Solothurn
Farbenblinde ärgern sich über die vielen Lämpli im Parkhaus

In Solothurn verursacht das Leitsystem für die Parkplatzfindung bei einigen Personen Erkennungsprobleme.

Simon Berger
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Rot und Grün ist nicht für alle Parkplatzsuchende so einfach zu unterscheiden.

Rot und Grün ist nicht für alle Parkplatzsuchende so einfach zu unterscheiden.

Wolfgang Wagmann

Rot und Grün sind Farben, welche sich im öffentlichen Leben etabliert haben. Sie stehen für «Stopp» oder «Los», «besetzt» oder «frei», «geschlossen» oder «offen». Am meisten tauchen sie im Verkehr und in öffentlichen Toiletten auf. Oder seit 2014 in Solothurner Parkhäusern, um die freien respektive die besetzten Parkplätze anzuzeigen. In den Parkhäusern Biel- und Baseltor wurde dieses Leitsystem zur Parkplatzfindung bereits realisiert.

Für die Mehrheit der Parkplatzsuchenden funktioniert dies auch sehr gut. Doch was ist mit den Personen, welche die Farben nicht voneinander unterscheiden können? Denn laut dem Zuger Augenzentrum haben immerhin 8 Prozent der Männer und 1 Prozent der Frauen Probleme, gewisse Farben zu erkennen und auch zu unterscheiden. Eine erstaunlich hohe Zahl.

Simplere Lösung, mehr Nutzen

So wie Robert Zurlinden aus Zuchwil. Seit seiner Geburt nimmt er alle grünlichen Farben als rote wahr. Wesentliche Einschränkungen verursache diese Beeinträchtigung jedoch nicht. Als die Parking AG Solothurn dieses Jahr im Parkhaus Baseltor aber erneut eine Signalisationsanlage einbaute, brachte er seinen Ärger mit einem Leserbrief zum Ausdruck. «Diese Sorglosigkeit nervt mich», sagt Robert Zurlinden. Ihm bringe die Signalanlage in dieser Form gar nichts.

Dabei läge die Lösung in einem winzigen Unterschied: Anstatt einer Rot-Grün-Signalisation, könnte man die Farben durch eine einzige Lampe ersetzen. Wenn diese leuchtet, ist der Parkplatz frei. Wenn nicht, ist er besetzt. «Warum also etwas bauen, wenn man es mit einer einfacheren Lösung allen recht machen könne?», fragt sich Zurlinden und fügt an: «Farbenblinde haben keine Lobby.» Daher würden sie bei solchen Projekten nicht berücksichtigt werden. Und dabei gehe es nicht darum, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Es gehe ums Prinzip.

Problem war nicht bekannt

Auf Anfrage muss Niklaus Studer, VR-Präsident der Parking AG Solothurn, einräumen: «Die Problematik für farbfehlsichtige Personen war uns bis heute nicht bekannt.» Ein entsprechendes Anliegen sei nach der Realisierung der Anlage im Bieltor nie unterbreitet worden. Das System schien sich zu bewähren. Im Berntor sei kein Parkleitsystem geplant, da die spiralförmige Anordnung der Parkplätze eine gute Übersicht gewährleistet. «Sollten wir dennoch eine neue Anlage installieren, würden wir selbstverständlich abklären, ob und inwieweit den Bedürfnissen von farbfehlsichtigen Personen nachgekommen werden kann», sagt Niklaus Studer.

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