Töpfergesellschaft
Ex-Botschafter Walter Fust zur Situation der Armen: «Ich bin optimistisch»

Im Vortrag der Töpfergesellschaft sprach der ehemalige Botschafter Walter Fust über die Problematik des Hungers in der Welt. Er konnte dabei Bezug auf die aktuell im Museum Blumenstein stattfindende Ausstellung über das Hungerjahr 1816 nehmen.

Helmuth Zipperlen
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Ex-Botschafter Walter Fürst zum Thema Welthunger in Solothurn
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Das Museum Blumenstein als Kulisse für den Vortrag. Dort findet derzeit eine Ausstellung über das Hungerjahr 1816 statt.
Fust ist vor allem bekannt als ehemaliger Direktor der Deza
Fust kritisiert auch Hilfswerke, welche die multinationalen Konzerne als grosses Feindbild haben.
«Ich bin kein Anwalt der Gentechnologie, aber ohne sie wird es kaum möglich sein, eine Lösung zu finden», sagt Walter Fust.

Ex-Botschafter Walter Fürst zum Thema Welthunger in Solothurn

Diese historische Hungerkatastrophe wurde durch einen Vulkanausbruch in Indonesien ausgelöst und weist darauf hin, dass bereits damals globale Aspekte eine Rolle spielten. Das habe auch heute noch seine Gültigkeit. Walter Fust, vor allem bekannt als ehemaliger Direktor der Deza, ist auch nach seiner Pensionierung immer noch unterwegs im Dienste verschiedener Organisationen, auch der UNO. Schwerpunkt bildet die Welternährung. Deshalb konnte er, abgesehen von einigen visuellen Tafeln, frei sprechen.

Wenn er hinsichtlich einer Verbesserung der Situation der unter Armut leidenden Menschen auf der Welt nicht optimistisch wäre, würde er sich dafür auch nicht engagieren. Das Weltbevölkerungswachstum ist ungebremst und dürfte im Jahre 2100 auf elf Milliarden steigen.

In vielen Ländern der Dritten Welt dienen die hohen Kinderzahlen als Ersatz für nicht vorhandene Altersversorgungen. Es müssten mehr Mittel in die Entwicklungshilfe fliessen, aber an die Basis und nicht, um die Budgets der dortigen Staaten zu verbessern. Hilfe zur Selbsthilfe sei gefragt.

Fust kritisiert denn auch Hilfswerke, welche die multinationalen Konzerne als grosses Feindbild haben. Dabei hätten Unternehmer das nötige Know-how, um Investitionen zu tätigen. Auch die Staatengemeinschaft ist nicht untätig. Trotz wachsender Bevölkerung konnte die Anzahl der Hungernden reduziert werden.

Saatgut und Klimaerwärmung

Interessant waren Walter Fusts Einblicke in weitgehend unbekannte Anstrengungen zur Sicherung des Saatgutes. In unterirdischen Gängen auf Spitzbergen werden bei minus 20 Grad 900'000 verschiedene Samen gelagert. Diese können bei Bedarf reaktiviert und gesät werden. Als Beispiel sprach Fust den Krieg in Syrien an. Syrisches Saatgut wurde aus den Speichern entnommen und in einem vergleichbaren Klima in Marokko angepflanzt und die Früchte können nun nach Syrien gebracht werden, um der dort hungernden Bevölkerung zu helfen.

Lange sei es gegangen, bis sich die landwirtschaftliche Forschung der Klimaerwärmung angenommen habe. Eine jetzt veröffentlichte Studie besagt, dass bei einer Erderwärmung um zwei Grad über längere Zeit 37 Prozent der Grundnahrungsmittel betroffen sind. «Ich bin kein Anwalt der Gentechnologie, aber ohne sie wird es kaum möglich sein, eine Lösung zu finden.» Hingegen findet Fust es schändlich, wenn Firmen Pflanzen patentieren lassen. Spekulanten müssen bekämpft werden. «Heute wechselt eine Schiffsladung bis zu 25-mal den Besitzer, und alle wollen daran verdienen.» Deshalb ist die Schaffung von geeigneten Lagerräumen nötig, um die Lebensmittel nicht sofort auf den Markt zu bringen. Nur so könne einem Preiszerfall begegnet und die Einkommen der Landwirte verbessert werden.

Er selber habe ein Versicherungssystem initiiert, das bei Missernten die Bauern entschädigt. Ein Fragezeichen setzt Fust zur Produktion von Biotreibstoffen zulasten der Ernährungssicherheit. Die Zusammenhänge sind komplex, doch «die langfristige Sicherstellung der Ernährung ist eine gemeinsame Aufgabe aller Länder dieser Welt.»

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