Nicht nur Maikäfer schwärmen jedes Jahr im Wonnemonat aus – ganz besonders tuns in Solothurn auch die Passanten. Das dafür nötige Klima schaffte heuer wieder «Platz da». Das Monatsprojekt mit über 50 Aktionen unter der Schirmherrschaft des Alten Spitals und mit 63 Partnerorganisationen suchte zum vierten Mal die Strassen, Gassen und Plätze der Stadt mit Ständen, Installationen und wiederum mit der mobilen Bühne «Adapter» heim.

Das Ziel: den öffentlichen Raum mit künstlerischen, informativen und geselligen Aktionen zu bespielen und die Diskussion darüber anzustossen, wer diesen auf welche Weise in Anspruch nehmen soll. Und der Raum wurde in Anspruch genommen – von gesamthaft rund 3500 neugierigen Passanten, wie Eva Gauch vom Alten Spital schätzt.

Als eine der Attraktionen nennt sie die Pump-Track-Bahn auf dem Kreuzackerplatz. «Ein Magnet, der während der ganzen Zeit frei nutzbar war – für ein breites Publikum.» Bezeichnend für die Philosophie von «Platz da»: Auf der Piste reihten sich der Vierjährige auf dem Like-a-Bike und der Sportaffine auf dem Mountainbike ohne Gedränge hintereinander ein. «Ein Katalysator für die Begegnung der niederschwelligen Art», sagt Gauch. Genau diese Durchmischung unterschiedlicher Menschen sei geschätzt worden.

«Food Waste» als Thema

Als der am besten quantifizierbare Anlass bleibt Gauch das «Festessen gegen die Verschwendung» in Erinnerung. Passionierte Hobbyköche – zum Teil aus den Reihen des Lions Clubs, der Landfrauen oder des Vereins «Solothurn hilft» verarbeiteten 100 Kilo Gemüse, 75 Kilo Kartoffeln und eine grosse Menge Fleisch zu 500 Portionen.

Gesellschaftskritischer Hintergrund: das sogenannte «Food Waste» oder Wegwerfen von – scheinbar  abgelaufenen Lebensmitteln. «Damit fand zum ersten Mal eine Aktion statt, die unser Thema des öffentlichen Raums mit einem gesellschaftlich so aktuellen Thema verbindet», sagt Gauch. Es würden so Leute erreicht, die sich sonst damit nicht auseinandersetzen. «Es kamen viele Passanten, die nichts über ‹Food Waste› wussten, und die wir zum Absitzen und Mitessen bewegen konnten.»

Ebenfalls in Erinnerung bleibt das Multikulti-Streetsoccer-Turnier, bei dem auch Flüchtlinge und Randständige mitwirkten. Zustande kam diese Aktion durch den Kontakt mit APA Olten (Aktion Platz für Alle) und dem Surprise (Unterstützungsverein für benachteiligte Menschen). Ebenso zeigt sich Gauch erfreut über die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen wie den Literaturtagen. «Es sind immer mehr Partner, die auf uns zukommen, weil sie etwas mit uns organisieren wollen.» Das passt ins Konzept von «Platz da!»: Sich durch Impulse von aussen neu erfinden – dann aber diese Impulse weitergeben, damit Neues entstehen kann, ausserhalb von «Platz da», wie Gauch sagt. Ein Beispiel: Die Landfrauen spielen nun mit dem Gedanken, im Thal ein eigenes Projekt gegen «Food Waste» aufzuziehen.

Eine schwarze Null

Auch dieses Jahr schlängle man sich finanziell zu einer schwarzen Null durch, bilanziert Gauch zum Abschluss. Während Stiftungen mit spezifischem Unterstützungsfokus auf das thematisch sehr breite «Platz da»-Konzept eher wenig aufspringen, sei man über die Unterstützung von anderen Gönnern dankbar. Und mehr noch: über helfende Hände, Dienstleistungen und direkt gespendete Güter, die die Partner einbringen. «Und je länger, je mehr wird ‹Platz da› genau auf diese Weise funktionieren», so Gauch.