Solothurner Fasnacht
Fasnachtszeitungen: Das Kronthema «Krone» bewegt die Narrenschreiber

Ein bewegtes Jahr 2012 liefert genügend Rohstoff für die Stadtsolothurner Fasnachtszeitungen «Dr Hudibras», «Postheiri» und «Amzblatt».

Andreas Kaufmann
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Der Hudibras, das Amzblatt und der Postheiri als aktuelle Fasnachtslektüre
8 Bilder
So präsentieren sich die Solothurner Fasnachtszeitungen Hudibras, Amzblatt und Postheiri
Der Hudibras knöpft sich auch Grennchen vor
Der Tourismusdirektor sieht Hand in Sicht
Zusammen schmökern macht mehr Spass
Wahres Helgentum auf der Mittelseite des Postheiris
Das Amzblatt glossiert das Errinerungsbild der zürücktrendenen Regierungsräte
Beliebt ist die Hilari-Prominade im Postheiri

Der Hudibras, das Amzblatt und der Postheiri als aktuelle Fasnachtslektüre

Wolfgang Wagmann

Was über zwölf Monate zu reden gegeben hat, soll nun auch zu lachen geben. Während «11 Minuten» als Gratisblatt schon seit Samstag die Lachmuskeln strapaziert, folgt nun mit den anderen das dicke Ende närrischer Schandtaten. Wieder hat ein bewegtes Solothurner Jahr Stoff gegeben, der je zwölf Seiten «Dr Hudibras», «Postheiri» sowie ein ebenso umfangreiches «Amzblatt» zu füllen Fasnachtszeitungen vermag.

Omnipräsent vertreten ist im närrischen Rückblick aufs 2012 vor allem ein Thema: In allen drei Blättern wird die «Krone» zum Kronthema gekrönt. Bei «Hudibras» gucken die Chinesen bereits auf der Titelseite zu den Fenstern auf den Kronenplatz hinaus. Zur Erinnerung: Nach dem «Kronen»-Aufkauf durch Stadt und Kanton wurde das Interieur des Traditionshauses an einen chinesischen Geschäftsmann verkauft, oder wie das «Amzblatt» schreibt: «Die Kronjuwelen werden in einen fernöstlichen Kanton verschachert.» Was die Schreiberlinge dazu veranlasste, den Faden weiterzuspinnen und in der Fantasie die «Krone» zu «asiatisieren»: Der «Postheiri» macht auf seiner Menükalte, pardon, Menükarte Gluscht auf Aelplelmaglonen und Lotwein aus dem Bülgelkellel, während «Hudibras» das ganze Solothurner Who-is-who ins Land der aufgehenden Sonne verlagert: «Chlis von Lohl» heisst neu «Sing Song», «Kult Fluli» «King Kong» und «Pfallel Paul Lutz» neuerdings «Gang Wek».

Gegen HESO und Finanzwesen

Aus dem Schaden einen Spott gemacht haben «Hudibras» und «Postheiri» in Sachen HESO. Dass das alte OK vier Jahre lang zu wenig Standgebühren eingefordert hatte, nutzten die närrischen Redaktionen zum höhnischen Steilpass. So gibt im «Hudibras» ein fiktiver HESO-Präsident Roger Saudan zu: «Bei uns lief schon immer alles aus dem Ruder.» Währenddem lästert ein ebenso fiktiver Kurt Fluri im «Postheiri» im Hinblick auf die letztjährigen Betreibungsandrohungen auf Steuervorbezüge: «Wir sind eben schlauer als das alte HESO-OK und holen uns das Geld, solange es die Leute noch besitzen.» Gerade das städtische Finanzwesen kriegt flächendeckend sein Fett weg. Im «Postheiri» landet «Der Sheriff von Notterham» geradewegs auf der Titelseite: «Ein Zugereister namens Notter, sofort a üse Chlütter wotter.»

Ausserdem klärt das «Amzblatt» in seinem «Beneidungsregister», warum Alex Tschäppät auf Kurt Fluri schielt, und der Solothurner Füdlibürger auf die mit einer Lohnerhöhung beglückten städtischen Chefbeamten. Weiter wirft der «Hudibras», die Frage auf, ob Kurt Fluri ein Abzocker sei und ob dafür «sechs Nullen» – abgebildet besagte Chefbeamten – nicht ausreichen würden.

Auch Grenchen gehört zumindest bei «Hudibras» zum wichtigen Rohstofflieferanten: Während dem Grenchner Badifest lediglich der Schauerregen beschieden war, wird das Solothurner Märetfest mit Geldsegen beschenkt.

Durchwegs pointendicht

Alle drei Blätter kommen in der gewohnten Machart daher, einzig beim «Postheiri» verzichtet man neuerdings auf eine von Hand geschaffene künstlerische Mittelseite. Dort wurde dafür inhaltlich die Thematik des «Kunst-Super-Discounts» aufgegriffen – in photogeshoppter Form. Dafür lässt dort ein pointendichter Grundrissplan der Kathedrale den Leser lange auf einer Seite verweilen. Pointendichte aber findet sich in allen drei Narrenblättern – hoffentlich ein Vorgeschmack dessen, was Solothurn in den kommenden Tagen auch in den Gassen und Beizen noch zu hören und sehen bekommt.

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