Wer den (oder einen?) Schaden hat, braucht für den Schreibstoff nicht zu sorgen. Denn gerade darum bemühen sich schon die zahlreichen Fasnachtstexter, die – neben dem jüngsten Blatt «11 Minuten» – die anderen drei Elaborate närrischer Vergangenheitsbewältigung herausgeben: «Postheiri», «Dr Hudibras» und «Amzblatt». So lieferte in der 358 Tage währenden, fasnachtsfreien Zeit gerade Grenchen wahrhaftige Schwerpunkte – nicht nur mit der «dicken Berta», sondern mit dem anderen gewichtigen Thema, das auch mit «B» anfängt: Manchmal auch kombiniert und prominent wie beim «Postheiri» oder als Themenseite wie beim «Hudibras». Aber im Grunde generierte das Geschehen in «Honolulu» selbst genügend Schadensmeldungen, um allein mehr als vier Fasnachtszeitungen zu füllen.

Ablasshandel mit St. Urs und Victor

Begonnen bei Solothurns Thema Nummer eins: «Sch warm in der St.-Ursen-Kathedrale» titelt der «Postheiri» und lanciert für die Sanierung nach dem Brandanschlag ein Fundraising mit Sündenregister. In dieser äusserst amüsanten Liste figurieren Fehlbare wie Einsiedlerin Verena (für «Hundebeissigkeit») oder Chris von Rohr (für «Dreckadenz»), die sich mit einem entsprechenden Obolus den Ablass und Einlass ins Himmelreich erkaufen können. Dem Thema widmet sich das «Amzblatt» in Form eines Schadensberichts der Gebäudeversicherung in postmodernem Latein: «Cathedralum fucit! Omnia fucit et caput!» – «Alles futsch und kaputt!». Gerade genannter Einsiedlerin Verena Dubacher widmet der «Postheiri» mehr als eine Seite und liefert mit ihrer «Ausweich- und Fluchtwegplanung für Anspruchsgruppen in der Scheinsiedelei» eine nützliche Wanderkarte für Flanierer.

Thema der Narrenpresse ist auch «Deserteur» Martin Jäggi und sein unrühmlicher, weil schweigsamer Abgang vom «Classic Soapen-Air», wie es «Dr Hudibras» nennt. Sowohl hier als auch im «Postheiri» werden – endlich – die Antworten geliefert, die Jäggi damals im Interview mit der az Solothurner Zeitung schuldig geblieben war. Über diese Zeitung wurde überdies auch noch mehr Tinte vergossen. Zum einen widmet sich der «Postheiri» der «Dicken Post von Al Kasera» und beweist in Versform, dass die Realität oft die beste Vorlage für satirische Ergüsse liefern kann, ohne dass der Schreiber viel dazuerfinden muss. Eben: Wer den Schaden hat ... So wird das angebliche Bombenattentat auf die Redaktion auf die Schippe genommen. Eine verdächtige Paketsendung aus Griechenland hatte sich als CD mit Konzertbericht des Thaler Altnarrs Kaser entpuppt: «Und die Moral von der Geschicht: Wottsch ha e Ässzätt-Bombebricht, vo Bauschtu – jo dann schreibe nicht, dass nur vom Thal kommt der Versand – bleib anonym, aus Griechenland!» Die Untätigkeit der Polizei («Das Bömbi lassen wir hier sein.») wird andererseits auch in einem anderen Fall am selben Ort auf amüsanteste Weise durch den Kakao gezogen: So veröffentlicht «Dr Hudibras» das «geheime Nichteinsatzprotokoll der Kapo Solothurn», das nach der illegalen Grossparty in der ehemaligen Vogt-Schild-Druckerei vorlag. So beginnt der betreffende Samstagabend für die Ordnungshüter mit der Verfolgung drei rüstiger Rentnerinnen, befasst sich streckenweise mit den natürlichen Bedürfnissen von Diensthundewelpe Waldemar und endet am Sonntagmorgen mit Kafi und Gipfeli für das Sondereinsatzkommando. Dieser Beitrag unter dem Titel «Füdlibürger» zählt zweifelsfrei zu den Highlights der närrischen Presselandschaft 2011.

Das «Who is who» gehört dazu

Ein illustrer Kopf ist heuer Pirmin Bischof, der in gut portionierter Form auf vielen Seiten erscheint. Hätte der «Hudibras» einen Umfang von 200 Seiten, so würden die Macher wohl ein Daumenkino zu Ehren des CVP-Nationalrats einbauen. So aber beschränken sie sich unter dem Stichwort «Pirmin von allen Seiten» auf sechs Standbilder seiner diversen Fernsehauftritte. Auch sonst «mönschelet» es im honolulesischen Blätterwald: Das «Who is who» gehört dazu. Und nur wer nicht vorkommt, ist betupft. Weitere Themen wie Colette Adams («Adam Kadabram») Ausflug nach Bern, der Wiehnachtsmäret am Kreuzackerquai, die Fumoirs-Wirren und das Brandneuste von der Sässelifront runden das dichte Päckli ab, welches – Hilarius sei dank! – nur für die Lachmuskeln explosiv ist.