Solothurn
Experimentelle Klänge in der Verenaschlucht

In der Verenaschlucht wurde «Schöpfungswoche des Paracelsus» im Gedenken an Silja Walter aufgeführt. Im Publikum waren viele Stimmen zu hören, die sich über das Erlebte begeistert äusserten.

Gundi Klemm
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Die Schoepfungswoche des Paracelsus
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Die Schoepfungswoche des Paracelsus - Das lyrische Werk der verstorbenen Silja Walter - aufgefuehrt in der Verenaschlucht Solothurn 13
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Die Schoepfungswoche des Paracelsus

Solothurner Zeitung

Als wären Dichtung und Komposition eigens für die Verenaschlucht geschaffen worden, so gut fügte sich die «Schöpfungswoche des Paracelsus» in die beeindruckende Kulisse der Einsiedelei ein. Das Aufführungsensemble – bestehend aus der Sängerin Agnes Hunger, dem Musiker Jimmy Gmür, dem Sprecher Franziskus Abgottspon, dem Tonspezialisten Hansjürg Meier und der Regisseurin Barbara Schlumpf – hatte diesen stimmungsvollen Ort gewählt, um an Ordensfrau und Dichterin Silja Walter und ihre wortmächtige Sprachkunst zu erinnern. Silja Walter, die zeit ihres Lebens im Kloster Fahr zu Solothurn nicht nur als Schöpferin des Theaterspiels aus Anlass der 500-jährigen Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft enge Beziehungen unterhielt, hatte sich 1993 dem Leben und Wirken des Arztes Paracelsus (1493-1541) gewidmet.

Zum 500. Geburtstag des in der Zürcher Vorortgemeinde Engstringen geborenen Erneuerers der Medizin, Alchimisten und Mystikers – genannt Philippus Theophrastus Bombastus von Hohenheim oder kurz Paracelsus – war ihr Werk 1993 in der Klosterkirche Einsiedeln uraufgeführt worden. Sie beschreibt darin den ewigen Kreislauf von Wandel und Wechsel, der alle Natur durchpulst und den Paracelsus als Urgrund allen Lebens erkannt hatte. Den Inhalt des Walter-Stücks hat die neue Inszenierung in dieser Kleinformation aufgegriffen und mit Musik in verschiedensten Stilen verwoben.

Aus Sternsamen gemacht

Von weither kommend vereinten sich bei der gestrigen Aufführung die Singstimme von Agnes Hunger, das Akkordeon und später das E-Piano bei den Kapellen in der Verenaschlucht. Man ahnte durchschimmernden Naturjodel und vergass Zeit und Raum, wenn Abgottspon in ausgeformter poetischer Sprache die noch «schlafenden Wasser» beschwor, über denen dank «Tänzerin Taube die Zeiten erwachen». Rhythmisch phrasierend, lautmalend, vibrierend und improvisierend gaben Vokal- und Instrumentalstimme den entstehenden Urzellen des Kosmos Gestalt.

Das Chaos hat Sinn, sagt die Dichterin. Es gelte aber, der «Weltendinge Knoten aufzubrechen», damit sich Leben vielfältig entfalten könne. Dem «Licht der Natur auf der Spur» seien Heilkräfte (gemäss Paracelsus) in allen Zellen vorhanden. Das gesamte Weltall sei im Menschen angelegt, denn er ist «aus Sternsamen gemacht». Keine Kreatur komme leer daher. Vielmehr zeige sich in «Blut und Flut der ewige Kreislauf von Wandel und Wechsel». Als Teil des grossen Ganzen verlaufe der menschliche Lebenskreis. Das Ende trage «durch die Furt bis zu einer neuen Geburt», hiess es dann tröstlich. Denn Gott eint alle Substanzen, «die im Tanz der Materie und Welten aus der innersten Mitte des Alls zum neuen Werden führen».

Kunstwerk aus Wort und Musik

Sopranistin Hunger verlieh mit ihrem variablen Gesang und ihren unterschiedlichen Stimmfärbungen allen Sprachbildern eine einprägsame Anschaulichkeit, die schliesslich mit leidenschaftlichem Tangorhythmus und befreiend-glücklicher, zarter Jodelsequenz den Bogen vom Anfang der Darbietung schloss.

Im Publikum dieses durchaus experimentell und gemäss Informationstext «grenzüberschreitend» angelegten Auftritts waren viele Stimmen zu hören, die sich über das Erlebte begeistert äusserten. Der Künstlergruppe aus dem Kanton Luzern ist es gelungen, die räumlichen Gegebenheiten mit Musik und Wort zu einem Gesamtkunstwerk zu verbinden.