Exkursion

Pro Natura zeigt, wo sich die Biber in Solothurn verstecken

Die Burg unter der Eisenbahnbrücke ist gut zu sehen – mit etwas Glück sieht man hier auch ab und zu Biber.

Die Burg unter der Eisenbahnbrücke ist gut zu sehen – mit etwas Glück sieht man hier auch ab und zu Biber.

Am Freitagabend fand eine Biber-Exkursion unter der Leitung von Pro Natura Solothurn statt. Die rund 50 Anwesenden begaben sich dabei auf die Spur der Biber, die in der Stadt Solothurn leben.

Wer vom Aaremürli herkommend Richtung Obach spaziert, erkennt am gegenüberliegenden Ufer, beim abgestorbenen Baum gleich unter der Eisenbahnbrücke, einen grossen Haufen Äste. «Das ist die Burg einer Biberfamilie», erklärt David Gerke den rund 50 Personen, die am Freitagabend der Einladung von Pro Natura gefolgt sind, um sich auf die Spur der Biber zu machen, die in der Stadt Solothurn leben.

Bestand hat sich eingependelt

Vier Biberreviere gebe es in der Stadt, erklärt Gerke. Als Projektmitarbeiter «Biber&Co. Mittelland» weiss der Biberister über den Castor fiber, wie er auf Lateinisch heisst, Bescheid wie kaum ein zweiter. «Die erste Familie wanderte 1997 aus dem Kanton Neuenburg ein und liess sich beim Aareinseli nieder. Berühmt wurde ein paar Jahre später die Burg bei der roten Velobrücke, weil man die Tiere dort sehr gut beobachten konnte.»

Mittlerweile habe sich der Bestand in der ganzen Region auf hohem Niveau eingependelt, obwohl der Kanton Solothurn an keinem der vielen Wiederansiedlungsprogramme teilgenommen hat, die ab 1950 durchgeführt wurden. Eine Kontrolle durch den Menschen sei nicht nötig. «Die Jungen leben zwei Jahre in der Burg der Familie, dann müssen sie sich auf die Suche nach einem eigenen Revier machen. Finden sie keinen Ort, wo sie eine eigene Familie gründen können, kommen sie in Dauerstress. Ohne eigene Burg finden sie zu wenig Futter und die Sterblichkeit steigt.»

Im Winter frisst der Biber Rinde und Borke, im Sommer Kräuter und Gräser. «Die Fressspuren können manchmal recht krass aussehen, aber die Vegetation erholt sich rasch, weil der Biber nie lange am selben Futterplatz bleibt. Hat er am Ufer einen Baum gefällt, gibt es dort mehr Sonnenlicht für die nachwachsenden Pflanzen.»

Mittlerweile ist die Exkursion am Bootshaus vorbei bis zur Grillstelle gewandert. Auch hier gibt es Bissspuren. «Der Biber lässt sich durch die Leute nicht gross stören und schwimmt im Zweifelsfall einfach in die Mitte der Aare, wo er sich sicher fühlt», erzählt Gerke. Er wisse von einem einzigen Menschen, der im Kanton Schaffhausen gebissen wurde. Aber der sei auch vom Ufer aus direkt auf das Tier draufgesprungen.

Mittlerweile ist es dunkel geworden und der Biber lässt sich nicht blicken. «Mit etwas Geduld ist es eigentlich ganz einfach, ein Tier zu sichten», meint David Gerke. «Am besten setzt man sich am frühen Abend in der Nähe einer Burg hin und schaut aufs Wasser. Dann ist die Chance gross, dass ein Biber auftaucht, wenn er sich auf den Weg zu seinen Futterplätzen macht.»

Wer die Exkursion in der Stadt verpasst hat, bekommt schon bald eine neue Gelegenheit, um den Biber kennenzulernen. Am 4. April stattet Pro Natura dem Biber-Revier in Hersiwil einen Besuch ab. Treffpunkt ist um 18 Uhr beim Vogelschutzhaus im Bürgerwald Halten.

Weitere Informationen: www.pronatura-so.ch

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