«11 Minuten», die jüngste und frechste Fasnachtszeitung in Solothurn, hat zwar zwölf Seiten, kann jedoch in elf Minuten gelesen werden. Denn die Texte verdienen den Namen Portion kaum, sind eher im Häppchenbereich anzusiedeln.

Doch wer - beispielsweise bei einer stinkwichtigen Sitzung - mit der 11-Minuten-Packung nur die reine Leseverweilzeit rechnet, hat die Darmrechnung ohne das Zwerchfell oder die Blase gemacht: Denn mindestens nochmals elf Minuten muss der geneigte Leser als geneigter Lacher einkalkulieren.

Nicht primär der Lese-, sondern der Bildstoff machts. Freche Foto-Montagen verändern unseren Stadtpräsidenten in Kurt Murphi mit einer Haarpracht, die Jeffrey Flury nie und nimmer bieten kann. «Die Glückskost» zeigt auf ihrem Titelbild den hoch Schwanger Bruno Gisler beim «Arm strong» oder eine Bea Heim nach ihrer vierrädrigen, in Rauch und Flammen aufgegangene «Induktionsheizung» mit geschwärztem Gesicht.

Und immer wieder bestätigen die 11-Minuten-Macher das alte Lacher-Rezept: Ein Bild oder eine Bildmontage ist so gut wie die Bildlegende drunter. Positives Beispiel gefällig? Aus dem Märetfescht-OK wird ein Märetfescht-KO und unter dem Helgen steht lakonisch: Diese Sieben sind neu dubai.

Grosse Lachklasse aber auch die Mittelseite von Meisterzeichner Rolf Imbach: Das Söilirennen im HESO-Schanzengraben mit bekannten Grössen wie dem T'Rüsselschwein oder Sergio Schwiniger ist ein echter «Schwingucker».

Reichhaltige Themenpalette

Die Themenpalette ist durchaus reichhaltig, nebst kleinen, närrischen «Insider-Geschäften» aus Honolulu spannt «11 Minuten» den Bogen bis hin zu Karl Phalls kühler Stalkshow oder den abgetretenen Papst unter einem allerdings happigen Titel.

Womit die Gretchenfrage aller Fasnachtszeitungsmacher wieder einmal gestellt ist: Bis wohin darf die Gürtellinie rutschen, ohne einen Knieschaden zu produzieren? «11 Minuten» bleibt keineswegs brav auf der Bauchnabelhöhe sitzen, sondern wagt durchaus den Blick in die Abgründe eines städtischen Einäscherungsreglementes, genannt «Goldzahn-Norm», kurz «GOZNO».

Wie heiss für Fasnächtler das Terrain ihres Beackerns geworden ist, zeigen auch die Bedenken der Redaktion gegenüber Grenchen-Witzen. Diese könnten unter die Rassismus-Norm fallen, so ihre Befürchtung. Andrerseits: «Wie weit diese Minderheit allerdings schützenswert ist, bleibt offen.»

Als Naschereien befassen sich die Texte mit «Tempo fleissig», einer Abspeckübung für Promis oder auch dem Lädelisterben, das in der lakonischen Konklusion gipfelt: «Nur Killers Lädeli ist nicht totzukriegen!» Den längsten, aber immer noch gut verdaulichen Artikel widmet die 11-Minuten-Redaktion der erschwerten Verkehrsführung in der Vorstadt, der sich eine neue gegründete «Pro Rückstadt» annimmt. Zur Fusion mit der Altstadt brauche es Brückenbauer, wird Mino Conti zitiert - «11 Minuten» kontert: Dazu bräuchte es nur ein Wegfallen des Fahrverbots vor der Wengibrücke!

«11 Minuten» gibts kostenlos bei Blumen Studer, Bruno Walter Architekten, Cantina del Vino, Chez Fritz, Chicken Chaotikum, Chuchilade, Kerzen Jeger, Le Coiffeur, Linea Bertoli, Max Kaeser Stahl- und Metallbau, Restaurant Jägerstübli, Restaurant Sternen.