zu seiner Nachfolgerin wählen. Sie tritt ein gesichertes Erbe an, denn BSU-Direktor Fabian Schmid konnte nicht nur befriedigende Zahlen vorweisen (vgl. Kasten), sondern auch klare Ansagen zur Zukunft liefern.

Wechsel an der BSU-Spitze: Anita Panzer folgt auf den scheidenden Verwaltungsratspräsidenten Ulrich Bucher, der 20 Jahre im Amt war.     

Wechsel an der BSU-Spitze: Anita Panzer folgt auf den scheidenden Verwaltungsratspräsidenten Ulrich Bucher, der 20 Jahre im Amt war.     

Hanspeter Bärtschi

So habe man seit dem grossen Angebotsausbau 2008 erstmals wieder das gesamte BSU-Angebot einer Gesamtprüfung unterzogen und den neuen Bedarf aufgezeigt. «Es geht dabei um Taktverdichtungen und längeren Betriebszeiten», orientierte Schmid zu den Absichten auf eine neue Linie im Wasseramt, die «Innere Tangente». Allerdings sei wie auch bei anderen Punkten die Finanzierung noch nicht geklärt, musste der Direktor einräumen.

Garage wird zu klein

Damit war der geplante Umstieg des BSU auf Elektro-Busse angesprochen, zu dem man auch bereits ein Detailprojekt für die Linie 4 ausgearbeitet habe. «Immerhin geht es um den Ersatz von einer Million Liter Diesel», sieht Fabian Schmid auf diesem Gebiet einen wichtigen Beitrag des Busbetriebs zur Energiewende.

47 Busse im Einsatz

Fast 7 Millionen Fahrgäste, oder exakt 6,910 Mio. Personen hat der Busbetrieb Solothurn und Umgebung BSU im letzten Jahr befördert – das sind 90 000 mehr als noch im Vorjahr. Diese Steigerung von 1,3 Prozent ist allerdings auch auf zusätzliche 84000 gefahrene Wagenkilometer zurückzuführen, 2018 wurden deren 2,859 Mio. zurückgelegt. Das BSU-Netz erstreckt sich über eine Streckenlänge von 144,1 Kilometern, auf dem 47 Linienbusse im Einsatz stehen. Nicht so positiv fallen dieses Jahr die Finanzkennzahlen aus: Bei einem Gesamtaufwand von fast 20 Mio. Franken ergab sich ein Betriebserfolg von gut 407 000 Franken, was einem Rückgang von 150000 Franken entspricht. Der Betriebsaufwand ist allerdings gegenüber dem Vorjahr um 467 000 Franken angestiegen, was sich dann im Kostendeckungsgrad niedergeschlagen hat. Dieser sank von 54,8 auf noch 53,1 Prozent. Der durchschnittliche Personalbestand des BSU belief sich im letzten Jahr auf 115 Angestellte. (ww)

Genau dieser Umstieg würde aber ein anderes, grösseres Problem beim BSU akzentuieren: Die Bus-Garage in der Waldegg stösst an ihre Grenzen, zum das BSU-eigene Areal baulich ausgereizt sei. «Wir müssen deshalb auch mögliche neue Standorte in der näheren Umgebung prüfen», so Schmid.

Licht und Schatten

Positiv hervor sticht der BSU auch schweizweit: Bei den letzjährigen Qualitätsmessungen des Bundesamtes für Verkehr BAV hat der Solothurner Busbetrieb im gesamtschweizerischen Vergleich unter den total 68 beurteilten Busunternehmen den ersten Platz unter 68 Betrieben (Vorjahr Platz 28) erreicht. Schwachstelle war für das Bundesamt lediglich der Zustand der Haltestellen bezüglich Sauberkeit und Abfall.

Ebenfalls ein negativer Punkt ist jeweils das Schwarzfahren. Letztes Jahr wurden vom RBS-Kontrolldienst 63 400 Personen auf ihre Fahrausweise überprüft. 2704 Fahrgäste konnten kein gültiges Ticket vorweisen. Damit ist die Quote immerhin von 4,6 auf noch 4,3 Prozent gesunken. Nach Abzug aller Fahrgäste, die lediglich ihr Abonnement vergessen haben, liegt die Quote noch bei 3,8 Prozent.

Das letzte «mot du président»

Seit 30 Jahren im Verwaltungsrat, seit 1999 dann als Nachfolger des kürzlich verstorbenen Heinz P. Vögeli zum neuen Präsidenten gewählt – Ulrich Bucher konnte bei seinem letzten präsidialen Auftritt wahrlich aus dem Vollen schöpfen. Es war öV-Geschichte pur, die er aufwärmte, von der Bahn 2000 bis zu den höchst umstrittenen und kritisierten Bus-Beschaffungen schlug er den Boden. «Dass wir nicht hiesige Hess Busse beschaffen konnten aufgrund der WTO/-Gatt-Bestimmungen, wurde vielenorts nicht verstanden.» Aber befremdet hätten ihn dann doch Äusserungen von Politikern, die es besser hätten wissen müssen, hielt Bucher pointiert fest. Schwierigstes Thema sei die Schieflage der maroden Pensionskasse ascoop gewesen. «Wenn wir damals wie gefordert 5 Mio. Franken hätten einzahlen müssen, hätte es den BSU nicht mehr gegeben», blickte der Präsident auf «schlaflose Nächte» vor der jetzigen, zufriedenstellenden Regelung zurück. Im Ausblick würdigte er ebenfalls die Bedeutung der E-Mobilität im Busverkehr, warnte jedoch vor einem zu raschen, riskanten Umstieg. Vehement forderte Ulrich Bucher zuletzt Verbesserungen im öV vor allem in Sachen Informationen, vor allem für Gelegenheitskunden und bei Störfällen.

Neu für Bucher in den Verwaltungsrat gewählt wurden Hardy Jäggi, Gemeindepräsident Recherswil, und Patrick Zürcher (Lommiswil) als Nachfolger von Dominik Meyer als Vertreter des BSU-Personals.