Seit mehr als einem Jahr riecht es in der Vorstadt auch nicht mehr nach Kaffee – der Essig kam in der Kaffeerösterei und Essigfabrik Oetterli schon vorher abhanden. Nun steht fest, dass die Liegenschaft eine neue Nutzung erfahren soll. «Ja, wir sind in der Vorprojektierungsphase», bestätigt Alois Grüter in Dagmersellen. Er führt dort zusammen mit seiner Frau Claudia das Familienunternehmen Artec Holding AG mit rund 80 Angestellten, das «im Viereck Basel–Zürich–Altdorf–Bern» Projekte plant und allenfalls umsetzt.

So laut dem Firmeninhaber zuletzt auch in Biberist, Grenchen oder Alchenflüh. Vor kurzem hatte die neu gegründete Acama Invest AG mit Sitz in Solothurn und Alois Grüter als Verwaltungsratspräsident das Gebäude vom bisherigen Besitzer Hubert Oetterli, respektive dessen Oetterli Immobilien AG, erworben. Um das Vorantreiben des Projekts kümmert sich nun Grüters in Sursee beheimatete Acama Immobilien AG.

Ein Bild aus dem Archiv: Da war die Kafferösterei Oetterli noch neu.

Ein Bild aus dem Archiv: Da war die Kafferösterei Oetterli noch neu.

Projektgruppe klärt ab

Ob Grüter selbst als Investor auftritt oder für einen solchen die Planung übernimmt, lässt er noch offen. Fest steht, dass man zusammen mit dem Stadtbauamt eine Projektgruppe eingesetzt hat, die abklären soll, was im derzeit brach liegenden Vorstadt-Gebäude möglich ist. Für das angedachte Wohn- und Geschäftshaus stellt sich eine Kernfrage: Gestaltungsplan oder nicht? «Dabei geht es um die Gebäudetiefe, -höhe und die Fassadengestaltung», weiss Alois Grüter. Allerdings, viel Spielraum gebe es nicht, ist sich der Planungsexperte im Klaren. Auf eine Terminschiene legt er sich noch nicht fest, «aber wir möchten dort etwas Gehaltvolles, Schönes aufgleisen».

«Erhöhte Anforderungen»

Auf dem Stadtbauamt bestätigt dessen Leiterin Andrea Lenggenhager, dass eine Voranfrage zum Oetterli-Areal eingereicht und von der Baukommission beantwortet worden ist. «Ein Neubau muss sich an das gültige Bau und Zonenreglement halten. Das Areal liegt im Ortsbildschutzgebiet, hier gelten erhöhte Anforderungen», stellt Lenggenhager fest. Wenn ein allfälliger Neubau vom Zonenplan abweiche, gelte es zu prüfen, ob ein Gestaltungsplan zu erstellen sei oder nicht. Der Verzicht auf den Gestaltungsplan sei jedoch nur bei «geringfügigen Abweichungen» möglich, und auch diese müssten im Rahmen der Projektentwicklung ständig überprüft werden», so die Leiterin Stadtbauamt.

Als Beispiele führt sie die bereits existierende Durchfahrt in den Innenhof an, die gewährleistet bleiben müsse, oder die Gebäudehöhe, bei der die Traufhöhe mit den Nachbargebäuden abzustimmen sei.

Für die Parkplatzerstellungspflicht gelte das aktuelle Parkplatzreglement, von der Nutzung her wären in der Kernzone öffentliche Bauten, Geschäfts- und Wohnbauten, aber auch nichtstörende Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe zulässig. Im neu überarbeiteten Bauinventar der Stadt, das mit der laufenden Ortplanungsrevision in Kraft treten soll, ist das Oetterli-Areal nicht mehr aufgeführt.

Dazu Andrea Lenggenhager: «Dies ist nicht mehr der Fall, da im Gebäude innen sehr viel strukturelle Veränderungen vorgenommen worden sind.» Dagegen sind fast alle benachbarten Gebäude, insbesondere auch die nur durch den Innenhof abgegrenzten Häuser an der Dornacherstrasse, im Inventar als geschützt oder zumindest schützenswert eingestuft.