Noch immer hallt der abrupte Abgang des beliebten Stadtpfarrers Niklas Raggenbass in Solothurn nach. Fast täglich stellt jemand die seither immer wieder gehörten Fragen: Warum, wo ist er, was macht er, wie geht es ihm? Weitergehende Stellungnahmen sind weder von Raggenbass selbst noch von der Kirchgemeinde als Arbeitgeber erhältlich. So bleibt es weiterhin bei der offiziellen Version, der Stadtpfarrer habe um seinen Rücktritt ersucht, weil die mangelnde Distanz zu erwachsenen Personen in der seelsorgerischen Tätigkeit ihn «an die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit» geführt hätten.

Niklas Raggenbass gehört dem Benediktinerorden an, und eine Spurensuche bei seiner Gemeinschaft im Kloster Engelberg wird immerhin von Abt Christian Meyer beantwortet. Auf eine Anfrage zum «Fall Raggenbass» schreibt er: «Grundlegend muss ich Sie auf dem Wissensstand lassen, auf dem Sie Pater Niklas liess. Er braucht nun seine Zeit und Ruhe.» 

Im Exklaustrationsverfahren

Wie schon Kirchgemeindepräsident Karl Heeb bestätigt auch der Abt, dass sich Pater Niklas im sogenannten Exklaustrationsverfahren, dem Austrittsverfahren aus dem Benediktinerorden, befunden habe. «In dieser Zeit lebt er ausserhalb des Klosters, ist aber an sein Ordensgelübde noch gebunden und gehört noch zur Gemeinschaft.»

Eigentlich hätte Niklas Raggenbass als Stadtpfarrer von Solothurn ins Bistum Basel aufgenommen werden sollen. Denn ein Priester, so der Engelberger Abt, sei an eine Ordensgemeinschaft oder an ein Bistum gebunden. Zur aktuellen Situation erklärt Abt Christian Meyer: «Pater Niklas gehört noch zu uns, das heisst, es kommt auf seinen persönlichen Entscheid an und dann die Aussprache mit ihm in der Gemeinschaft.» Wie es weitergehe, sei nun «zuerst die persönliche Angelegenheit von Pater Niklas. Diese Zeit und Ruhe müssen wir ihm trotz seines abrupten Weggangs lassen.»

Erst dann würde das Ganze zu seiner Angelegenheit wie der des Ordens. Der Abt lässt völlig offen, ob Niklas Raggenbass überhaupt entscheiden kann, im Orden zu bleiben oder nicht. Aber auch, ob der Benediktinerorden selbst die Kompetenz hat, abschliessend über die Zugehörigkeit ihres Mitbruders zu befinden.

Raggenbass war dem Orden erst vor 22 Jahren als 38-Jähriger beigetreten und hatte unter anderem im Verlagswesen gewirkt.