Solothurn

Fasnachtskleiderbörse ist eine närrische Erfolgsgeschichte

Die Fasnachtskleiderbörse im Pfarrsaal der Kirche St.Marien in Solothurn ist ein Traditionsanlass, der längst weit über die Region hinaus bekannt ist.

Zwerge, Eisprinzessinnen, Krähen, Drachen und Kreuzritter – ungewöhnlich farbige Welten taten sich am Samstag im Pfarrsaal der Kirche St. Marien in der Weststadt auf. Noch knapp sechs Wochen bis zum Fasnachtsbeginn, doch das Team der Fasnachtskleiderbörse, das bald sein 30. Jubiläum feiern kann, stand bereits im Dauereinsatz. «Ich war schon ganz kribbelig, als ich bei der Kleiderannahme stand», sagte auch Regula Luterbacher aus Lohn, die die Börse zum zweiten Mal besuchte. «Ich sehe lauter tolle Kleider, und es ist wunderbar, dass es eine Organisation gibt, die dazu beiträgt, dass die Fasnachtskultur weiterlebt.»

Prall gefüllte Kleiderstangen und ein hilfsbereites Team sorgten dafür, dass im Saal keine Hektik entstand und jeder auf seine Rechnung kam. Zweifellos: Die ständig verbesserte Infrastruktur funktioniert. Die grossen Renner waren rasch in grossen Einkaufstaschen verstaut, und die Besucherinnen und Besucher verliessen vergnügt das Gebäude. «Am liebsten möchte ich, dass die Fasnacht schon morgen beginnt», hörte man eine begeisterte Besucherin sagen, die sich ein tolles Schnäppchen ergattern konnte.

Nur selbst Genähtes

Genau so glücklich waren die sieben Team-Frauen der ehemaligen Fasnachtsgruppe «Risnagu», die das Ganze ins Rollen gebracht hatten. «Es ist eine Erfolgsgeschichte», meinte Yvonne Lüthy stolz. «Vom Urgestein sind immer noch vier Frauen dabei.» Und das mit Herzblut, wie sich immer wieder herausstellt. «Als alles begann, haben wir sämtliche Kleider selber genäht und hatten keine Ahnung, was dabei heraus-kommt.» Heute funktioniert der Tausch reibungslos, und statt mit dem Erlös die eigenen Unkosten decken zu müssen, kommt dieser zu einem grossen Teil Nachwuchsgruppen zugute, was auch die Teamfrau Nicole Jenny freut. «Es ist uns sehr wichtig, dass die Fasnachtstradition weitergeführt wird.» Immer noch kommt es vor, dass sich die Börse-Frauen selbst an die Nähmaschine setzen oder unter den zum Tausch mitgebrachten Kleidern eines entdecken, welches sie vor Jahren genäht hatten. «Das freut mich ganz besonders», schwärmte Yvonne Lüthy von alten Zeiten.

Mittlerweile ist die Solothurner Fasnachtskleiderbörse weit über die Region hinaus bekannt und beliebt. «Tatsache ist aber, dass Frauen immer seltener selber nähen», wie Pia Fröhlicher, eine Teamfrau der ersten Stunde, betonte. Trotz der Schliessung gleich mehrerer Fasnachtsläden in der Stadt ist für das Börse-Team jetzt schon klar: «Wir schauen, was auf uns zukommt, aber wir weichen nicht von unserer Strategie ab und nehmen keine gekauften Kleider an.» Immer mehr Fasnachtskleider werden im Internet gekauft und lassen oft das gewisse Etwas vermissen.

Damit betonen die Frauen, dass sie, ob Fasnachtskleider für Erwachsene oder Kinder, auf Kreativität setzen. Und diese kann man zum Teil auch lernen, denn die meisten der Teamfrauen sind keine gelernten Schneiderinnen. «Learning by doing» oder wie es Yvonne Lüthy schildert: «Das Nähen hat mir schon in der Schule Spass gemacht, und ich wäre gerne Werklehrerin geworden.» Aber die Handarbeitslehrerin habe nicht an sie geglaubt. Doch wie es so ist mit Talenten, sie suchen sich trotz allen Widerwärtigkeiten ihren Weg. Und aus der begeisterten Schülerin ist eine begeisterte Näherin von wunderschönen Fasnachtskleidern geworden.

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