Die «glismete Stadt», die den ganzen Mai lang in Solothurn für Gesprächsstoff sorgte, gehört der Vergangenheit an. Zwei Brücken – oder zumindest deren Geländer – waren kuschelweich und kunterbunt eingepackt.

Ebenso erhielten etliche Regenrohre ein farbiges Tenü aus übrig gebliebener «Lismer-Munition». Ein beliebtes Objekt zum Anschauen, Drüberreden, Fotografieren oder Berühren. Dabei war die Installation, die von 50 strickfreudigen Freiwilligen im Vorfeld erschaffen wurde und schätzungsweise einen Kilometer Länge aufwies, bloss Auftakt und Anreisser fürs ganze «Platz da!»-Projekt.

Wenngleich ein äusserst wirksamer: «Man sieht es in der Jugendarbeit selten, dass etwas so Anklang findet wie das Strickgraffiti», stellt Barbara Kläsi, Fachverantwortliche Jugend des Alten Spitals, fest.

Natürlich gab es Einzelne, die der Installation eher skeptisch gegenüberstanden. «Dass es alle schön finden würden, war aber nicht Ziel», macht Eva Gauch, Betriebsleiterin des Alten Spitals, deutlich.

Die Installation und das ganze Projekt «Platz da!» sollen die Diskussion um den öffentlichen Raum und seine Nutzung anregen. Das darf dann durchaus auch provokativ sein.

Reichhaltiges Programm

Angelpunkt des ausgedehnten Programmfächers war die Spielstadt, die am Kreuzackerplatz mit einem «Kiosk» gegen Rassismus und einer Sofa-Ecke auf sich aufmerksam machte.

Als Highlights des Monats erinnert Kläsi an die Stadtrundgänge «Einmal anders». «Der Anlass, bei dem man Solothurn aus der Perspektive von gestern, heute und morgen kennenlernen konnte, war stets ausgebucht», so Kläsi. Ebenso erinnert sie sich gerne an den Flohmarkt mit rund 90 Ständen: «Eine gute Generationenmischung war dort anzutreffen» – etwas, das durchaus im Sinn und Geiste der Veranstalter war.

Gut besucht waren auch die Anlässe der Quartierspielplätze: Dort konnten Teilnehmer zwischen 6 und 13 Jahren die Ecken Solothurns nach Kriterien der Kinderfreundlichkeit bewerten.

Für ausbaufähig hält Kläsi dafür den Graffiti-Wettbewerb, sowie «Findet Esmeralda». Bei diesem Angebot konnten Kinder mithilfe eines Apps Solothurner Institutionen besuchen und dabei ihre Sozial- und Medienkompetenz vertiefen.

Niederschwelliges Angebot

An vielen Ecken und Enden des Projekts habe die multiplizierende Wirkung des Weitersagens dem Projekt einen Dienst erwiesen, nicht nur beim Strickgraffiti. Der tägliche freiwillige Einsatz durch Mitglieder des Serviceclubs Kiwanis deckte den Personalbedarf der Spielstadt.

Er liess ganz nach Schneeballprinzip aber auch neue Passanten am Ort des Geschehens innehalten. «Normalerweise geht man mit Scheuklappen über diesen Platz, da man nicht weiss, ob jemand einem was andrehen will», so Kläsi – «Nicht so bei uns.»

Durch bekannte Gesichter oder durch das Strickgraffiti habe sich die Zugangsschwelle zum «Platz da!»-Angebot gesenkt. Einige Familien haben die Spielstadt am Kreuzackerplatz gar als Ritual regelmässig besucht, um beispielsweise T-Shirts zu gestalten.

«Es ergaben sich neue Möglichkeiten, mit der Jugendarbeit in Berührung zu kommen und bei einem Sirüpli einiges über das Jugendtreff-Angebot zu erfahren», so Kläsi. Die Jugendarbeit bekomme dadurch aber nicht nur bei der direkten Klientel ein Gesicht. «Es ging auch darum, die Jugendarbeit bei der breiten Öffentlichkeit sichtbar zu machen, zu zeigen, dass es uns gibt und zu erzählen, was wir machen.»

Auch die Zusammenarbeit mit den diversen Mitstreitern wird als Gewinn betrachtet. Dazu zählen der Buechibärger Märet, die Gewerbetreibenden, die Ladenfläche für «Schaukunst» zur Verfügung stellten oder andere Player rund um «Platz da!»

Fortsetzung folgt?

Der Projektaufwand beträgt 88 000 Franken, wovon die Hälfte durch Eigenleistungen des Alten Spitals bestritten wird. Die restliche Finanzierung wurde laut Eva Gauch durch Kollekten oder Stiftungsbeiträge (z.B. Kiwanis) und die öffentliche Hand erbracht.

In ihrem Rapport zählt Barbara Kläsi rund 1900 Begegnungen, die im Mai stattgefunden haben. Eine Indiz, dass das Projekt fortgesetzt wird? Eva Gauch: «‹Platz da!› war nie nur als einmaliges Projekt konzipiert.»

Und es sei eben gerade deshalb wiederholbar, weil man die einzelnen Aktivitäten nicht wiederholen muss. Wie sie nämlich weiter verrät, warten noch etliche unverwirklichte Ideen für «Platz da!» in der Schublade auf ihre Umsetzung ...